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Brauchtum

Durchkreuzt, aber nicht abgesagt

Von Roswita Fitzinger  11. April 2020 00:04 Uhr

Durchkreuzt, aber nicht abgesagt

Ostern – das Fest der Auferstehung und Freude, das wichtigste und älteste Fest der Christen – wird für viele Menschen heuer eine einsame und traurige Angelegenheit. Die Welser Pfarrassistentin Irmgard Lehner gibt Anregungen, wie sich die uns auferlegte Distanz überbrücken lässt.

Nah bei den Menschen zu sein ist Irmgard Lehner wichtig. "Dazu gehört das Feiern genauso wie das Mittragen von Belastungen", sagt die Theologin aus Wels. Seit 14 Jahren leitet sie als Pfarrassistentin die Pfarre St. Franziskus in Wels, ist dort, wo sie gebraucht wird.

Seit einem Monat ist das nur noch begrenzt möglich. Sie lerne gerade viel über den Umgang mit sozialen Medien, erzählt sie, etwas, wozu ihr früher die Zeit gefehlt habe. "Ich suche nicht wie sonst das persönliche Gespräch in einem Raum, ich telefoniere viel", sagt die Seelsorgerin, "vor allem mit älteren Menschen, die alleine sind und ihre Enkel einmal wieder gerne in den Arm nehmen würden." Die andere Gruppe, die derzeit häufig ihre Hilfe in Form von Beistand benötige, seien junge Familien mit Kindern – viele davon lebten in kleinen Wohnungen, erzählt sie.

Irmgard Lehner

Ein schmerzliches Gefühl

Auch im Privatleben sind die Einschnitte spürbar. Irmgard Lehners Eltern werden von ihr mit Einkäufen versorgt, diese werden vor der Tür abgestellt. Gespräche gibt es nur aus der Distanz, Gleiches gilt für die in Linz und Wien lebenden Kinder. Auch zu Ostern bleibe man getrennt, versichert die 50-Jährige. Kein gemeinsames Eierpecken, keine Ostergottesdienste. "Normalerweise kommt am Ostersonntag meine Großfamilie und am Ostermontag die meines Mannes zusammen. Heuer wird es nichts geben." Ein Umstand, der wie bei vielen Menschen auch bei ihr zunächst ein schmerzliches Gefühl ausgelöst habe, "weil etwas fehlt". Doch zu sagen, dass Ostern wegen der Pandemie ausfällt, kommt für die Welserin nicht in Frage. "Ostern ist nicht abgesagt, nur anders", bekräftigt sie, "ob man gläubig ist oder nicht, es sollte auf alle Fälle Rituale geben, die es auch sonst gibt, halt etwas abgewandelt."

Osterfeuer zum Mitnehmen

Ein gutes Osteressen zuzubereiten, den Tisch schön zu decken, seien beispielsweise Traditionen, die man unbedingt beibehalten sollte, findet Lehner. Selbst auf die gesegneten Osterspeisen müsse man nicht verzichten. "Auch wenn man Schinken, Eier, Brot dieses Jahr nicht in der Kirche weihen lassen kann, kann man es doch am Ostersonntag daheim machen. Dazu braucht es kein Weihwasser. Es reicht, ein Kreuzzeichen zu machen oder um Gottes Segen zu bitten", sagt die Theologin.

Alternativen gibt es auch für die abgesagten Ostergottesdienste im Land. Osterfeiern im Fernsehen oder im Radio mitzuverfolgen, sind eine Möglichkeit (mehr im Faktenkasten), aber in den Pfarren gibt es diverse Angebote. In der Welser St.-Franziskus-Kirche wird zum Beispiel am Ostersonntag um 5 Uhr ein Osterfeuer entzündet und mit der gesegneten Osterkerze das Licht in den Kirchenraum getragen (bis 11 Uhr). Davon wird ein Video aufgenommen, das auf der Homepage der Pfarre (stfranziskus.at) ab 7.30 Uhr zu sehen sein wird. Das Osterlicht kann mit einer Laterne auch nach Hause mitgenommen werden. Ebenso werden Weihwasserfläschchen zum Mitnehmen angeboten.

Am schmerzlichsten werden in den kommenden Tagen jedoch die Familienmitglieder beim gemeinsamen Osteressen vermisst werden. Irmgard Lehners Vorschlag lautet daher, sich Fotos von den Lieben auf den Tisch zu legen oder in der Nähe aufzustellen. "Damit sie dennoch sichtbar sind. Vielleicht spricht man noch ein Segensgebet." Wir Menschen hätten schließlich viel Erfahrung, trotz räumlicher Trennung eine Verbundenheit zu spüren. "Häufig sagen wir in anderen Situationen ,Ich denk an dich’ oder ,Ich bete für dich’. Räumliche Distanz muss keine soziale Distanz sein", betont sie.

Osterbotschaft besonders wichtig

Trotz der vielen Dinge, die wir in diesen Tagen vermissen, sei ein intensives Osterfest möglich, davon ist die Pfarrassistentin überzeugt: "Vielleicht wird es sogar noch intensiver, weil die übliche Routine wegfällt und wir überlegen müssen, wie wir Ostern gestalten." Sie persönlich werde in den kommenden Tagen viele Einzeltelefonate führen, eine Videokonferenz mit allen Familienmitgliedern sei aufgrund der Größe zu anstrengend. "Wir wollen stattdessen einen Zeitpunkt vereinbaren, an dem wir alle dasselbe machen. So sind wir, ohne uns zu sehen, trotzdem verbunden."

Darüber hinaus gebe ihr die Osterbotschaft, dass "selbst in schwierigen oder leidvollen Situationen das Leben stärker ist als der Tod", Kraft. "Diese Botschaft ist heuer besonders wichtig. Ich würde sogar sagen, wir haben sie noch nie so dringend gebraucht, zumindest wie in meinem Leben noch nie". Ähnlich verhalte es sich mit der bei der Auferstehung verkündeten Botschaft "Fürchtet euch nicht". "Sie gibt uns die Hoffnung, die Zuversicht und das Vertrauen nicht zu verlieren."

Gottesdienste zu Hause

Auch wenn die traditionellen Ostergottesdienste in diesem Jahr entfallen, sind doch die Kirchen für kurze Aufenthalte und Gebete zugänglich. Darüber hinaus werden die Gläubigen jedoch aufgefordert, nicht in die Kirche zu kommen.

Hauskirche: Vorschläge für Gebete, Lieder, die Gestaltung des Osterfeiertage daheim (auch für das Feiern mit Kindern) finden sich unter netzwerk-gottesdienst.at

Gottesdienst auf nachrichten.at: Am Ostersonntag und -montag werden die Gottesdienste mit Bischof Manfred Scheuer jeweils ab 10 Uhr als Livestream auf nachrichten.at übertragen.

Osterfeiern im Fernsehen:

Karsamstag: Österliche Speisen-Segensfeier mit Bischof Wilhelm Krautwaschl aus Graz, (13.10 Uhr, ORF 2)

Ostersonntag: Gottesdienst mit Papst Franziskus und Segen "Urbi et orbi" aus Rom (10 Uhr, ARD); Oster-Gottesdienst aus dem Wiener Stephansdom mit Kardinal Christoph Schönborn und anschließendem Ostersegen (10.30 Uhr, ORF2)

Ostermontag: Evangelischer Gottesdienst aus der St.-Nicolai-Kirche in Lemgo (10 Uhr, ARD)

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Roswita Fitzinger

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