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Strache verbreitete umstrittenen Cartoon

Von nachrichten.at/apa/bk   20. August 2012 12:58 Uhr

Screenshot_Strache
Politiker Heinz-Christian Strache hatte diese Grafik verbreitet, ohne darauf hinzuweisen, dass es sich dabei um eine mit unterschwelligen Andeutungen versehene, judenfeindliche Fassung einer Karikatur von 1960 handelte.

FPÖ-Obmann Heinz-Christian Strache verbreitete am Samstag ein antisemitisch codiertes Bild auf Facebook - ohne es zu merken, wie er sagt. Inzwischen hat er es ausgetauscht.

Wie in vielen Formen des Faschismus spielen beim Antisemitismus codierte Bilder, die dazu dienen, eine bestimmte Volksgruppe zu verunglimpfen, ferner gegen sie aufzuhetzen, eine wichtige Rolle. Strache stellte sich in diese Tradition, ohne es zu merken, wie er sagt, wobei er die Bedeutung der Zeichen nicht erkenne.

„Sachen gibt es. Manchmal verliert man völlig den Glauben an die Vernunft des politischen Mitbewerbers und mancher Journalisten. Seit Jahren kritisiere ich die Allmacht des Bankensystems (…). Und wenn ich einen Cartoon dazu verlinke, den ein anderer User gepostet hat, wird mir auf einmal Antisemitismus unterstellt", schriebt der FPÖ-Obmann als Kommentar auf Facebook.

Facebook-User machten auf Missstand aufmerksam

Im Übrigen haben nicht – scheinbar unvernünftige – politische Konkurrenten oder ein Journalist zuerst Kritik geäußert, sondern die  Facebook-User selber. „Die Karikatur ist sehr problematisch", schreibt ein User. "Man frage erst nach Karikaturen aus den Jahren vor 1914! Das war Volkshetze pur. Dass sich so was 100 Jahre später wiederholen muss", bedauert einer anderer die Verbreitung der Grafik.

„Schöne Davidsterne habt ihr dem Banker auf den Ärmel genäht, und die Nase sicherheitshalber noch ein bisschen hakenförmiger, schliesslich soll sich das 'Stammklientel' auch auskennen, gelle?" – so ein weiterer Kommentar, der ebenfalls bezeugt, dass die Symbole, auch wenn sie nur angedeutet wurden, als solche erkannt wurden. 

Der feine, subversive Unterschied

Ein, auf den ersten Blick, ähnliches Bild wird übrigens häufig von anderen Parteien, verwendet, um „die Allmacht des Bankensystems“ zu kritisieren. Und darauf ist der Banker nicht als Jude codiert. Doch jene Grafik, die Strache auf Facebook verbreitete, ist eine Abänderung der harmlosen Vorlage aus dem Jahr 1960. Erst nachdem diese scharf kritisiert wurde, hat er sie mit der Karikatur von 1960 ersetzt.

Es sind kleine Unterschiede, die den Banker auf der abgeänderten Fassung zum Juden machen: die angedeuteten Davitsterne am Jacket und die markante, mächtige, lange Nase, die nicht nur Kunstkennern als Hakennase und Symbol für Juden bekannt ist, sondern in judenfeindlichen Bilder vor allem in der Zeit des Nationalsozialismus Hochkonjunktur hatten und als Erkennungsmerkmal diente. „Auf dem Bild sind keine Davidsterne", sagte Strache, als die Sache Kreise schlug.

Sein Parteikollege, FPÖ-Stadtrat David Lasar deutet das Bild ähnlich wie Strache: „Auch ich habe bei der diskutierten Karikatur keinen Davidstern entdeckt. Der Davidstern hat bekanntlich durchgängige Linien, welche es auf dieser Karikatur allerdings nicht gibt“, sagte Lasar über die von vielen Usern erkannten Andeutungen.  

„offensichtlich ‚blauäugig’ gewesen“

„Dass eine Karikatur von Juden, ähnlich wie im damaligen Stürmer (NS-Hetzblatt, Anm.) in den 1930er- und 1940er-Jahren, nun auf der Facebook-Seite des FPÖ-Chefs Strache erscheint, ist für mich kein Zufall", sagte Oskar Deutsch, Präsident der Israelischen Kultusgemeinde (IKG),

Laut Deutsch versucht Strache sich zwar offiziell von der rechtsextremen deutsch-nationalen Szene abzugrenzen, übernehme aber deren Karikaturen bedenkenlos. Offenbar sei der FP-Chef wohl wieder einmal zu „blauäugig" gewesen, so der IKG-Präsident.

Wiener Anwalt zeigte Strache an

Eingebracht hat Strache sein Posting jedenfalls eine Anzeige: Der Wiener Anwalt Georg Zanger erkennt in der auf Straches Profil verbreiteten Karikatur-Bearbeitung als „ganz klare antisemitische, am Stürmer-Stil der NS-Zeit angelehnte Tendenzen" und wird den Betreiber der Seite wegen „Verhetzung und Wiederbetätigung" klagen, wie der Kurier berichtete.

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