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Innenpolitik

"Geht nicht um Laptop in der Klasse, sondern um Kompetenz"

Von Barbara Eidenberger aus Tallinn   14. Februar 2019 00:04 Uhr

"Geht nicht um Laptop in der Klasse, sondern um Kompetenz"
Erste Programmier-Erfahrungen

Estland hat sich an die Spitze der PISA-Tests vorgearbeitet; unter anderem mit konsequenter Digitalisierung in den Schulen

Im Robotics Club basteln Katarina, Partel und Jesper an ihrem Projekt für die First Lego League, in der dritten Klasse zeigt Lehrerin Janika Lukk vor, wie mit ein paar Programmiercodes Leuchtdioden im gewünschten Muster aufleuchten, und in der zehnten Klasse schreiben die Schüler in der Programmiersprache Python an einem Statistikprogramm. Die Tallinna Reaalkool (Realschule) hat sich ganz dem digitalen Schwerpunkt verschrieben, wie Direktorin Ene Saar bei einem Rundgang stolz präsentiert. Schon seit 16 Jahren gibt es nur noch digitale Klassenbücher, seit zehn Jahren ist Robotics im Lehrplan zu finden, und seit zwei Jahren wird ab der dritten Klasse Programmieren unterrichtet. Darüber hinaus werden in allen Fächern Laptops oder Smartphones genutzt. "Allerdings nicht, um einfach etwas abzutippen. Ich überlege mir, wie ich ein Thema den Schülern näherbringen will, und entscheide dann, mit welchen Mitteln", sagt Lehrerin Lukk. Das seien eben manchmal Tablets oder Smartphones: "Aber Stift und Papier sind schon auch noch verbreitet." Der Vorteil liegt für Lukk auf der Hand: "Vieles geht digital schneller, und ich habe auch den Lernfortschritt besser im Blick."

Genau diese Vorteile der Digitalisierung seien in Österreich noch viel zu wenig bewusst, sagt Hanno Lorenz, Bildungs- und Digitalisierungsexperte von Agenda Austria, bei einer Exkursion in Estland. "Hier in Estland zeigt sich deutlich, dass es nicht darum geht, in jeder Klasse einen Laptop stehen zu haben, sondern darum, die digitalen Grundkompetenzen zu erlernen", so Lorenz. Von oben zu verordnen, die Klassen mit Tablets oder Laptops auszustatten, könne nicht funktionieren, ist der Experte überzeugt: "Es fehlt an der Ausbildung der Lehrer und auch am Bewusstsein." Die Vorteile liegen auf der Hand, betont Lorenz: "Die Lerninhalte können individualisiert werden, der reine Wissenserwerb läuft automatisiert, und die Lehrer können sich viel stärker auf ihre pädagogische Arbeit konzentrieren."

Was eine Individualisierung der Lerninhalte mit sich bringt, könne an der Tallinna Reaalkool beobachtet werden. "Nicht nur schneiden die Schüler hier bei den PISA-Tests am besten ab – es gibt auch viel weniger, die schlecht abschneiden", so Lorenz. Während Österreich bei PISA im Mittelfeld liegt, hat sich Estland in den vergangenen Jahren an die Spitze vorgearbeitet.

Digitaler Fokus

Seit 1999 haben alle Schulen in Estland Internet.

2014 wurde „Digitale Kompetenz“ als Schlüsselkompetenz im nationalen Curriculum für die Schulen festgelegt. Es wurde auch gesetzlich verankert, dass alle Lehrbücher auch digital verfügbar sein müssen.
50 Prozent der Kindergärten und 87 Prozent der Schulen haben Programmieren im Angebot.

Im Zentrum steht aber die Vermittlung von technologischer Kompetenz und des Wissens, wie die digitale Welt funktioniert.

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