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Kultur

Drückt’s dich wo, sing dich froh! Singen mit den OÖN

Von Helmut Atteneder  21. März 2020 00:04 Uhr

Drückt’s dich wo, sing dich froh!

Viele kramen jetzt wieder ihre verstaubten Instrumente hervor, spielen und singen. Warum uns Musik so guttut.

Natürlich ist der Pichler Toni am vergangenen Sonntag um 18 Uhr zu Hause in Bad Leonfelden auf dem Balkon gestanden und hat mit der Quetschn ein Stück von Herbert Pixner gespielt. Der 70-jährige Musiker und Zweitplatzierte der OÖN-Wahl "Ikone der Volkskultur" im Vorjahr weiß um die verbindende, fröhlich stimmende Kraft des gemeinsamen Musizierens. Viele Jahre hat er in Oberösterreichs Wirtshäusern zum gemeinsamen Singen und Musizieren traditioneller Volksmusik eingeladen. Als er vor ein paar Jahren damit aus gesundheitlichen Gründen aufgehört hat, wollte seine große Fanschar das gar nicht glauben.

Bei Liedern wie dem "Steirischen Brauch" oder dem "Petersbrünnerle", geht halt gleich einmal das Herz auf. "Die Leute sind nachher oft zu mir gekommen und haben gesagt, Toni, das hat mir heut guattan. Singen hat die Menschen schon oft in schlimmen Zeiten froh gestimmt. Musik ist halt ein Seelentröster", weiß Toni Pichler.

Anton Pichler
„Musik ist halt ein Seelentröster.“ Anton Pichler, Volksmusikant aus Bad Leonfelden

"Ja nichts Schicksalsschweres"

Derzeit empfiehlt der weithin bekannte und beliebte Musikant Liedgut mit positivem Inhalt, "ja nichts Schicksalsschweres". Mit Kindern und Jugendlichen würde er jetzt aktuelle Hits, Austropop oder einen selbstkreierten "Gstanzl-Rap" singen.

"Drückt’s dich wo, sing dich froh" ist eine alte Volksweisheit, die vielleicht esoterische Ansätze bedient, sich aber auch wissenschaftlich festmachen lässt.

"Regelmäßig singende Menschen sind im Schnitt körperlich wie seelisch gesünder als nicht Singende", sagt der anerkannte deutsche Musiktherapeut Wolfgang Bossinger. "Beim Singen wird der Antikörper Immunglobulin A erhöht, und dieser arbeitet gegen Krankheitserreger. Außerdem werden die Stresshormone Adrenalin und Cortisol gesenkt: "Das allerwichtigste Kriterium ist aber die innerliche Beteiligung, also mit einer richtigen Freude singen", sagt der Ulmer.

Musik, ein heilsamer Prozess

Elisabeth Freundlinger, Präsidentin des oberösterreichischen Volksliedwerks, kann von positiven Anreizen der Musik in Corona-Zeiten ebenfalls ein Lied singen. "Die Leute singen wieder mehr und holen ihre Instrumente nach langer Zeit wieder heraus. Für Familien ist das ein heilsamer Prozess. Viele fragen sich jetzt, wie sie die neu gewonnene Zeit nutzen können. Da kommt man dann schnell auf die Musik."

Für Freundlinger bietet sich zum gemeinsamen Familienmusizieren jetzt die ganze Palette an Frühlingsliedern an. Niederschwelliges Liedgut wie "Im Märzen der Bauer" lenke ab, und Ablenkung sei gerade jetzt etwas Gutes. Gemeinsam mit dem oberösterreichischen Volksliedwerk laden die OÖNachrichten von heute bis Ostern zum gemeinsamen Singen ein. Täglich wird ein neues Lied auf nachrichten.at/wirbleibendaheim mit Text und Noten vorgeschlagen (Infos siehe nebenan). Freundlinger: "Diese Lieder können dann auch zum Beispiel via Skype mit Verwandten und Freunden gesungen oder per WhatsApp an Oma und Opa weiterverschickt werden."

Einer, der sich der heilenden Wirkung der Musik auf die Psyche schon lange widmet, ist der burgenländische Pianist und Fernsehsprecher (ORF III) Jürgen Solis. Seine Reihe "Healing Piano" entstand im Jahr 2008 aus einer besonderen Eigenerfahrung heraus. Als er 2008 seiner neugeborenen Tochter das Klavierstück "Angelinas Peaceful Night" komponierte, stellte sich schnell eine stark schlaffördernde Wirkung bei dem kleinen Mädchen ein. "Bis heute habe ich schon mehr als 1000 positive Reaktionen von Eltern, deren Kinder mit dieser Musik auch leichter einschlafen konnten", sagt der 49-Jährige.

Solis’ Musik wirkt durch die Wahl einer außergewöhnlichen Instrumentenstimmung so gut aufs Gemüt. Aus einer Intuition habe er das "A" auf 444 Hertz (ansonsten üblich sind 440) gestimmt und "stieß" beim C zufällig auf 528 Hertz. Dieser in der Musiktheorie als Solfeggio-Frequenz bekannten Stimmung schreibt die Esoterik heilende Wirkung auf Körper und Seele zu. Wie auch immer, seine durch viele Wiederholungen mit leichten Adaptierungen versehenen Kompositionen kommen als entspannendes Mantra beim Hörer an.

Und gerade Entspannung suchen derzeit viele Landsleute.

Zum Reinhören: Jürgen Solis "Healing Piano" und "Nature Wellness" auf solys.media

Singen mit den OÖN

Gemeinsam mit dem OÖ. Volksliedwerk laden die OÖNachrichten ab sofort Familien mit Kindern zum gemeinsamen Singen ein. Auf nachrichten.at/wirbleibendaheim finden Sie ab heute bekannte, einfach nachzusingende Kinderlieder mit Text und Noten oder Bewegungsanleitungen. Täglich steht ein neues Lied auf dem Programm.

Zu Teil 1: Alle Vöglein sind schon da - Text und Noten zum Musizieren

Videos oder Fotos von Ihren Singprojekten mailen Sie bitte an online@nachrichten.at.

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Redakteur Kultur

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