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Reisen

James Bond auf der Spur

Von Karin Haas  10. Oktober 2021 11:00 Uhr

James Bond auf der Spur
Ohne Land Rover geht bei „James Bond“ am Berg gar nichts.

"Mister 007": In Sölden im Ötztal wird der Hype um Daniel Craig auf atemberaubenden 3048 Metern Seehöhe geschickt mit einer Erlebniswelt der besonderen Art befeuert.

Es war ein Gänsehautmoment", erinnert sich Andreas Zunt, der Leiter der Söldener James-Bond-Erlebniswelt "007 Elements" an der Spitze des Gaislachkogls, als er einen Koffer mit Schloss ausgehändigt bekam, mit dem sein futuristisches Arbeits-Zuhause auf 3048 Metern auf Augenhöhe mit Daniel Craigs "No Time to Die" gebracht werden sollte. Lange hatte er darauf warten müssen, dessen "streng geheimen" Inhalt zu enthüllen – Corona-bedingt. Anlässlich der Premiere am 30. September war es dann so weit. "Natürlich war der Code des Zahlenschlosses 007", freut sich Zunt heute noch.

Seither ist die Reihe der originalen "Bond-Film-Devotionalien" um eine Attraktion hoch oben am Gaislachkogl reicher. Nun sind auch der Schneeanzug des Bösewichtes Safin sowie die Original-Maske in der Bond-Erlebniswelt zu bewundern. Die ist derzeit im Zwischensaisonschlaf und wird mit dem gesamten Skigebiet Ötztal (am Gletscher kann bereits Ski gefahren werden) mit 18. November hochgefahren.

James Bond auf der Spur
Dreharbeiten auf dem Gaislachkogl und Rettenbachferner

Wie gut, dass Jakob "Jack" Falkner, der mächtige Chef der Bergbahnen Sölden, 2015 bei den Dreharbeiten für "Spectre" ziemlich lästig war. Er erfüllte zwar jeden Wunsch der Set-Crew, ließ "seine" Bahnen wie von Zauberhand spontan auch länger als die gebuchten Stunden still stehen und sperrte die Ötztaler Gletscherstraße zum Rettenbachferner für die Film-Verfolgungsjagd mehr als großzügig.

Aber Jakob Falkner erinnerte auch immer wieder daran, dass eine Gegenleistung für die Flexibilität eine ziemlich gute Idee sei. "Sie hätten mich nachträglich auch ausrutschen lassen können", erinnerte sich der Chef und Miteigentümer der Bergbahnen Sölden kürzlich. Denn die "Gegenleistung" war nur mündlich besprochen. Doch Handschlagqualität zählt nicht nur im Ötztal, sondern auch in London, wo die Fäden des Unternehmens EON und damit der Bond-Produzenten auch in Person der Barbara Broccoli zusammenlaufen. Schließlich wurde alles im Sinne Söldens mit den heiklen und hoch begehrten Bond-Lizenzen dingfest gemacht.

James Bond auf der Spur
Sigi Grüner beherbergte Daniel Craig in seinem Hotel Bergland.

Seit Juli 2018 entführt die Bond-Erlebniswelt "007 Elements" auf die Spitze des Gaislachkogls, auf den es bequem per Gondelbahn geht. Manche schnaufen ob der Höhe beim Ausstieg ein bisschen. Bond-Welt-Architekt Johann Obermoser und seine arch-omo zt in Innsbruck taten dies beim Bau wohl auch. Es galt nicht nur 1300 Quadratmeter auf zwei Etagen in den Berg zu versenken, es musste auch noch bewältigt werden, dass der Erlebniswelt-Bauherbst 2017 der schlechteste seit Menschengedenken im Ötztal war.

800 Heli-Flüge bei minus 20 Grad

"Wir wollten unbedingt das Bauwerk vor dem Winter 2017/2018 nach oben abschließen", sagt Architekt Obermoser. Für den "Deckel" fehlten damals noch 150 Kubikmeter Beton. Der Hubschrauber musste bei minus 20 Grad Celsius und bedrohlichen Windböen gut 800 Mal zur Baustelle auf 3048 Metern fliegen, um das benötigte Baumaterial hinaufzubringen.

James Bond auf der Spur
Das Gourmet-Restaurant „ice Q“ mit spektakulärer Aussicht

"Natürlich haben wir es geschafft", freut sich noch heute Bergbahnen-Chef Jakob Falkner. Unter ungleich besseren Bedingungen, nämlich bei Strahlewetter, war kürzlich auch Neal Callow auf 3048 Metern zur Stelle, um anlässlich der Premiere von "No Time to Die" für die Erlebniswelt und "seinen" Daniel Craig zu werben. Callow ist Artdirektor der jüngsten fünf Bond-Filme. Für "Spectre" war man in Sölden 2015/16 fünf Monate am Set; davon die meiste Zeit mit Stuntmen. Denn Daniel Craig gab dem Ötztal nur ganze neun Tage die Ehre. Zu Stuntmen hat Bond-Artdirektor Neal Callow übrigens eine besondere Beziehung. Seine Ehefrau Heather war früher selbst Stuntfrau in der Tradition ihres Vaters.

