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Oberösterreich

Wenn Kinder spurlos verschwinden: "Die Ungewissheit ist das Schlimmste"

Von Manuela Kaltenreiner 25. Mai 2019 04:12 Uhr

WIEN/LINZ. Am heutigen Tag der vermissten Kinder sind in Oberösterreich 61 Minderjährige abgängig.

Wenn ein Kind nicht zur vereinbarten Zeit nach Hause kommt, durchleben Eltern bange Minuten und Stunden. In den meisten Fällen gibt es ein glückliches Ende und die vermissten Kinder und Jugendlichen tauchen nach kurzer Zeit wieder auf. Manchmal warten Familien aber Jahre auf ein Lebenszeichen. Derzeit werden österreichweit 1033 Kinder vermisst, dazu kommen noch 413 Jugendliche im Alter von 14 bis 18 Jahren. Gerade Jugendliche laufen oft bewusst weg.

Im Vorjahr sind in ganz Österreich 11.000 Vermisstenanzeigen erstattet worden – im Durchschnitt 30 Anzeigen täglich. Drei Viertel davon betrifft Jugendliche, die in Betreuungseinrichtungen leben und regelmäßig untertauchen. Am Ende bleiben von tausenden Anzeigen laut dem Bundeskriminalamt jährlich zehn Vermisstenfälle ungelöst.

Kindesentziehungen steigen an

Derzeit wird in Oberösterreich nach 61 Minderjährigen gesucht. Bei den Kindern sind es ausschließlich Kindesentziehungen, in denen das Landeskriminalamt ermittelt. Tendenz steigend. Fünf Fälle gibt es aktuell, in denen ein Elternteil mit den Kindern untergetaucht ist. Dennoch kann es Jahre dauern, bis die Kinder aufgespürt und wieder nach Oberösterreich zurückgebracht werden können – auch aufgrund rechtlicher Hürden zwischen den Ländern.
In einem der ungelösten Vermisstenfälle wartet eine Mutter seit 2012 auf die Rückkehr ihrer beiden Söhne. Der Vater (56) soll die Buben bei seiner Familie in Ägypten versteckt halten. Er selbst sitzt im Gefängnis, da er schon mehrmals am Landesgericht Steyr rechtskräftig zu Haftstrafen verurteilt worden war, weil er den Aufenthalt seiner Kinder nicht verrät. Die jahrelange Ungewissheit ist es, die den Familien am meisten zusetzt: „Das ist eine Ausnahmesituation, in der sie professionelle Hilfe brauchen. Die Ungewissheit ist das Schlimmste für sie“, sagt Thomas Löfler, Vermisstenfahnder vom Landeskriminalamt Oberösterreich.

Kostenlose Hotline „116000“

Ausreißer, die nicht weiter wissen, und besorgte Angehörige bekommen bei der europaweiten Hotline für vermisste Kinder unter der Nummer 116000 Hilfe. Der Notruf ist ein Angebot von Rat auf Draht und SOS-Kinderdorf. „Wenn ein Kind vermisst wird, dann gibt es keine Wartefrist, Angehörige können sofort bei der nächsten Polizeidienststelle eine Abgängigkeitsmeldung machen. Es ist aber wichtig, Ruhe zu bewahren, denn zum Glück tauchen Kinder meist innerhalb weniger Stunden oder Tage wieder auf“, sagt Birgit Satke, Leiterin von Rat auf Draht.

Drei Fragen an Thomas Löfler, Vermisstenfahner beim LKA-Oberösterreich

  • Sie haben bei Ihren Ermittlungen häufig Kontakt mit den Eltern der vermissten Kinder und Jugendlichen. Wie gehen die damit um?

Speziell für Familien ist das eine Ausnahmesituation. Die Ungewissheit, wo das Kind geblieben ist, ist das Schlimmste für sie. Eltern brauchen professionelle Hilfe in der Zeit. Unlösbare Fälle sind nahezu unerträglich und oft wünschen sich die Familien nur die Gewissheit darüber, wo das Kind ist, selbst wenn das Ende kein Gutes ist.

  • Ein Großteil der Vermissten in Oberösterreich sind Jugendliche zwischen 14 und 18 Jahren. Was sind da die Gründe dafür?

Von den 1000 bis 1200 Jugendlichen, die jährlich vermisst werden, leben 600 bis 800 in Betreuungseinrichtungen. Diese laufen auch mehrmals davon. Oft ist die erste Liebe ein Auslöser, zur Zeugniszeit steigt die Zahl auch immer an.

  • Wie sieht es aktuell mit vermissten Kindern in Oberösterreich aus?

Momentan haben wir da nur fünf Fälle von Kindesentziehungen, also wenn ein Elternteil mit Kindern untertaucht, meist ins Ausland. Da ist die Tendenz aber steigend.

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