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Innviertel

"An vorderster Front mitzugestalten, das reizt mich"

Von Bianka Eichinger 25. Mai 2019 14:45 Uhr

"An vorderster Front mitzugestalten, das reizt mich"
Michael Hutterer ist seit 33 Jahren mit Leib und Seele Feuerwehrmann.

SCHÄRDING. Schärdings Bezirksfeuerwehrkommandant Michael Hutterer startet zweiten Versuch Landes-Vize zu werden.

Michael Hutterer war einer der Helden beim Hochwasser 2013 in Schärding. Er und seine Feuerwehrkameraden leisteten während der Naturkatastrophe nahezu Unmenschliches. Jetzt will der Schärdinger Bezirksfeuerwehrkommandant Vize-Landesvorsitzender werden. Warum sich der Innviertler am 29. Mai – nochmal – der Wahl stellt und welche Herausforderungen er und seine Kameraden in Zukunft meistern müssen, erzählt der Schärdinger im Interview.

 

Volkszeitung: Sie haben sich bereits 2011 um das Amt des Vize-Landesfeuerwehrkommandanten bemüht – und verloren. Warum ein zweiter Versuch?

Hutterer: Ich bin seit 33 Jahren Feuerwehr-Mitglied und habe mir an keinem einzigen Tag in all diesen Jahren die Frage gestellt hat, ob diese Entscheidung richtig war. Ich fühle mich sehr wohl und sehe es als meinen persönlichen Beitrag für unsere Gesellschaft. Was die Wahl zum stellvertretenden Landesfeuerwehrkommandanten betrifft, so ist es genau dieses Interesse, das mich antreibt, zu kandidieren. Die Möglichkeit der Mitgestaltung unseres Systems und Organisation an vorderster Front, das reizt mich. Ich bin der Überzeugung, positive Erfahrung einbringen zu können und deshalb biete ich mich den Wahlberechtigten an.

Warum sollten Ihre Kameraden Sie diesmal wählen?

Es gibt ja wenige Einrichtungen so wie die unsere – ich kenne eigentlich keine Zweite – bei der bis nach oben in die höchsten Führungsgremien die Führungskräfte demokratisch gewählt werden. Das macht uns auch aus. Unsere Feuerwehrmitglieder wählen sich ihre Führungsorgane selbst. Und das bringt mit sich, dass hier nur jemand eine Chance hat, der es ehrlich meint und mit Qualität und Verlässlichkeit überzeugen kann. Ich hoffe, dass ich diesen Qualitätsansprüchen genügen kann.

Der Posten des Vize-Landesfeuerwehrkommandanten ist ein Fulltime-Job. Geben Sie Ihren Beruf auf, wenn Sie gewählt werden?

Ja, das ist sicher ein Fulltime-Job und dessen bin ich mir völlig bewusst. Deswegen wird es unmöglich sein, nebenher noch andere Aufgaben ordentlich zu erledigen. Darauf habe ich mich eingestellt und mit jenen Personen, die bei einer positiven Wahl betroffen sein könnten, Gespräche geführt. Wir sind vorbereitet, sowohl beruflich als auch in den Feuerwehrgremien.

Das Amt als Schärdinger Abschnitts-Feuerwehrkommandant müssten Sie natürlich auch zurücklegen. Ein herber Verlust für Ihre Kameraden. Was sagen sie dazu?

Wir können überall Führungskräfte anbieten, die meine bisherigen Aufgaben übernehmen. Ich bin nun 19 Jahre Kommandant der Feuerwehr Schärding und neun Jahre Abschnittsfeuerwehrkommandant. In dieser Zeit haben wir nicht geschlafen und Führungskräfte aus dem eigenen Nachwuchs geformt, worauf ich auch ein bisschen stolz bin.

Seit Jahresbeginn können bereits Achtjährige in den Feuerwehren aufgenommen werden. Das Problem, dass viele Nachwuchskameraden mit 16 Jahren nicht den Sprung in den Aktivstand schaffen, ist aber damit nicht gelöst, oder?

