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Oberösterreich

"Der Impfvorteil überwiegt sehr stark"

Von Michael Schäfl  22. November 2021 00:04 Uhr

Elisabeth Bräutigam
Elisabeth Bräutigam, Ärztliche Leiterin im Ordensklinikum Linz

Ängste, Kreuzimpfungen und der richtige Zeitpunkt: Die OÖNachrichten haben Elisabeth Bräutigam, Ärztliche Leiterin im Ordensklinikum Linz, um Antworten gebeten.

"Ich habe gelesen, dass es bei männlichen Jugendlichen zu Herzmuskelentzündungen nach der Impfung kommt", schreibt eine Leserin. Das ist nur eine von vielen Fragen zu der Covid-19-Impfung, die bei den OÖNachrichten täglich ankommen. Die Anliegen drehen sich dabei um vieles: um Nebenwirkungen, Ängste, Gerüchte, aber auch um Fragen nach dem richtigen Zeitpunkt für den dritten Stich. Gemeinsam mit einem Expertenteam besprechen die OÖN die Zuschriften der Leserinnen und Leser. Elisabeth Bräutigam ist die Ärztliche Leiterin im Ordensklinikum Linz, Radio-Onkologin und Komplementärmedizinerin und beantwortet dieses Mal die Zusendungen. Denn Covid-19 verunsichert, spaltet und belastet. Und das schon seit fast zwei Jahren. Der Dschungel an Informationen ist weitläufig und scheint undurchdringlich. Da kann manches zur gefährlichen Stolperfalle werden.

Ihre Anliegen und Fragen können Sie an uns richten. Schreiben Sie uns einfach eine E-Mail an leserbriefe@nachrichten.at

Frage 1: Mein Mann und ich sind über 80 und im Dezember 2020 an Corona erkrankt. Wir sind inzwischen beide zweimal geimpft. Würden Sie den 3. Stich empfehlen und wenn ja, ab wann?
Marlene Krisper, Steyr

Im Prinzip wird die Corona-Infektion als dritte Impfung gewertet. Ob eine Auffrischung mit einer weiteren Impfdosis notwendig ist, kommt allerdings darauf an, wann die erste und zweite Impfung war.
Sechs Monate nach der zweiten Impfung wäre ein Booster zu diskutieren, auch wenn es aktuell keine wissenschaftlichen Daten dazu gibt.

Frage 2: Ich habe gelesen, dass es bei männlichen Jugendlichen und jungen Menschen bis 30 Jahre zu Herzmuskelentzündungen nach der Covid-19-Impfung kommt.
Maria Röbl, E-Mail

Daten aus einem Bericht des Paul-Ehrlich-Instituts zeigen, dass das Risiko für eine Herzmuskelentzündung bei Knaben nach einer Covid-19-Impfung bei 1 zu 12.188 liegt. Das ist ein sehr niedriges Risiko, der Vorteil der Impfung überwiegt also sehr stark. Der Impfnutzen ist höher als die Nebenwirkung. Vor allem weil Jugendliche eher von Long-Covid betroffen sind.

Frage 3: Ich habe nach der zweiten Pfizerimpfung eine Verstärkung meiner Polyneuropathie gespürt. Nach der dritten Impfung war der linke Fuß eine Stunde taub. Gibt es Zusammenhänge?
Franz Kislinger, E-Mail

Im Prinzip sind akute Impfreaktionen sehr mannigfaltig. Was die Person hier beschreibt, ist keine typische Reaktion auf eine Covid-Impfung. Es ist möglich, ist aber nicht die Regel, es gibt keinen bekannten Zusammenhang. Wir haben keine Daten und keinen Hinweis, was aber nicht heißt, dass es nicht auch passieren kann. Mehr wissen wir bei der Herzmuskelentzündung.

Frage 4: Welchen Abstand empfehlen Sie zwischen einer Grippe-Impfung und einer Corona-Auffrischungsimpfung für über 65-jährige und gesunde Menschen?
Elisabeth Grüner, E-Mail

Entsprechend der Empfehlung des Nationalen Impfgremiums können Grippe- und Covid-Impfung parallel durchgeführt werden. Wenn ein Patient aber schon einmal auf eine der beiden Impfungen reagiert hat, dann sollte erst im Abstand von ein bis zwei Wochen geimpft werden. Es ist dabei aber egal, mit welcher Impfung angefangen wurde.

Frage 5: Meine Frau und ich sind beide vor sieben Monaten mit dem Impfstoff von Moderna geimpft worden. Ist aktuell das Mischen mit Pfizer möglich? Es ist nämlich äußerst schwierig, Impftermine mit Moderna zu bekommen
Johann und Annemarie Katstaller, Leonding

Im Prinzip gibt es zur Kreuzimpfung dieser beiden keine Datenlage und keine Studien. Die können wir auch noch gar nicht haben, weil noch zu wenig Zeit vergangen ist. Die Kreuzimpfung ist möglich und wird von vielen Experten auch empfohlen: Die, die AstraZeneca hatten, bekommen einen mRNA-Impfstoff; die, die schon einen mRNA-Impfstoff hatten, bekommen wieder einen. Die Idee ist, die potenzielle Wirksamkeit zu erhöhen, also eine breite Abdeckung der Impfstoffe zu haben.

Eine schlechtere Wirksamkeit wurde beim Impfstoff von Johnson & Johnson beobachtet. Alle Personen, die einmal mit diesem Covid-19-Impfstoff geimpft worden sind, sollen sich daher ein zweites Mal – vorzugsweise mit einem mRNA-Impfstoff – impfen lassen.

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Artikel von

Michael Schäfl

Redakteur Land und Leute

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