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Sieg für die Gentechnik-Lobby: EU lässt Reinheitsgebot fallen

LINZ/BRÜSSEL. Die EU wirft das Reinheitsgebot für Futter aus gentechnisch veränderten Pflanzen über Bord. Umweltschützer sehen einen Kniefall vor den Lobbyisten. Doch es steigen die Chancen für Produkte ohne Gentechnik.

Soja braucht zehnfache Ackerfläche Österreichs

Die Bohne aus Amerika liefert das Futter für Europas Fleischgenüsse. Bild: Reuters

Die Amerikaner sollen künftig Futter in die EU einführen dürfen, das mit noch nicht EU-genehmigten GVO-Pflanzen (GVO = gentechnisch veränderte Organismen) verunreinigt ist . In den USA herrscht bereits ein GVO-Mischmasch, sodass immer wieder Schiffe in Europa ankommen, deren Fracht aus Soja einer genehmigten Sorte besteht, die jedoch mit noch im Genehmigungsprozess bestehenden anderen Sorten verunreinigt ist. Solche Schiffe müssen umdrehen. Künftig darf 0,1 Prozent Verunreinigung bestehen.

Bio-Szene und Umweltschützer sprechen von einem unerhörten Kniefall der EU vor ihrer eigenen Futtermittelindustrie und vor der US-Gen-Lobby. Minister Niki Berlakovich sagt, die EU habe damit die 0,1-Prozent-Regel übernommen, die Österreich schon seit 2004 habe.

Österreich ist ja GVO-Verbotszone, ausgenommen Tierfutter. Wegen des wachsenden Einsatzes von GVO-Substanzen will Gesundheitsminister Alois Stöger nun ein Gütesiegel für GVO-freie Lebensmittel schaffen. Der Konsument soll also auswählen können. Die Bauernvertretung ist dagegen, weil sie Konkurrenz für das AMA-Siegel befürchtet. Es steht nur für garantiert österreichische Herkunft der Tiere, nicht der Futtermittel (Das AMA-Bio-Siegel dagegen steht auch für GVO-Freiheit.).

Garantierte GVO-freie Produkte erhalten bessere Marktchancen: Fleischer Franz Oberndorfer aus Ried im Traunkreis will in wenigen Wochen Schweinefleisch aus gentechnikfreier Erzeugung auf den Markt bringen. Rund 150 Bauern sollen 100.000 Schweine im Jahr mästen.

Soja braucht zehnfache Ackerfläche Österreichs

2010 wurden 254 Millionen Tonnen Sojabohnen geerntet (90 USA, 64 Brasilien, 54 Argentinien). Die EU ist in der Tiermast völlig abhängig von Eiweißimporten und führte 36 Millionen Tonnen ein (95 Prozent gentechnisch verändert). Das EU-Vieh wurde also auf rund 13 Millionen Hektar amerikanischer Agrarfläche gemästet – die zehnfache Ackerfläche Österreichs. Unser Land importiert rund 525.000 Tonnen Ölkuchen und Schrot aus Soja. Die Schlempe aus der Biospritproduktion in Pischelsdorf (NÖ) könnte 110.000 Tonnen Sojaimport ersetzen; sie ist aber für die Hühner- und Schweinemast ungeeignet. 75 Prozent müssen exportiert werden.

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Artikel Josef Lehner 24. Februar 2011 - 00:04 Uhr
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