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Innviertel

Coronapartys fliegen nur vereinzelt auf: Anzeigen drohen

Von OÖN   09. Dezember 2021 10:00 Uhr

Symbolbild: Partys sind verboten.

BRAUNAU/SCHÄRDING/RIED. Sowohl im Bezirk Braunau als auch in den Bezirken Ried und Schärding ist die Polizei selten mit verbotenen Partys konfrontiert.

Coronapartys sollen dem Vernehmen nach Hochsaison haben. Menschen treffen sich trotz Lockdown und Kontaktverbot in größeren Gruppen, mancherorts sogar wissentlich mit Infizierten, um selbst an Corona zu erkranken und damit einen Genesungsbescheid zu erhalten. Dass das medizinisch keine gute Idee ist, bekräftigt Pandemie-Stationsleiter Thomas Winter, siehe Artikel oben rechts.

Ins Visier der Polizei sind solche Partys nur vereinzelt geraten. Im Bezirk Braunau noch gar nicht, in den vergangenen Lockdowns sehr selten, wie Bezirkspolizeikommandant Martin Pumberger auf Anfrage mitteilt. Eine solche Party wird aufgelöst, es werden Personalien aufgenommen und es folgen Anzeigen bei der zuständigen Bezirkshauptmannschaft. Angezeigt und gestraft werden alle Teilnehmer, bekräftigt Pumberger.

Ganz ähnlich ist die aktuelle Situation auch im Bezirk Ried. Laut Bezirkspolizeikommandant Stefan Haselberger gab es im Frühjahr vereinzelte Vorfälle, derzeit sei es diesbezüglich aber ruhig. Vor einigen Monaten habe es mehrere Anzeigen gegeben. Darauf aufmerksam wurde man in den meisten Fällen durch Informationen der Nachbarn – oft allerdings erst im Nachhinein. Generell sei die Situation für die Polizei eher schwierig, „denn Beamte dürfen ohne entsprechenden Grund nicht einfach Privatgrundstücke betreten. Daher ist unser Handlungsspielraum – zum Beispiel, wenn viele Autos vor einem Haus geparkt sind – eher eingeschränkt“, sagt Haselberger. Es sei trotzdem eine schlechte Idee, auf solche Partys zu gehen. „Denn falls es Kontrollen gibt, dann macht sich jeder Einzelne, der dort angetroffen wird, strafbar“, weiß der Bezirkspolizeikommandant. Wie hoch diese Strafen ausfallen, entscheidet die jeweils zuständige Bezirkshauptmannschaft. „Als Polizei sind wir nur das ausführende Organ“, erklärt Haselberger.

Bisher keine Anzeigen in Schärding

Im Bezirk Schärding seien Coronapartys kein Thema. „Die Polizei im Bezirk hatte bis dato während des harten Lockdowns und auch davor keinen einzigen Grund, aufgrund solcher Vorfälle einzuschreiten oder gar Coronapartys aufzulösen. Es gingen hierorts keine derartigen Anzeigen ein“, so Herbert Kirchberger, Stellvertretender Bezirkspolizeikommandant Schärding. Die Überwachung der Lockdown-Maßnahmen erfolge im Zuge des regulären Streifendienstes, wobei – wie sonst auch– fallweise Schwerpunktkontrollen und zusätzliche Streifen eingeplant werden. „Werden Übertretungen festgestellt, wird je nach Lage mit Organmandaten oder Anzeige vorgegangen. Bei geringfügigen Übertretungen können aber auch Abmahnungen ausgesprochen werden.

Die Polizei ist nur als Assistenzorgan für die Gesundheitsbehörde tätig und die Hauptzuständigkeit liegt dort“, so der Stellvertretende Schärdinger Bezirkspolizeikommandant.

„So etwas ist verrückt und verantwortungslos“

Der Leiter der Pandemiestation am Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern Ried, Thomas Winter, über die Praxis der „Ansteckungspartys“.

OÖN: Was sagt ein Mediziner, der täglich mit coronabedingten Schwerkranken und Todesfällen zu tun hat, dazu, dass sich Menschen bewusst anstecken?

Thomas Winter: Ich kann das nur als verrückt und verantwortungslos bezeichnen. Wer das macht, gefährdet sich selbst und steckt andere an, die schwer erkranken und an COVID sterben können.

Wie kann man die Menschen von dieser verrückten Idee abbringen?

Wer eine Coronaparty besucht, treibt die Fallzahlen in die Höhe, die Intensivbetten bleiben weiterhin sehr knapp und der Lockdown muss verlängert werden. Die Verlängerung des Lockdowns kann nicht unser Ziel sein.

Noch immer kursiert die Meinung, dass junge Menschen nicht schwer erkranken...

Auch junge Menschen können schwer erkranken, bei Kindern wird eines von tausend schwer krank und muss ins Spital. Besonders gefährdet sind junge Menschen mit Vorerkrankungen wie Diabetes oder massivem Übergewicht.

Hatten Sie schon mit Infizierten aus Infektionspartys zu tun?

Ich bin mir sicher, dass einige unserer Patienten aus Coronapartys kommen. Aber wir Ärzte fragen da nicht nach, das ist nicht unser Job und wir halten uns an die Schweigepflicht.

Wie kann man diese Menschen erreichen, um sie zum Impfen zu bewegen?

Die beiden RNA-Impfstoffe sind seit Beginn der Pandemie milliardenfach bewährt, sie bieten einen sehr guten Schutz vor schwerer Erkrankung und sind ein wichtiges Mittel, um weitere Lockdowns und Einschränkungen zu verhindern.

Thomas Winter, Internist, Leiter der Pandemiestation am Rieder Spital

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