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Gesundheit

Drittes Kinderwunsch-Institut öffnet

09. April 2014 00:04 Uhr

Baby

"Jedes 10. Paar ist ungewollt kinderlos", sagt Gernot Tews, früherer Leiter der Landesfrauen- und Kinderklinik Linz. Im April eröffnet er sein eigenes Kinderwunsch-Institut in Wels.

Neben der Landesfrauen- und Kinderklinik (LFKK) in Linz und der privaten Kinderwunschklinik in Wels eröffnet Gernot Tews Mitte April ein weiteres Kinderwunsch-Institut in Oberösterreich – ebenfalls in Wels. "Der Bedarf ist auf jeden Fall gegeben. Gab es 2002 noch rund 4000 IVF-Behandlungen (In-Vitro-Fertilisation, eine Methode zur künstlichen Befruchtung, Anm.) in Österreich, waren es 2013 schon 7000", sagt Tews. "Studien zufolge ist hierzulande jedes 10. Paar ungewollt kinderlos."

Gründe für Kinderlosigkeit

Die Gründe dafür? "Bei Frauen spielen sicher die langen Ausbildungszeiten eine Rolle. Früher bekamen Frauen mit 23 Jahren ihr erstes Kind, heute liegt der Durchschnitt bei 29 Jahren, Tendenz steigend. Und das Alter spielt eine wesentliche Rolle beim Kinderwunsch, weil die Qualität der Eizellen kontinuierlich abnimmt." Was die Ursachen für Zeugungsschwächen bei Männer seien, hätten die Medizin bis heute noch nicht eindeutig klären können. "Man vermutet, dass es eine Kombination aus Pestiziden, Umweltgiften und/oder einer erhöhten Östrogen-Belastung ist."

Wer trotz regelmäßigem Geschlechtsverkehr ungewollt kinderlos bleibt, sollte nach einem Jahr die Ursachen abklären, rät der Experte. "Da geht es vor allem um das Alter, da drängt die Zeit", sagt er. Paare, die sich für eine künstliche Befruchtung entscheiden, erhalten bei den ersten vier Versuchen finanzielle Unterstützung vom IVF-Fonds, 70 Prozent der Kosten werden übernommen, 1000 Euro sind selbst zu bezahlen. Frauen über 40 müssen die Behandlung komplett aus eigener Tasche finanzieren – rund 5000 Euro pro Versuch. Eingesetzt wird dabei im Optimalfall nur ein Embryo, um Mehrlingsschwangerschaften – und die damit verbundenen Risiken – zu minimieren. Generell nehme die Möglichkeit einer Schwangerschaft mit der Anzahl der künstlichen Befruchtungen nicht ab. "Wir wissen aus Untersuchungen, dass der sechste Versuch nicht weniger aussichtsreich ist als der erste."

Aufgrund von Nebenwirkungen durch Medikamente hält Tews vier Versuche für sinnvoll. "Das ist für mich eine persönliche Grenze, aber das muss jedes Paar für sich entscheiden. Das kommt auch darauf an, wie die Frau die Fehlschläge verkraftet", sagt er. Spätestens dann sei ein Gespräch mit einem Psychiater anzuraten.

Dass die Psyche eine große Rolle beim Kinderwunsch einnimmt, kann Tews bestätigen. "Meiner Erfahrung nach gibt es zwei Gruppen von Frauen. Die einen, die sagen: Wenn’s klappt, ist es gut, wenn nicht, passt es auch. Und die anderen, die sich total in das Thema verbeißen. In der Regel werden Erstere leichter schwanger", sagt Tews, der bereits "Vater" von 50.000 Kindern ist. 1988 hat er die Kinderwunscheinheit an der LFKK Linz gegründet, nach seiner Pensionierung arbeitet er nun in seinem Privatinstitut "IVF-Kinderwunsch-Institut" im Kompetenzcenter Gesundheit in St. Stephan in Wels in seinem Fachgebiet weiter.

Warum er nicht lieber den Ruhestand genießt, erklärt er scherzhaft so: "Satt zuhause die Diskussion über halbe-halbe im Haushalt zu führen, hab ich mir gedacht, ich mach lieber wieder das, was ich wirklich kann." (had/dh)

 

Zahlen zum Thema

Zu 45 Prozent liegen die Ursachen von Kinderlosigkeit bei der Frau, zu 35 Prozent beim Mann, zu 20 Prozent liegt es an beiden.

Jedes 10.Paar in Österreich ist ungewollt kinderlos.

90 Prozent davon können sich nach bis zu vier IVF-Versuchen über ihr Wunschkind freuen.

1750 IVF-Behandlungen gibt es jährlich in Oberösterreich, rund 1400 davon werden vom IVF-Fonds finanziell unterstützt.

5 Millionen Kinder, die durch künstliche Befruchtung gezeugt wurden, wurden bis zum Jahr 2012 weltweit geboren.
 

Das sagen die Leiter der OÖ. Kinderwunsch-Kliniken zur neuen Konkurrenz

Aus der Sicht von Primar Omar Shebl, Leiter des Kinderwunsch-Zentrums der Landesfrauen- und Kinderklinik Linz, gibt es derzeit keinen weiteren Bedarf an einer Kinderwunschklinik in Oberösterreich. „Würde es diesen geben, hätte es an einer öffentlichen Einrichtung eingerichtet werden sollen“, sagt er. Eine Konkurrenz sieht er in dem neuen Institut dennoch nicht: „Wir sind mit unserem breiten Angebot sehr gut positioniert.“

Leonhard Loimer, Gründer der Kinderwunschklinik in Wels: „Wir decken – glaube ich – den Bedarf in Wels gut ab. Ich habe mich gewundert, dass Dr. Tews nach Wels geht und nicht nach Linz. Wels ist eine kleine Stadt. Aber ich habe keine Bedenken, wir werden ein gutes Auskommen haben. Der Bedarf ist sicher da: 2001 haben wir in Oberösterreich mit 100 Behandlungen begonnen. Heute sind es fast 1200.“
 

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