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Chronik

Corona-Demos - Zahlreiche Anzeigen und Kickl-Rede bei Jesuitenwiese

Von nachrichten.at/apa   06. März 2021 18:32 Uhr

CORONA: DEMONSTRATION CORONAWIDERSTAND.ORG
Kundgebungen gegen die Covid-19-Maßnahmen der Bundesregierung am Samstag in Wien.

WIEN. Tausende Teilnehmer haben am Samstag bei der Anti-Corona-Demo einer Rede von FPÖ-Klubchef Herbert Kickl auf der Jesuitenwiese im Prater beigewohnt. Bis dahin hatte es laut Landespolizeidirektion bereits zahlreiche Anzeigen wegen Nichteinhaltung der Covid-19-Maßnahmen und dem Versammlungsgesetz gegeben.

Die Polizei kündigte am Freitag an, dass 1.500 Polizistinnen und Polizisten im Einsatz sein werden, wobei noch kurzfristig aufgestockt werden kann. Die Dimension der Großdemo in Wien dürfte ähnlich groß sein wie schon bei zwei Kundgebungen mit rund 10.000 Teilnehmern im Jänner.

Vor der eigentlich für 15.00 Uhr angekündigten Kundgebung im Prater - Motto "Demokratie, Grundrechte und Freiheit" - sprach der FPÖ-Klubchef schon spontan am Heldenplatz. Bei dieser von ihm als "Vorspiel" bezeichneten Darbietung redete er von "Corona-Stahlhelmen in den Regierungsbüros" und "Schmuddel-Typen" in den Ministerien. Anwesend waren da auch zahlreiche weitere Nationalratsabgeordnete der FPÖ wie Dagmar Belakowitsch oder Generalsekretär Michael Schnedlitz.

Danach setzte sich der Zug wieder in Bewegung, vom Heldenplatz strömten die Demonstranten durch das Burgtor zurück auf den Ring. Kurz vor 14.00 Uhr wurde die Exekutive beim Maria-Theresien-Platz tätig und löste die dortige Versammlung auf, berichtete Polizeisprecherin Barbara Gass. Gegen 16.00 Uhr berichtete die Landespolizeidirektion, dass beide Demonstrationszüge im Prater angelangt seien. Unter den Teilnehmern der Demo waren laut orf.at erneut Vertreter der rechten Szene etwa die Identitären oder der verurteilte Neonazi Gottfried Küssel. Reinhard Schnakl, stellvertretender Generaldirektor für die Öffentliche Sicherheit, hatte am Freitag davor gewarnt, dass sich bei diversen Corona-Demos Rechtsextreme und Verschwörungstheoretiker tummeln.

Im Prater sprach der blaue Klubobmann dann von einer Regierung im "Machtrausch", ortete eine Spaltung der Gesellschaft und "Propaganda" bei den Medien, das gewohnte "Lügenpresse" skandierten seine Zuhörer als Reaktion. Die EU-Gesundheitspolitik sei ein "gleichgeschaltetes Machtspiel", denn "die da oben wollen uns beherrschen", ließ Kickl wissen und sprach auch den Besuch von Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) in Israel wegen der Impfstoffe am Donnerstag an: Dort herrsche eine "Gesundheitsapartheid", das Land sei gegenwärtig eines der "Unfreiheit". Einige antisemitische Kommentare waren daraufhin aus dem Publikum zu vernehmen. In den 40 Minuten skandierte Kickl auch mehrfach "Kurz muss weg" und endete mit einem selbst verfassten Gedicht über die "Corona-Tyrannei".

Maskenträger waren auf der Jesuitenwiese in der Minderheit: Die Aufforderung der Veranstalter, diese Masken auch zu tragen und Abstand zu halten, wurde mit Gelächter quittiert. Viele Bierdosen waren dafür wahrnehmbar, und auch die Folgen des Konsums dieser auf manche der - sichtlich in Feierlaune geratenen - Teilnehmer.

Gegendemo von linker Seite

Für die Gegendemo von linker Seite sammelten sich kurz nach 12.00 Uhr zunächst rund 200 Teilnehmer im Votivpark, die meisten mit Rad für die anschließende Fahrraddemo. Auf dem Weg zum Prater wurde auf diversen Social-Media-Plattformen dann von Auseinandersetzungen zwischen Anti-Corona-Demonstranten und Gegnern auf dem Rad berichtet. Auf Twitter wurde von Pfeffersprayeinsatz seitens der Exekutive berichtet.

Polizeisprecherin Barbara Gass sagte gegenüber der APA, dass zahlreiche Festnahmen bei den Teilnehmern der Demozüge unter anderem wegen Nichteinhaltung der Covid-19-Maßnahmen und dem Versammlungsgesetz vollzogen worden seien. Angaben zur Anzahl der Teilnehmer oder jener der Anzeigen gab es vonseiten der Landespolizeidirektion vorerst noch keine. Nachdem sich im Prater dann die Reihen lichteten, berichtete die Polizei, dass die Schüttelstraße stadteinwärts immer wieder gesperrt werden musste, gegen 18.00 Uhr wurden dann alle Donaukanal-Brücken am Weg gesperrt, zahlreiche Demonstranten wichen daher auch zur Aspernbrückengasse aus.

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