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Richterin zu Rettberg: „Erklären Sie mir das!“

19. Jänner 2011, 00:04 Uhr
Richterin zu Rettberg: „Erklären Sie mir das!“
Von Landesverlag zu Amadeus, zu Libro, zu Thalia Bild: Köpf

WIENER NEUSTADT/LINZ. Er sei nur für Ein- und Verkauf sowie Marketing und Öffentlichkeitsarbeit zuständig gewesen, wollte sich der ehemalige Generaldirektor des Libro-Konzerns, André Rettberg, gestern, am zweiten Prozesstag, in Wiener Neustadt verantworten.

Sicher sei er bei Übernahme des Vorstandsmandats über die Haftung aufgeklärt worden. Bei Kreditgeschäften habe er aber Finanzvorstand Johann Knöbl vertraut, sagte der Angeklagte Richterin Birgit Borns.

Gestern sollte ergründet werden, warum Libro Deutschland in der Bilanz 1998/99 auf 140 Millionen Schilling aufgewertet worden war, obwohl die Tochter nur drei Filialen hatte und nichts als Verluste schrieb. Zuvor hatte der stellvertretende Aufsichtsratschef, Christian Nowotny, in einem Brief an den Vorsitzenden, Kurt Stiassny, urgiert, dass bei der Entschuldung der Libro-Mutter 145 Millionen Schilling fehlten. „145 Millionen fehlen, und dann ergibt die Bewertung in Deutschland 140 Millionen. Erklären Sie mir das?“, fragte die Richterin Rettberg. Der verwies auf ein Gutachten der KPMG. Die Wirtschaftsprüfer sagen, das sei nur eine „Stellungnahme“ gewesen. Nach dem Börsegang erfolgte die Abwertung.

Libro hat auch in Oberösterreich kräftige Spuren hinterlassen: 1998 kaufte der Aufsteiger im Zuge der Filetierung des Landesverlages dessen Buch- und Papierhandelskette Amadeus. Die Libro-Bilanz dieses Jahres wurde schon geschönt, um den Konzern für den Börsegang zu schmücken. Die große Buchhandlung an der Linzer Landstraße war früher Landesverlag-Hauptquartier und wurde nach der Libro-Pleite von der deutschen Thalia-Kette übernommen. Sie hat dort ihre Österreich-Zentrale.

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