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Der letzte Wirt im Ort

Von Philipp Braun 20. Dezember 2019 00:04 Uhr

Der letzte Wirt im Ort
Ein passioniertes Wirteehepaar: Toni und Monika Tossmann

HARTKIRCHEN. Die Hoftaverne in Hartkirchen zeigt, wie erfolgreich Gastronomie sein kann.

Wir brauchen mehr davon: Wirtshäuser und leidenschaftliche Gastronomen, so wie Toni Tossmann aus Hartkirchen. Mit Schmäh, Herzlichkeit und einer gastronomischen Professionalität stemmt er sich gegen den Niedergang der Wirtshäuser. Unvergessen ist sein Protestlauf nach Wien. Innerhalb von sechs Tagen meisterte der damalige "Stadtkrug-Wirt" aus Eferding vor 20 Jahren einen 258 kilometerlangen Lauf von daheim zum Wiener Parlament; voll bepackt mit einem Forderungskatalog der Gastronomen.

Die Mühen der Wirte sind kaum weniger geworden. Tossmann beklagt sich zwar nicht, lässt aber sehr wohl anklingen, dass er und seine Frau Monika zusperren müssten – hätten sie in der Küche nicht eine Perle wie Eva Plöchl stehen. Vor 15 Jahren übernahmen die Tossmanns die Hoftaverne. Heute das letzte Wirtshaus im Ort. Aus einem geplanten Gastspiel von "Ich mach’s ein paar Jahre" sind mittlerweile 15 geworden.

Eine Gaststube mit Holzelementen verleiht der Hoftaverne eine charmante Gemütlichkeit. Kulinarisch bedient man sich lokaler Lieferanten. "Was halt möglich ist", sagt Tossmann. Bei den Lebensmitteln stellt sich die Fleischhauerei Ozlberger als Glücksfall heraus. Der Betrieb wird von der jungen Generation weitergeführt und beliefert die Hoftaverne mit Fleisch.

Köchin Plöchl stammt aus der Slowakei und lässt ihre Expertise einfließen. Die Wildpüreesuppe (5,50 Euro) spielt mit dichter Opulenz und einer fein-fruchtigen Säure der Preiselbeerpofesen. Gebackene Wildfleischknödel (13,50 Euro) erinnern an knusprige sizilianische Arancini. Nur wurde herzhaftes Wildfaschiertes genommen, eingepackt in einen Grießteig. Sehr gut dazu der winterliche Rahmwirsing.

So lange die Gänse noch unter der Schaunburg schnattern, so lange wird darauf zurückgegriffen. Plöchl brät die Gans (17,90 Euro) knusprig und serviert dazu feines Blaukraut und einen Erdäpfelknödel, der für das Safterl den kongenialen Partner darstellt. Unaufgefordert wird zusätzlicher Bratensaft serviert.

Vegetariern wird der Hof mit Gnocchi und Kürbis gemacht (13,50 Euro). Oftmals ein fades und pampiges Gericht, gelingt durch salzige Schafskäsewürfel und Kürbis, Brunoise geschnitten, zu einem optischen und geschmacklichen Leckerbissen.

Wir brauchen mehr in Oberösterreich: mehr von passionierten Wirten, von urigen Wirtshäusern und von Nachspeisen, wie den gebackenen und schön angezuckerten Apfelradln mit Vanilleeis (6 Euro) zum Beispiel. Da nimmt man auch die Wartezeit in Kauf.

Artikel von

Philipp Braun

Kulinarik-Redakteur

Philipp Braun
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