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Der Glykolskandal sickerte

Von Josef Lehner   21. April 2015

Der Glykolskandal sickerte
Prominentes Opfer: Weingut Grill

Weinpanscher: Vor genau 30 Jahren stand nur eine kleine Meldung in den OÖNachrichten. Erst im Juli eskalierte der Skandal. Die österreichische Weinwirtschaft stand vor dem Abgrund. Sie rettete sich selbst.

  • Weinpanscher: Vor genau 30 Jahren stand nur eine kleine Meldung in den OÖNachrichten. Erst im Juli eskalierte der Skandal. Die österreichische Weinwirtschaft stand vor dem Abgrund. Sie rettete sich selbst.

Der Skandal sickerte

Am 23. April 1985 gab Landwirtschaftsminister Günter Haiden (SPÖ) bekannt, dass seine Inspektoren bei Weinbauern "Spätlesen aus der Giftküche" gefunden hätten. Die OÖNachrichten reagierten mit einer kurzen Meldung. Der Skandal sickerte monatelang, ehe er im Juli voll ausbrach.

Ende 1984 hatten die Behörden einen heißen Tipp bekommen, wie es zur wundersamen Vermehrung des österreichischen Qualitätsweins kam. Die Winzer setzten ihren sauersten Tropfen das Frostschutzmittel Diethylenglycol zu und werteten sie so zu "Spätlesen" auf, die in Deutschland reißenden Absatz fanden. Auffällig war auch ein Weinhändler im Burgenland, der den Einkauf großer Mengen Glykols als Betriebsausgabe geltend machte.

Erfolgsbasis oder Mythos?

Hausdurchsuchungen brachten schließlich riesige Dimensionen zutage. Im Juli warnte das deutsche Gesundheitsministerium "dringend" vor dem Konsum österreichischen Weines. Die Medien berichteten global von dem Skandal; auch deutsche Weinhändler hatten Glykol verwendet.

Insgesamt wurden vier Millionen Liter Wein beschlagnahmt, es soll ein Schaden von 130 Millionen Schilling entstanden sein. Einige Weinbauern und ein Chemiker wurden zu teils mehrjähriger Haft verurteilt. Während der Glykol-Wein selbst nicht lebensgefährlich war, forderte er indirekt ein Todesopfer: Ein verurteilter Winzer beging Selbstmord.

Die österreichische Weinwirtschaft war ruiniert und musste auf Basis eines strengeren Weingesetzes, das die Politik Ende 1985 formulierte, einen Neuanlauf starten. Die segensreiche Wirkung des Skandals wird mitunter auch als Mythos bezeichnet. Für die Qualitätsorientierung, die zum "Weinwunder" führte, hätten Leitbetriebe bereits die Basis gelegt gehabt.

Frostschutzmittel aus dem Kanister: Wundermittel der Weinpanscher

Im April 1985

Meilensteine

Von der Draken-Stationierung in Hörsching, über die Sondermülldeponie in Schwertberg bis hin zum Rücktritt von Honecker: Was im April 1985 andernorts passierte, hat die Redaktion der OÖNachrichten für Sie in unserem Archiv recherchiert. 

 

  • 17. April 1985: Wegen Malus bei Kfz-Versicherung immer häufiger Fahrerflucht bei Blechschäden.
     
  • 19. April 1985: Der neue Kremlchef Michail Gorbatschow gibt sich volksnah.
     
  • 20. April 1985: Im bleifreien Benzin ist mehr Blei als erlaubt.
     
  • 22. April 1985: Härtester Widerstand gegen die Draken-Stationierung in Hörsching – der Zentralraum ist schon überlastet.
     
  • 23. April 1985: Kraftwerk im Reichraminger Hintergebirge ist so gut wie gestorben.
     
  • 24. April 1985: Sondermülldeponie kommt nach Windegg bei Schwertberg.
     
  • 29. April 1985: DDR-Chef Honecker tritt 1986 ab.
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