Die Möglichkeit, Achtjährige in die Feuerwehren aufzunehmen war nur ein logischer Schritt und wird überall, wo es schon umgesetzt ist, äußerst positiv angenommen. Ich brauche nur in meiner Feuerwehr zu schauen, wo wir alleine neun Neuzugänge haben. Den Übertritt von der Jugendgruppe in den Aktivstand als Problem zu sehen, will ich so nicht stehen lassen. So wie auch nicht jeder junge Fußballspieler in einen Erwachsenenkader wechselt, so ändern sich auch die Interessen bei manchen unserer Feuerwehrjugendmitglieder – das ist uns bewusst. Aber wir bemühen uns verstärkt und werden auch zukünftig neue Maßnahmen setzen, damit wir uns für die Altersgruppe von 14 bis 18 Jahren noch attraktiver präsentieren und damit die Dropout-Rate minimieren können.

Eine wichtige Generation bei den Feuerwehren ist die 50 plus. Wie entscheidend ist es Ihrer Meinung nach, dass auch die Reservisten vermehrt in die Kameradschaft integriert werden?

Die Generation 50plus – in meiner Feuerwehr übrigens liebevoll "Oldies" genannt – ist ein unverzichtbarer Teil unserer Einsatzorganisation. Damit gelingt uns die Verteilung von Aufgaben auf mehreren Schultern. Mit den Aufgaben, die mir unsere Oldies abnehmen, schaffe ich mir zeitliche Freiräume, um die jüngeren Kameraden mit der "härteren" Arbeit belasten zu können. Das funktioniert seit Jahren ausgezeichnet. Feuerwehr ist "Teamwork", wo jeder seine Aufgabe wahrnimmt – das ist keine Frage des Alters, wir haben für jeden etwas zu tun. Wir können auch in der Tageseinsatzbereitschaft auf niemanden verzichten, egal ob unsere Damen, Landwirte oder Pensionisten, um tagsüber in gleicher Qualität helfen zu können.

Eine wahre Flut an Akku-Geräten bzw. E-Fahrzeuge fordert die Feuerwehren. Wie gelingt es, sich immer auf die neuesten Techniken einzustellen?

Ich habe gerade ein österreichweites Projekt geleitet, in dem wir ein komplettes Ausbildungspaket für jede Feuerwehr zum Thema "Alternative Kraftfahrzeugantriebe" auf den Markt gebracht haben. Die Feuerwehren brauchen es nur mehr nehmen und damit ihre Mitglieder ausbilden!

Gestaltet sich die Suche nach ehrenamtlichen Funktionären auch bei den Feuerwehren in OÖ immer schwieriger?

So wie überall wird es auch im Feuerwehrwesen nicht leichter, Menschen zu finden, die sich über die "normale Feuerwehrarbeit" hinaus in Führungsverantwortung begeben. Aber wir freuen uns, dass wir hier aktuell keine Probleme haben. So ist zum Beispiel in allen 27 Feuerwehren in meinem Abschnitt ohne Probleme im Wahljahr 2018 für jede Führungsfunktion jemand gefunden worden. Aber so wie ich in der fünften Periode Kommandant zu sein, das wird seltener.

Und wenn Sie gewinnen, was machen Sie als Erstes?

Wenn ich gewinne, würde ich vom ersten Moment weg daran arbeiten, Motivation auf die 92.000 Feuerwehrmitglieder in unseren 915 Feuerwehren auszuüben. Sie sollen von Beginn weg spüren, dass uns die Mitarbeit jedes einzelnen wichtig und wertvoll ist!

 

Zur Person

Geburtsdatum: 6. Juli 1974

Wohnort: Schärding

Familie: verheiratet mit Claudia, drei Kinder: Dominik 18, Raphael 17, Fabian 8

Beruf: gelernter KFZ-Mechaniker, seit 25 Jahren Feuerwehrmann beim militärischen Flughafen Linz/Hörsching

Hobbys: Familie, Feuerwehr, die Stadt & Region Schärding mit all ihren Annehmlichkeiten

Lebensmotto: Geht nicht, gibt´s nicht!

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Artikel von

Bianka Eichinger

Lokalredakteurin Innviertel

Bianka Eichinger
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