Daniel Craig, alias James Bond, wohnte in Sölden im fast neu erbauten Fünf-Sterne-Hotel "Bergland". Die Bond-Suite im vierten Stock des Hotel Bergland in Sölden werde gerne gebucht, berichtet Hotelier Sigi Grüner, der dank seiner auch optisch perfekten Schwünge mehrfacher Tiefschnee-Weltmeister ist. Was den Ausschlag für sein

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Die James-Bond-Erlebniswelt „007 Elements“ verbirgt am Gaislachkogl 1300 Quadratmeter auf 3048 Metern Seehöhe.

Hotel "Bergland" als Quartier für Daniel Craig, dessen Frau und die Top-Crew gegeben habe? "Dass es von der Tiefgarage direkt ohne Umweg über die Lobby in den 4. Stock geht", sagt Grüner. Denn Paparazzi fürchten die Bond-Macher wie der Teufel das Weihwasser.

Dabei hätte die Film-Crew das gar nicht nötig gehabt. Der Umgang mit den Tirolern sei sehr unaufgeregt gewesen. So sei Craig mit dem Skilehrer seiner Frau (er selbst darf wegen der Verletzungsgefahr nicht Ski fahren) nach einer Wanderung an einem drehfreien Tag bei einem Würstlstand im Ort gewesen. "Wen hast du denn heute mitgebracht?", soll der Fama nach der Würstlmann den Ötztaler gefragt haben.

Craig selbst sei als Sir, zurückhaltend und ohne Sonderwunsch-Allüren aufgetreten, berichtet Hotelier Sigi Grüner. Er habe oft in der Suite gegessen oder Steaks im exklusiv gebuchten Keller-Restaurant im Kreise seiner Bodyguards.

Craigs Kraftmaschine

Ein Überbleibsel aus Craigs Ära im Hotel Bergland gebe es heute noch und das – für manche überraschend – im Fitness-Raum. Denn "James Bond" musste auch die neun Tage seines Sölden-Drehs an seinen Muskeln arbeiten und das mangels Tagesfreizeit bereits um fünf Uhr früh. "Aus nichts wird nichts", bemerkt dazu trocken Hotelier Sigi Grüner. Das Craig-Sportgerät ist heute noch in Grüners Besitz, kann aber ob der mächtig aufgepackelten Gewichte nicht von "normalsterblichen" Hotelgästen bedient werden. Das, was James Bond, alias Daniel Craig, im Ötztal nicht durfte (nämlich Ski fahren), ist heuer in vollem Lift-Umfang in den Gebieten Sölden und Gurgl ab 18. November möglich. 144 Pistenkilometer, drei Dreitausender-Skiberge und 31 Liftanlagen sind in Betrieb.

"Wir haben keine Wartezeiten, wir betreiben zwei der leistungsstärksten Lifte der Welt", sagt Bergbahnen-Chef Jakob Falkner. Bis zu 4500 Personen pro Bahn und pro Stunde können in Richtung Bergspitze gebracht werden. Die Ski-Tageskarte wird in der kommenden Saison mit 64 Euro ausgepreist. Doch es gibt "dynamische Preise", die Sparfüchsen nützen. Wer früh bucht, zahlt bis zu 20 Prozent weniger. Ab drei Tagen wird der Skipass überdies zum Ötztaler Super-Skipass.

James Bond auf der Spur
Jakob Falkner, Chef der Bergbahnen Sölden (v.l.), Bond-Welt-Architekt Johann Obermoser, Bond-Film-Artdirektor Neal Callow und „007 Elements“-Leiter Andreas Zunt

Corona-Risiken versichern

Neu ist diese Saison auch die Möglichkeit einer Stornoversicherung um drei Euro pro Skitag. Dabei werden online gekaufte Tickets bis fünf Tage vor dem ersten Skipasstag ohne Angabe von Gründen rückerstattet.

Die Bahnen und Skibusse fahren für alle, FFP2-Masken sind Pflicht. In Hotels, im Skigebiet und in der Gastronomie gilt die 3-G-Regel. Oliver Schwarz, Chef von Ötztal-Tourismus, ist sich sicher, im Winter 2021/22 an ähnlich gute Steigerungen wie in der Sommersaison heranzukommen. Die "Bike Republic Sölden", Wanderer, Naturliebhaber, Marathonläufer und E-Bike-Fans haben dem Ötztal heuer im Sommer knapp 1,1 Millionen Nächtigungen beschert. "Der August war der erfolgreichste unserer Geschichte", so Schwarz. James Bond zieht eben immer.

Gourmet-Hotspot Gaislachkogl

In „Spectre“, dem 24. Bond-Film, war es die Hoffler-Klinik. Im wahren Leben ist der „Eiswürfel“ am Gaislachkogl in Sölden das Zwei-Hauben-Restaurant „ice Q“, in dem die Köche mit den dort gut 3000 Metern Seehöhe zurechtkommen müssen. Ein Fünf-Minuten-Ei benötigt dort acht. Die haben das aber im kleinen Finger. Der Blick auf 250 Dreitausender ist spektakulär, etwa Rinderfilet mit Eierschwammerl, Urkarotte und Kräutern ebenso.

Gourmet-Hotspot Gaislachkogl
Gourmetgerichte im "ice Q"

Wer es nicht ganz so exklusiv möchte, ist ein Stück weiter unten gut bedient. An der Mittelstation am Gaislachkogl geht mit Saisonstart am 18. November ein neues Restaurant in Betrieb, das neben Klassikern auch Vegetarisches, Veganes und Slow Food bietet.

Artikel von

Karin Haas

Kolumnistin

Karin Haas
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