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Tagespost

Eine steile Sache

Von Roswitha Fitzinger   30. Mai 2015

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Bild 1/10 Bildergalerie: Geburtsstunde der Pöstlingbergbahn

29. Mai 1898: An diesem Tag setzte sich zum ersten Mal die Pöstlingbergbahn in Bewegung und gilt seither als die steilste durchgehende Adhäsionsbahn Europas.

  • 29. Mai 1898: An diesem Tag setzte sich zum ersten Mal die Pöstlingbergbahn in Bewegung und gilt seither als die steilste durchgehende Adhäsionsbahn Europas. 

Eine steile Sache

Heute Nachmittag fanden zwei Probefahrten auf der Pöstlingbergbahn statt. Um halb 3 und um halb 4 fuhr der Wagen hinauf, um 3 und 5 Uhr wieder herab. An der Fahrt nahmen nebst den Vertretern der Tramway- und Elektrizitätsgesellschaft die Bürgermeister Poch von Linz und Ferihumer von Urfahr sowie der Bürgermeister von Pöstlingberg (...) teil." Diese Zeilen finden sich am 2. April 1898 in der „Linzer Tagespost“. Erwähnung fand auch, dass die Fahrt „flott vonstatten“ ging und mit dem „Gefühle der absoluten Sicherheit“.

Nicht erwähnt wurde hingegen der Eröffnungstermin. Man wagte nicht anzukündigen, wann die Bahn ihren Betrieb aufnehmen würde, stand doch die Kommissionierung noch aus. Wohl alles andere als eine Formsache. Doch die Prüfung der Strecke und der Betriebsmittel am Samstag, 28. Mai 1898, verlief ohne Probleme, und am 29. Mai um 7.36 Uhr setzte sich der Motorwagen Nr. IV festlich dekoriert von Urfahr aus in Bewegung. Der Betrieb der Pöstlingbergbahn hatte begonnen.

Die Bahn mit ihren sechs rundum offenen Waggons mit 24 Sitzplätzen war zunächst als reine Ausflugsbahn für den Sommerbetrieb konzipiert. Bei Schlechtwetter wurden die seitlichen Leinenvorhänge zugezogen. Doch schon im ersten Betriebsjahr fuhr man bei schönem Wetter bis in den Dezember, und im Jahr darauf wurden zusätzlich zwei geschlossene Triebwagen angeschafft. Aber nicht nur Ausflügler wurden den Berg hinauftransportiert, sondern kurz nach Streckeneröffnung auch zwei Mal täglich die anfallende Briefpost.

Verkehrstechnisch war der Pöstlingberg bis dahin mit den damals üblichen unbefestigten Karren- und Fahrwegen erschlossen. Die 1748 eingeweihte barocke Wallfahrtskirche hatte ihn zunächst zu einem beliebten Wallfahrtsort und später zu einem begehrten Ausflugsziel der Linzer gemacht. Für die „Maximilianische Befestigungsanlage“ war der Baumbestand geopfert worden, was den Blick frei machte. „Bei heiterem Himmel entfaltet sich vor uns die ganze Pracht der Alpen, vom Schneeberg bis zu den Bergriesen an der Salzburger Grenze. Außer den blauen Linien treten besonders hervor die mächtige Prielgruppe, der schneebedeckte Dachstein, der scharf gezeichnete Traunstein ...“, schrieb der oberösterreichische Landesarchivar Ferdinand Krakowizer in seinem 1905 erschienenen Buch „Die Donaustadt Linz“.

Die Frequenz der Pöstlingbergbahn erreichte bereits im ersten Betriebsjahr 159.000 Fahrgäste und entwickelte sich in den Folgejahren langsam, aber stetig nach oben. In den Jahren des Ersten Weltkriegs und danach stiegen die Fahrgastzahlen wegen der „Hamsterfahrten“ der Städter aufs Land bis auf 688.000 (1918) an, was etwa der heutigen Frequenz entspricht.

 

Väter der Pöstlingbergbahn

Carl Beurle
Anwalt Carl Breule war Rechtsvertreter in der Causa "Pöstlingbergbahn"

Die Väter der Pöstlingbergbahn

Einer hat die Idee, aber nicht die nötigen finanziellen Mittel und Beziehungen, um diese umzusetzen – ein Erfinderschicksal, das auch Josef Urbanski erlitt. 1889 kam der aus Galizien stammende Trassenspezialist mit seiner Frau als Ingenieur der Kremstalbahn-Betriebsleitung nach Linz. Den Pöstlingberg stets vor Augen war seine Idee eine naheliegende.

