Archiv | ePaper | Digital
 |  A A A
Donnerstag, 15. November 2018, 02:40 Uhr

Linz: 4°C Ort wählen »
 
Donnerstag, 15. November 2018, 02:40 Uhr mehr Wetter »
Startseite  > Kultur

"Es gibt fetzige Orgelstücke, aber sie sind verpönt"

Der Musiker und Maler Anton Reinthaler ist neuer Hauptorganist der Linzer Stadtpfarrkirche.

"Es gibt fetzige Orgelstücke, aber sie sind verpönt"

Anton Reinthaler vor seiner neuen Wirkungsstätte Bild: Alexander Schwarzl

"Bruckner hätte seine Freude gehabt mit dieser Orgel. Das ist eine Orchesterorgel, mit Schweller und allem Drum und Dran", freut sich Anton Reinthaler und greift in die Tasten. Satte, warme Klänge tönen feierlich durch die Linzer Stadtpfarrkirche. Neben dem Vornamen teilt der 68-Jährige mit dem Meister jenes Amt, das auch Anton Bruckner zwölf Jahre innehatte: Er ist neuer Hauptorganist der Stadtpfarrkirche Linz.

In eine Handwerkerfamilie aus Offenhausen geboren, wollte er eigentlich Architekt werden. "Aber im Petrinum ist alles anders geworden." Er spielte Klavier, Orgel und sang "irrsinnig viel". Auch seine zweite Leidenschaft entdeckte er im Bischöflichen Gymnasium in Linz: "Die langen Gänge waren alle voll mit Kunstdrucken von Dürers Holzschnitten. Das hat mich fasziniert. Mit 16 Jahren habe ich Bilder mitgenommen und kopiert. Dann hat es geheißen: Entscheide dich für Musik oder Malerei." Er studierte Kirchenmusik, Lied und Oratorium, Musik- und Gesangspädagogik in Wien. "1974 habe ich als erster hauptberuflich angestellter Kirchenreferent in Linz angefangen."

Von 1986 bis 2003 war Anton Reinthaler Domkapellmeister am Linzer Mariendom, wo er auch den Chor frisch aufbaute. Am Diözesankonservatorium lehrte er Chorsingen und -leitung. Aus seiner Feder stammen zudem Messen, Motetten und Chorlieder. Und seine "Musik-Bilder", inspiriert von Zitaten aus Notenhandschriften. "Mich haben immer die Farben fasziniert. Mit Musik und Malerei wird das Leben bunt. Ich male nicht gegenständlich, das habe ich nie gelernt. Ich liebe die Farbmischungen", die sichtbaren wie hörbaren. Er schlägt einen Akkord an. 37 Register nennt die 2002 renovierte Königin der Instrument ihr Eigen. "Dass mir diese Orgel zur Verfügung steht, ist ein großes Geschenk", das er künftig in den Sonntagsmessen um 9.15 Uhr mit dem Publikum teilen wird.

Überraschungen nach der Messe

"Die Organisten spielen oft hochgeistige Sachen. Dabei gibt es wirklich fetzige Orgelstücke, aber sie sind verpönt." Ein verschmitztes Lächeln huscht über sein Gesicht: "Nach der Messe werde ich immer etwas spielen. Ich hab’s dem Pfarrer schon gesagt: ,Bitte bleib stehen.’" Organisten hätten es nicht leicht, heißt es doch oft: "Es spielt die Orgel." Er lacht.

Auch Konzerte mit Sängern hat er geplant. "Die Orgel ist ideal zum Begleiten, weil ich die Dynamik mit dem Schweller regulieren kann." Er greift wieder beherzt in die Tasten, seine Füße tanzen über die Pedale: "Bringen S’ ein bissl was. Die Orgel verdient’s." Und ein Organist, der sie hingebungsvoll spielt.

Kommentare anzeigen »
Artikel Karin Schütze 06. November 2018 - 00:04 Uhr
Mehr Kultur

Was können wir aus der Antike lernen?

Salzburger Festspiele servieren fünf neue Opern-Inszenierungen und eine neue Buhlschaft.

ORF-Redakteursausschuss: "Größte existenzielle Krise"

Resolution gegen "wirtschaftlichen und politischen Zangengriff".

Die Prager Symphoniker können viel mehr als Liszts "De profundis"

Großes Abo im Brucknerhaus: Liszts überschaubare Komposition als Stimmungshemmer, wunderbarer Suk machte ...

Eine Matinee für den Linzer Mariendom: Karten zu gewinnen

LINZ. Diesen Sonntag gibt es eine ganz besondere Veranstaltung im Linzer Musiktheater: Die Initiative "Pro ...

"Dr. Schiwago" singt ab April in Gmunden

Große Gefühle in stürmischen Zeiten, getragen von mitreißender Musik:
Meistgelesen   mehr »
Weitere Meldungen
OÖNachrichten auf Facebook OÖNachrichten auf Twitter OÖNachrichten auf Google+ OÖNachrichten RSS