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Familie

Kinder und Handy: Locker oder streng?

Von Claudia Riedler  03. April 2020 00:04 Uhr

Kinder und Handy: Locker oder streng?
Eltern haben Vorbildwirkung, sie sollten ihr eigenes Verhalten reflektieren.

LINZ. Psychotherapeutin Marina Gottwald informierte bei der OÖN-Sprechstunde.

Ob für die Schule, fürs Tratschen mit Freunden oder ein Spielchen – Handy und Computer sind derzeit mehr im Einsatz als sonst. Viele Eltern stellen sich die Frage, ob während der Corona-Krise andere Regeln für den Medienkonsum gelten dürfen. Marina Gottwald, stellvertrende Vorsitzende des Landesverbandes für Psychotherapie, beantwortete gestern die Fragen der OÖN-Leser und riet trotz allem zum "maßvollen Umgang".

Meine Kind (3) verbringt jetzt mehr Zeit mit dem Handy als sonst. Ist das bedenklich? Und was passiert, wenn nach der Krise das Handy wieder tabu ist?

Es zählt nicht unbedingt die Dauer, sondern wie es Ihrem Kind geht, wenn es das Handy wieder abgibt. Kann es sich danach beschäftigen, dann ist das gut. Und: Kinder haben kein Zeitgefühl. Wenn es wieder Alternativen wie den Kindergarten gibt, wird es das Handy kaum vermissen.

Meine Neunjährige verbringt viel Zeit mit Fernsehen, weniger mit dem Handy. Ist das eine besser als das andere?

Beides ist passiver Konsum. Die Frage lautet: Was macht es die verbleibende Zeit? Wichtig für Eltern ist, viel darüber zu sprechen und zu erklären, dass das derzeit eine Ausnahmesituation ist. Danach gelten wieder die alten Regeln.

Soll man derzeit lockerer mit dem Handy- oder Computerkonsum umgehen?

Kinder haben das Bedürfnis zu spielen, nach Kontakten und Information. Die aktuelle Quelle dafür sind meist diese digitalen Medien. Als Eltern können Sie aber auch darauf achten, dass das nicht die einzigen Quellen sind. Sie können anregen, Zeitung zu lesen, sich in der Familie unterhalten und miteinander spielen.

Meine Kinder brauchen Handy und Computer auch für die Schule. Da kann ich nicht immer kontrollieren, was sie tun. Sollte ich?

Nicht Kontrolle, aber der Schutz Ihrer Kinder ist wichtig. Es hängt vom Alter ab, wie groß der Freiraum hier ist. Den Kindern nachzuspionieren, halte ich aber für bedenklich. Stattdessen sollten Sie am Leben Ihrer Kinder teilhaben, reden Sie darüber: Was hast du heute gemacht? Mit wem hast du gesprochen? Und reden Sie auch über Gefahren im Internet – von Fake News zu Corona bis zu Gewaltvideos auf Youtube.

Ich bekomme meine Pubertierenden nicht mehr weg von Handy. Sind Strafen sinnvoll?

Nein, weil die das Handy noch attraktiver machen und zum Tricksen animieren. Formulieren Sie gemeinsam eine Nutzungsvereinbarung. Handyfreie Zeiten sind wichtig, etwa beim Essen oder in der Nacht. Und legen Sie gemeinsame Konsequenzen bei Nichteinhalten fest. Erklären Sie immer wieder Ihre Bedenken. Und versuchen Sie, ein gutes Vorbild zu sein: Wo liegt Ihr Handy? Wofür nutzen Sie es?

Eines meiner Kinder braucht Computer und Handy selten, das andere spielt ständig damit. Wie soll ich damit umgehen?

Kinder sind verschieden. Manche können gut differenzieren zwischen Ausnahme und Normalzustand, andere brauchen auch jetzt Klarheit. Sie sollten die Individualität pflegen, Geschwisterkinder auch unterschiedlich behandeln, viel reden und erklären.

Wie erkenne ich, ob mein Kind internetsüchtig ist?

Nicht die Dauer des Konsums ist entscheidend, sondern ob das soziale Leben darunter leidet und das Kind gereizt reagiert, wenn man es am Spielen hindert. Das passiert nicht in drei Wochen, da muss es bereits vorher ein Problem gegeben haben. Besprechen Sie Ihre Sorgen, schaffen Sie ein Problembewusstsein – und holen Sie sich externe Hilfe, wenn Sie nicht weiterwissen.

Artikel von

Claudia Riedler

Leiterin Redaktion Leben und Gesundheit

Claudia Riedler
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