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Kultur

"Das finstere Tal" birgt mehr als bloß Männer auf Pferden

Von Nora Bruckmüller   06. Februar 2014 00:04 Uhr

"Das finstere Tal" birgt mehr als bloß Männer auf Pferden
Sam Riley im Südtiroler Schnalstal.

Am Donnerstag startet das internationale Filmfest mit Rekordbeteiligung aus Österreich. Zum Berlinale-Special: Andreas Prochaska im OÖN-Gespräch.

Allein die medialen Kategorisierungen von Andreas Prochaskas neuem Film "Das finstere Tal" sind spannend: Der Bad Ischler hat einen "Austro-Western" gedreht, in dem Sam Riley den Fremden Greider spielt, der die Herrschaft des Brenner-Bauern und seiner sechs Buben in einem einsamen Bergtal stark ins Wanken bringt. Bei der heute startenden Berlinale wird "Das finstere Tal" am Samstag in einem Special gewürdigt.

Auf neues Terrain vorzudringen, um festgefahrene Gebräuche aufzubrechen, das kennt Prochaska genauso wie seine Hauptfigur. Der 49-Jährige hat mit seinem Horrorfilm "In drei Tagen bist du tot" (2006) den Genrefilm in Österreich wiederbelebt – und das in einer Branche, die gegenüber klar definierten Formaten seit langem fremdelt.

Aber Prochaska kämpft für seine Projekte – oder, wie man im Westernslang sagen würde: So schnell gibt der vierfache Vater die Zügel nicht aus der Hand.

Der wilde Ritt, einen Streifen zwischen Western und Heimatfilm zu realisieren, begann an einem Samstagmorgen, als er auf eine Kurzkritik über den Roman "Das finstere Tal" des deutschen Filmkritikers Thomas Willmann stieß. Prochaskas erster Gedanke: "Das ist genau das, wonach ich suche." Die Rechte an dem Stoff lagen aber nicht – wie üblich – beim Verlag, sondern direkt beim Autor. "Willmann wollte sich die Leute selbst aussuchen. Ich war der Erste, der ihn gefragt hat." Kurz danach stellte sich "die gefühlte deutsche Filmbranche" dafür an.

Ein Jahr lang traf sich Prochaska immer wieder mit ihm, aber ein Punkt lieferte Diskussionen: ob der Autor an der Umsetzung beteiligt ist oder nicht. Prochaska: "Das habe ich kategorisch abgelehnt. Für ihn muss es die größte Hürde gewesen sein, sein Baby komplett aus der Hand zu geben. Letztlich hat er meiner Hartnäckigkeit und Ehrlichkeit Folge geleistet." Dass in Südtirol gedreht wird, war relativ schnell klar. Der unromantische Grund: die sehr gute Regionalförderung. Prochaska hat mit seinem Team "jeden Euro zusammengekratzt".

Als Produzent, der auch das Risiko schultert, fungierte wieder Helmut Grasser. Er war bereits an Prochaskas Seite, als er bei "In drei Tagen bist du tot" das Budget "ordentlich überzogen" hat. Auf die Idee, Genrefilme zu realisieren, kamen sie gemeinsam. "Wir saßen zusammen und stellten fest, dass es keine Filme für unsere Kinder gibt. Mein Ältester war damals 22 Jahre alt."

Der Bad Ischler ist generell der Meinung, dass Genrefilme, ob Horror oder Thriller, dem Publikum Orientierung geben. "Diese Kategorien existieren aber im österreichischen Film fast nicht." Der Begriff "österreichischer Film" vermittle außerdem das Gefühl, als habe man dabei "die Pflicht, sich etwas künstlerisch Wertvolles anzuschauen".

"Das finstere Tal" soll natürlich unterhalten. Aber es ist mehr als ein Film "über Männer auf Pferden". "Wir erzählen aus der Perspektive einer 17-jährigen Frau." Und? "Die ist weit mehr als nur eine Stichwortgeberin."

Berlinale im was ist los?: Morgen folgt ein Gespräch mit Oliver Neumann, Produzent des Ö-Wettbewerbfilms "Madcondo"

Fakten zur Berlinale: Christoph Waltz sitzt in der Jury

Festivalvertreter aus Österreich: Sudabeh Mortezai ist mit „Macondo“ im Wettbewerb vertreten. Im Kurzfilmwettbewerb haben Billy Roisz mit „Darkroom“ und Christian Neubacher/Elke Groen mit „Optical Sound“ Bärenchancen. Mit „Risse im Beton“ von Umut Dag, „Fieber“ von Elfi Mikesch und „Der Anständige“ von Vanessa Lapa sind drei weitere heimische Werke ins Panorama eingeladen. Hubert Saupers „We Come as Friends“ läuft als Special – um nur einige der t 26 Produktionen mit rot-weiß-rotem Anstrich zu nennen.

Die Jury: Zu den acht Mitgliedern zählen neben Christoph Waltz u.a. Greta Gerwig („Frances Ha“) und Regisseur Michel Gondry („Schaum der Tage“). Jury-Präsident ist US-Produzent James Schamus.

Die Highlights: Lars von Triers „Nymphomaniac“ feiert genauso Premiere wie der neue Film von Alain Resnais („Aimer, Boire et Chanter“) und George Clooneys „The Monuments Men“.

Sie brachte den Cowboys am Berg ihren Dialekt bei

Wie schon der Zweiteiler „In drei Tagen bist du tot“, ist auch Andreas Prochaskas „Das finstere Tal“ ein klares Bekenntnis zum österreichischen Dialekt im Kino. Nur hat sich Coach Susi Stach, die schon Sabrina Reiter für den Salzkammergut-Horror fit machte, auf das Tirolerische konzentriert. „Wir haben vom echten Tirolerisch so weit abgespeckt, bis wir gesagt haben, das ist ein Alpendialekt, den man auch in Deutschland und in unseren Bundesländern versteht“, sagt die Wienerin mit Ottakringer Einschlag im OÖN-Gespräch. Zusammengearbeitet hat Stach mit einer Tiroler Dialektforscherin.

Sie lehrt Brühl Laudas Sprache

Aber wie gelingt es ihr, einen Dialekt, den sie nicht beherrscht, an andere weiterzugeben? „Ich eigne ihn mir zuerst selbst an.“ Bei Daniel Brühl, dem sie für „Rush“ beibrachte, wie Niki Lauda in den 1970ern zu sprechen, hat sie alle greifbaren Aufnahmen analysiert. Da „Rush“ aber zuerst auf Englisch – mit Laudas typischem Akzent in seinem damaligen Englisch – synchronisiert wurde, musste sie auf Suche gehen. Ihr Material: drei Interviews in der Fremdsprache. Und es hat geklappt: „Wir haben vom Set die ersten Tondokumente nach Wien geschickt.“ Die Reaktion von Freunden des Formel-1-Weltmeisters: „Das ist der Niki.“

Während Coaches in den USA bis zu 200 Dialekte lehren können, bereitet sich Stach nur auf Anfrage vor. „Fragen Sie mich: Ich versuche mein Bestes und sage, ob ich es schaffe.“     (nb)

OÖN-Filmnacht

Premiere von „Das finstere Tal“

Am 14. 2. stellt Andreas Prochaska seinen neuen Film in Linz vor (18 Uhr, Moviemento Linz). 30x2 Karten werden verlost:
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