1891 stellte er an das Handelsministerium ein Ansuchen, „die Vorarbeiten zur Anlage einer Zahnradbahn mit dem Ausgangspunkte Urfahr auf den Pöstlingberg“ durchführen zu dürfen. Die Bewilligung wurde ihm zwar am 18. Mai 1892 erteilt, die Geldmittel für die Trassierungsarbeiten waren jedoch bald erschöpft und kein weiterer Geldgeber aufzutreiben. Mit Gotthard Ritter von Ritschl, dem Inhaber einer Wiener Baufirma, und dem zum Rechtsvertreter bestimmten Linzer Anwalt Carl Beurle konnte das Projekt schließlich fortgesetzt werden. Als Urbanski und Ritschl Mitte 1895 dem Ministerium aber mitteilten, dass keine Zahnrad-, sondern eine elektrische Adhäsionsbahn auf den Pöstlingberg fahren sollte und die Behörde wissen wollte, woher man den Strom dafür beziehen wollte, konnte man keine Auskunft geben.

Die Stromversorgung von Linz befand sich zu dieser Zeit noch in den Anfängen. Ein Interessenten-Ausschuss zur Errichtung eines Dampfkraftwerkes hatte sich eben erst gebildet, Beurle leitete ihn und auch Rischl gehörte ihm an. Die Gruppe verfügte nicht nur über beste Kontakte zu der noch jungen Elektroindustrie, sondern auch über die nötigen Geldgeber. Als sich Mitte 1895 ein „Consortium für die Errichtung elektrischer Anlangen in Linz“ bildete, das wiederum von Beurle geleitet wurde, stand auch der Errichtung der Pöstlingbergbahn nichts mehr im Wege.

Die Pläne wurden geringfügig verändert, Ritschls Firma führte den Bau durch, und einer seiner Ingenieure, Hermann Danner, wurde zum „Projektverfasser“ ernannt. 1897 begann der Bau der Bahn, der ausgebootete Urbanski hingegen verließ noch im selben Jahr Linz. Die Urheberschaft für die Pöstlingbergbahn wollte er sich noch gerichtlich erstreiten, doch der Prozess ging verloren. Die Stadt ließ ihm „in Anerkennung der vielen Mühen des Projekts“ 100 Gulden zukommen. Heute erinnert eine Gedenktafel im Innenhof des Hauses Altstadt 17 an den geistigen Vater der Pöstlingbergbahn.

 

Daten und Fakten

Gut zu wissen...
 

  • 11,6 Prozent Steigung: Die Steigung der Pöstlingbergbahn beträgt fast durchgehend 10,5 Prozent. Neuere Vermessungen ergaben sogar eine Maximalsteigung von 11,6 Prozent. Sie gilt damit als steilste Adhäsionsbahn auf einer längeren Strecke in Europa. Bei einer Streckenlänge von 4,14 Kilometern überwindet die Pöstlingbergbahn 255 Höhenmeter in 20 Minuten.
     
  • Adhäsionbahn: Die Pöstlingbergbahn ist eine so genannte Adhäsionsbahn. Die Reibungskräfte zwischen den Rädern des Antriebsfahrzeugs und den Schienen bedingen ihr Vorwärtskommen.
     
  • 12 km/h Tempo: Mit einer Geschwindigkeit von 12 km/h bewegte sich die ursprüngliche Pöstlingbergbahn bergwärts, heute fährt sie 25 km/h schnell.
     
  • 1,264.000 Fahrgäste benützten 1943 die Pöstlingbergbahn, ein Rekordwert, der nie wieder erreicht wurde. Heute fahren jährlich rund 600.000 Menschen mit ihr.
     
  • Linie 50 - Pöstlingbergbahn Neu: 111 Jahre nach der Inbetriebnahme wurde am 29. Mai 2009 die revitalisierte Pöstlingbergbahn eröffnet. Als Linie 50 fährt sie nun mit modernisierten Garnituren und mit veränderter Spurbreite bis zum Hauptplatz. Eine einfache Fahrt für einen Erwachsenen kostet 3,60 Euro.
Heute: Linie 50
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