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Innviertel

Pilgern für Anfänger: Wo das Gehen die Hauptrolle spielt

Von Silvia Pfaffenwimmer   03. April 2016 07:05 Uhr

Pilgern für Anfänger

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ALTHEIM. Pilgerbegleiterin Anna Höfer begleitet Wanderer durchs Innviertel.

Ein moosbewachsener Baumstumpf. Eine Vogelfeder in der Traktorspur. Trockener Waldboden, federnd unter jedem Tritt. Vogelgezwitscher. Rascheln im Unterholz. Der Geruch nach Erde und feuchtem Laub. Ruhe und Seelenfrieden, mit jedem Schritt ein bisschen mehr. "Beim Pilgern sucht man Gott und findet sich selbst. Oder man sucht sich selbst und findet Gott", sagt Anna Höfer und stützt sich auf ihren Pilgerstab, der – recht passend zur Osterzeit – einem Palmbuschen nicht unähnlich ist. Die Gruppe, die die Pilgerwegbegleiterin aus Kirchdorf am Inn heute über Wiesen und durch Wälder rund um Altheim führt, hat gerade einen zwanzigminütigen Schweigemarsch hinter sich. "Wortefasten" nennt es Anna. Eine hilfreiche Übung: Die Sinne sind geschärft, das Gedankenkarussell ist vorübergehend gestoppt.

Viele Gründe fürs Gehen

17 Frauen und fünf Männer nehmen an der vom Tourismusverband "s’Innviertel" angebotenen Pilgerwanderung teil. Eine Schnupperveranstaltung quasi für alle, die sich für das Thema Pilgern interessieren. Knapp zehn Kilometer sind zu gehen, vorbei an kleinen Marterln, entlang von Bachläufen und durch kurze Waldstücke.

Gleich zu Beginn muss jeder Farbe bekennen und in einer kurzen Vorstellungsrunde erklären, was ihn zum Mitwandern bewogen hat. Humorige Einwürfe wie "Meine Frau hat mir ein Bier versprochen" sind genauso zu hören wie der Wunsch nach Entschleunigung oder mehr Verbundenheit mit der Natur.

Tatsächlich ist es so, dass sich immer mehr Menschen zu Fuß auf den Weg machen. Neben den altbekannten Pilgerrouten entstehen neue Pilgerwege; im Innviertel etwa der Marienweg von St. Marienkirchen am Hausruck bis nach Altötting.

Fremde werden zu Vertrauten

Nicht immer sind es spirituelle Motive, die die Wanderer antreiben. Und doch entsteht beim Gehen eine tiefere Verbundenheit mit dem, was uns umgibt und in uns drinnen ist. Oder, wie Anna Höfer sagt: "Das Pilgern macht etwas mit uns. Es macht uns offener, zugänglicher, auch verletzlicher." Oft schon hat sie beobachtet, dass sich die Pilger untereinander beraten und unterstützen: "Es finden immer diejenigen zusammen, die dieselben Themen haben. Viele tun sich schwerer damit, sich Freunden anzuvertrauen, als Menschen, die sie vermutlich nie mehr wieder sehen."

Um den Austausch auf der doch eher kurzen Wanderung rund um Altheim ein wenig anzukurbeln, lässt Anna alle Teilnehmer kleine Zettel ziehen. "Wertschätzung" ist darauf zu lesen, "Mitgefühl", "Glauben", "Beziehung" oder "Selbstwert". Auf diese Art werden jeweils zwei Pilger zusammengelost. Ihre Aufgabe: Sich beim Gehen über das vorgegebene Thema zu unterhalten und beim nächsten Halt über das Ergebnis zu berichten. Verlegenheit, mitunter auch ein wenig Widerwillen ist den Wanderern anzusehen. Doch beim Gehen und Reden löst sich die anfängliche Skepsis in Luft auf, beim anschließenden Feedback wirken alle deutlich entspannter als zu Beginn.

"Sich einlassen auf das, was kommt" – die Pilgernovizen haben ihre erste Lektion gelernt. Die Gruppe zieht weiter. Jeder geht sein eigenes Tempo, es bilden sich kleine Gruppen. Es wird viel geredet, weniger geschwiegen – anders als beim "echten" Pilgern, wo die Erschöpfung oft keinen Platz für viele Worte lässt. Dennoch freuen sich jetzt die meisten auf die Einkehr beim Wirt, wo es zum Abschluss Fastenbier und Fastensuppe gibt. Als es auf das Wirtshaus zugeht, werden die ersten Handys wieder hervorgekramt und aus dem Lautlos-Modus geholt. Die Welt hat die Wanderer wieder.

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