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Too big to fail

Das Ding aus einer anderen Welt: Der Bentley Mulsanne Speed bewegt sich jenseits aller Normen.

Too big to fail

Dieses Auto ist eine Wucht: Der Bentley Mulsanne Speed beschleunigt bis 305 km/h und erleichtert das Bankkonto auch sehr schnell um gut 400.000 Euro. Bild: Bentley

Gelobt sei die weise Entscheidung unseres Bauherrn C., bei den Dimensionen der neuen OÖNachrichten-Tiefgarage in der Linzer Innenstadt die Kurvenradien der Ein-, Aus- und Abfahrten recht großzügig zu bemessen. Auch die Stellflächen sind verglichen mit anderen urbanen Autoaufbewahrungsbunkern nicht knausrig, sondern so, wie es der Garagen-Name verspricht: großformatig. In diesen Hallen ließ sich sogar eine Luxuslimousine recht stressfrei bewegen, obwohl der artgerechte Abstellplatz für so ein "fettes" Auto eher ein Flugzeughangar als eine Tiefgarage gewesen wäre: Der Bentley Mulsanne Speed stammt aus einer anderen Welt und bewegt sich bei Luxus, Kraft, aber auch beim Preis jenseits aller Normen. Unter 400.000 Euro ist da nichts zu machen.

Beobachter begegnen dem noblen Briten gewöhnlich mit einer Mischung aus Bewunderung und sprachlosem Staunen, das sich schnell einmal in Fassungslosigkeit oder kindlicher Heiterkeit verwandeln kann. Was ausbleibt, sind Fragen in Richtung (umwelt-)politischer Correctness. Niemand würde es wagen, den Bentley Mulsanne Speed auf seinen zugegeben dinosauriermäßigen ökologischen Reifenabdruck zu reduzieren. Diese bombastische Kutsche ist einfach "too big to fail".

Too big to fail

Der sichere Quartett-Sieger

Jene Auserwählten, die drinnen sitzen, selber fahren oder gefahren werden, fühlen sich wie Prinzen oder Prinzessinnen, die einer royalen Hochzeit entgegenschweben. Ein treuer Begleiter dieses Bentley ist der Superlativ: Der feine Engländer gilt als schnellste Limousine der Welt.

Auch aufgrund seiner anderen Eckdaten ist man der sichere Sieger beim Auto-Quartett-Spielen, wenn man den Mulsanne in seinen Karten hat. Da stünden nämlich unter anderem diese atemberaubenden Zahlen drauf: 537 PS, 305 km/h Höchstgeschwindigkeit, 1100 Newtonmeter Drehmoment, 422.900 Euro Neupreis (mit ein paar Extras ist man schnell bei einer halben Mille).

Too big to fail

Als Vorbote des Testautos flatterte ein "Vehicle Loan Agreement", also der Testvertrag, über den elektronischen Datenhighway in die Redaktion. Der kam direkt vom Bentley-Stammsitz im englischen Crewe und war eher humorlos formuliert.

Um den vielseitigen, kleingedruckten Anhang wirklich zu verstehen, hätte es wohl ein Jus-Studium in Cambridge oder Oxford gebraucht. Im Bereich der Versicherungsbedingungen mit dem schlanken Selbstbehalt von 11.000 britischen Pfund habe ich dann zu lesen aufgehört. Viel Wissen macht Kopfweh. An dieser Stelle nochmals ein Dankeschön für die gut dimensionierte Tiefgarage. Für die Aura, die diese Limousine verströmt, wäre sie zwar fast zu klein geworden, aber das Ein- und Ausfahren gelang ohne kostspielige Karosserie-Hautabschürfungen.

Atemberaubend

Die englische Nobelkutsche sieht blendend aus, ohne eine Blenderin zu sein. Hier ist alles "outstanding". Die Beschleunigung des von zwei Turbos beatmeten Achtzylinders (6,75 Liter Hubraum!) ist ein Erlebnis, das unvorbereiteten Fondpassagieren verlässlich den Atem raubt. In 4,9 Sekunden huscht der 2,7-Tonnen-Koloss von 0 auf 100 km/h – aber dann scheint es erst richtig loszugehen. Die Sache fühlt sich an, als würde man in einem Learjet auf der Startbahn beschleunigen. Beim Bentley verhindern moderne Assistenzsysteme und vor allem eine bärenstarke Bremsanlage einen unerwünschten Abflug in Richtung Nirwana.

Too big to fail

Obwohl die Fondpassagiere von der kleinen Bar in der Mittelkonsole, von Massagesitzen oder einem Entertainment-System mit großen Bildschirmen und bester Tonqualität verwöhnt werden, dürfte der Lieblingsplatz vieler der ganz wenigen Mulsanne-Speed-Eigner wohl hinter dem Lenkrad sein. Im Gegensatz zum Rolls Royce ist der Bentley nämlich ein Auto für Fahrer und keine sanfte Sänfte für hohe Herren und Damen, die vielleicht in der Geschäftswelt viele Fäden in der Hand halten, aber nicht wissen, wie sich ein Lenkrad anfühlt. Den Mulsanne selbst zu steuern ist ein Erlebnis, das Adrenalin ins Blut pumpt, Glückshormone freisetzt und einen erhöhten Pulsschlag verursacht.

Braut und Bleichgesicht

In Reihe zwei wohnt man natürlich in einer ähnlich hormongefluteten Gefühlswelt, was vor allem dann überwältigend ist, wenn jemand in diesem Flaggschiff Kurs auf den Hafen der Ehe nehmen darf. Die Braut ist im Fond unterwegs zur Hochzeit allerdings trotzdem plötzlich recht bleichgesichtig geworden. Meine besorgte Frage als Chauffeur, wie es ihr in der royalen Kutsche gehe, beantwortete sie kurz und bündig so: "Mir ist schlecht." Der Mulsanne konnte da eher nichts dafür, das lag wohl eher an meinem Fahrstil. Besorgt schaltete ich vom Fahrprogramm "Sport" auf "Comfort" und behandelte fortan das Gaspedal ähnlich gefühlvoll wie ein Gefäßchirurg sein Skalpell. Das Weiß verschwand aus dem Brautgesicht, die Schmetterlinge im Bauch blieben.

 

Auto-Biografie

Preis: 422.900 Euro

Motor: V-Achtzylinder
Hubraum 6752 ccm
Leistung 395 kW (537 PS)
max. Drehmoment 1100 Nm

Verbrauch (NEFZ)
Stadt/Land/Mix 24,4/10,1/15
OÖN-Test 18,8
CO2-Ausstoß 342 g/km

Antrieb: Hinterrad
Getriebe 8-Gang-Automatik
0 auf 100 km/h in 4,9 sec
Spitze 305 km/h
L/B/H 5575/2208/1521 mm
Leergewicht 2685 kg
Zuladung 515 kg
Kofferraum 443 Liter

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Artikel Christoph Zöpfl 23. Oktober 2018 - 00:04 Uhr
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