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Bundespräsidentenwahl

"Ich bin's euer Präsident": Ein launiger Amtsantritt

Von Jasmin Bürger   27. Januar 2017 00:04 Uhr

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WIEN. Van der Bellen beschwor in seiner Antrittsrede als Bundespräsident Zusammenhalt. Er will ein überparteiliches Staatsoberhaupt für alle sein und Zuversicht vermitteln.

"Ich bin’s, euer Präsident": Alexander Van der Bellen brauchte nur wenige Worte, vor den Toren der Hofburg in ein Mikrofon gesprochen, um die Menschenmenge – erneut – zum Jubeln zu bringen. Trotz Kälte hatten ihn Hunderte Anhänger, viele mit "VdB"-Hauben und -Stickern ausgestattet, vom Parlament durch den Volksgarten zu seinem neuen Amtssitz begleitet.

Gut besucht war zuvor auch die Angelobung im historischen Sitzungssaal: Neben Regierung und Abgeordneten waren unter anderem drei Ex-Kanzler (Werner Faymann, Wolfgang Schüssel, Franz Vranitzky) gekommen, Vertreter der Glaubensgemeinschaften fanden sich neben Wirtschaftsgranden, auch Van der Bellens Familie, samt gar nicht kamerascheuem Enkelsohn, verfolgten den ersten Auftritt des neuen Präsidenten.

Rückblick und Ausblick

Ehefrau Doris Schmidauer waren Stolz und Freude deutlich anzusehen. Van der Bellen, in dunklem Anzug, mit blauer Krawatte und polierten Lackschuhen, blieb in der ersten Rede seiner launigen Art treu: Der Wahlkampf sei, trotz seiner Länge, "großteils ganz vergnüglich gewesen", befand er eingangs mit Blick auf FP-Kontrahenten Norbert Hofer. Der Dritte Nationalratspräsident schmunzelte, die Zuhörer im Saal applaudierten.

Dass er, einst "Flüchtlingskind", nun Bundespräsident sei, erfülle ihn mit "großer Zuversicht", sagte Van der Bellen und "dem Gefühl, dass Österreich ein Land der unbegrenzten Möglichkeiten ist". Zuversicht wollte er für die Zukunft vermitteln und versprach "auch jenen, die mich nicht gewählt haben", als "überparteilicher Präsident" zu dienen. "Egal wen sie lieben, ob Männer oder Frauen, ganz gleich, ob sie Männer oder Frauen sind, ob sie Städte oder das Land lieben oder ihr Smartphone – oder alles zusammen", setzte Van der Bellen wieder auf Humor.

Applaus setzte ein, als er betonte: "Österreich, das sind wir alle, wir sind gleich an Rechten und Pflichten und so stark wie unser Zusammenhalt". Den Schluss seiner Ansprache widmete er den Jungen: "Ihr seid es, die wir brauchen, euren Mut, eure Leidenschaft, eure Ideen." Österreich könne "mutig in die neuen Zeiten" blicken, fand er noch Platz für seinen Wahlkampf-Slogan, präsidial folgte: "Es lebe die Republik."

Volksnah gab sich Van der Bellen später nicht nur auf dem Weg in die Hofburg, auch nach der militärischen Parade für den neuen Oberbefehlshaber am Heldenplatz mischte er sich bei Gulaschsuppe, Tee und Tiroler Schnaps unter die Menge, schüttelte etliche Hände. Bei den aufspielenden Blasmusikkapellen aus dem Kaunertal und aus Peuerbach – die jeweilige Heimat von Van der Bellen und seiner Frau – bedankte er sich: "Wien ist heute in Tiroler und oberösterreichischer Hand", frohlockte er.

Die erste Bewährungsprobe wartete am Nachmittag: Um 15 Uhr empfing Van der Bellen die Bundesregierung, die gestern erneut über ihren Fortbestand verhandelte (Details auf Seite 5). Die "Fülle an Ideen", die SPÖ und ÖVP in den vergangenen Tagen präsentiert hatten, halte er für gut, "aber Österreich wartet auf Entscheidungen", mahnte Van der Bellen.

Strache: "Wir haben geklatscht, aber nur kurz"
Hofer (rechts) applaudierte

Strache: "Wir haben geklatscht, aber nur kurz"

Sehr wenig Applaus bekam Bundespräsident Alexander Van der Bellen bei seiner Angelobung von FPÖ-Seite. Das ist bei derartigen zeremoniellen Anlässen unüblich. Darauf angesprochen, sagte Parteiobmann Heinz-Christian Strache: "Wir haben geklatscht, aber kurz." Man habe keinen Grund für "drei Minuten Jubel" gesehen.
Der Kandidat von Straches Partei, Norbert Hofer, war Van der Bellen bei der Präsidentenwahl unterlegen. Hofer war in seiner Funktion als Dritter Nationalratspräsident ebenfalls bei der Angelobung seines ehemaligen Kontrahenten anwesend – und applaudierte.

Eifrigen Applaus spendeten wenig überraschend die grünen Abgeordneten ihrem Ex-Chef. Parteichefin Eva Glawischnig sprach von einem "historischen Signal der Hoffnung und Zuversicht, das weit über Österreich hinaus strahlt."

Glückwünsche bekam Van der Bellen auch vom Klubchef der Neos, Matthias Strolz. "Seine Rede war eine Botschaft der Zuversicht", sagte Strolz. "In einer turbulenten Zeit für Österreich und Europa verkörpert Van der Bellen eine moralische Instanz. Seine Rede war authentisch, er hat auch die aktuellen Herausforderungen dargelegt."

"Zeremonie überschattet"

Ausländische Beobachter verwiesen vor allem auf das zeitliche Zusammentreffen der Angelobung und der rot-schwarzen Krisengespräche. "Überschattet wurde die Zeremonie im Parlament von der Regierungskrise", hieß es in der Online-Ausgabe des Hamburger Magazins "Der Spiegel". In dem Bericht wurde auch betont, dass der österreichische Bundespräsident mehr Einfluss als der deutsche habe – "er kann Gesetze blockieren, das Parlament auflösen und vor allem den Kanzler ernennen oder entlassen."

Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" schrieb, der neue Bundespräsident habe sich "als leidenschaftlicher Europäer" gezeigt, vor einem Aufstieg von Populisten in Europa und vor einer Rückkehr zu einer nationalistischen Politik gewarnt.

Die "Süddeutsche Zeitung" hob Van der Bellens Wahlsieg gegen den FPÖ-Kandidaten Hofer hervor: "Das brachte der sonst eher wenig beachteten Personalie weltweite Aufmerksamkeit ein."
 

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