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Innenpolitik

Anschober: Testkapazitäten werden ausgebaut

Von nachrichten.at/apa   23. März 2020 06:35 Uhr

Rudolf Anschober
Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) 

WIEN. Laut Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) sowie OÖ-Landeshauptmann Thomas Stelzer (ÖVP) werden die Test-Kapazitäten ausgebaut. Kritische Produkte sollten wieder vermehrt in Österreich produziert werden.

"Wir sind alle von dieser Krankheit überrascht worden. Vorbereitet war die ganze Welt nicht. Es ist eine Ausnahmesituation, wie es sie unsere Generation noch nicht gesehen hat", erklärte Stelzer, derzeit auch Vorsitzender der Landeshauptleutekonferenz, in der ORF2-TV-Sendung "Im Zentrum" und verwies darauf, dass man die Maßnahmen zur Beherrschung der Covid-19-Erkrankungen und zur Bewältigung der damit verbundenen Probleme ständig weiter entwickle.

"Testen, schützen, helfen - Wie stark ist unser Gesundheitssystem", lautete der Untertitel der TV-Sendung, somit ging es auch um die Zahl der Tests. International verfolgen die einzelnen Staaten unterschiedliche Strategien. Während Länder wie Finnland oder Island breitflächigst auf SARS-CoV-2 testen wollen, liegt Österreich hier offenbar eher im Mittelfeld. Anschober: "Die WHO empfiehlt, alle Verdachtsfälle zu testen." Hinzu käme in Österreich die Möglichkeit für jeden Arzt, einen Test für einen Patienten - unabhängig vom Vorliegen eines Verdachtsfalles - nach seiner eigenen medizinischen Entscheidung anzuordnen. Man werde mit Ausweitung der Kapazitäten für die Untersuchungen auch Spitalspersonal etc. in Zukunft regelmäßig testen können. Doch zu Infektionen mit dem Covid-19-Erreger könne es natürlich auch unmittelbar nach einem negativen Testergebnis kommen.

"Die Kapazitäten sind nicht da, um ganz Österreich durchzutesten. Ich glaube nicht, dass es derzeit massiv zuwenig ist", sagte die Wiener Virologin Monika Redlberger-Fritz. Man dürfte neben den maschinellen Einrichtungen für die Untersuchungen nicht das Management rundherum vergessen, was Tests für mehr als acht Millionen Menschen unmöglich mache. Bisher wurden in Österreich rund 21.000 Menschen getestet. Jeder sechste Test fiel positiv aus.

"Bei den Testungen legen wir in den nächsten zwei bis drei Wochen massiv zu", kündigte Anschober an. Die niederösterreichische niedergelassene Ärztin Cornelia Tschanett (Ebreichsdorf) beklagte, man fühle sich als Arzt "draußen" allein gelassen und wünsche sich einen direkten Ansprechpartner für Probleme. Es ginge beispielsweise um einen dringenden Mangel bei Schutzmasken und sonstiger Schutzausrüstung.

Video: Die strengen Beschränkungen scheinen zu wirken, meint Gesundheitsminister Rudolf Anschober.

Der Gesundheitsminister betonte die Bemühungen aller Beteiligten, hier mit koordinierten Zukäufen schon in nächster Zeit Erleichterung zu schaffen. Da sei man mit allen Mitteln dahinter. "Wir haben auch zusätzlich Beatmungsgeräte bestellt", sagte Anschober. Nur hätte in der jüngeren Vergangenheit zunächst China große Mengen aufgekauft. Deutschland und Frankreich hätten Exportverbote für diese Waren erlassen, wodurch sogar bestellte und bezahlte Produkte vorübergehend nicht nach Österreich gekommen seien. Österreich hat in den vergangenen Tagen Südtirol bei der Versorgung mit Schutzausrüstung Hilfe geleistet, wofür sich Landeshauptmann Arno Kompatscher (SVP) ausdrücklich bei Österreich bedankte.

Einig waren sich Anschober und Stelzer darin, dass Österreich in Zukunft bei derart strategisch wichtigen Produkten wieder mehr Eigenproduktion und Unabhängigkeit haben sollte. Der Minister: "Wir müssen uns in diesen Bereichen unabhängiger machen und selbstständiger werden."

Rendi-Wagner fordert flächendeckende Tests

SPÖ-Vorsitzende Pamela Rendi-Wagner fordert flächendeckende Tests, um Corona-Infizierte rascher identifizieren und isolieren zu können. Außerdem plädiert sie für eine zentrale Koordination der Beschaffung von Schutzausrüstung für alle Spitäler, aber auch für niedergelassene Ärzte.  "Je mehr Tests durchgeführt werden, desto besser die Kontrolle der Ausbreitung des Virus. Dazu müssen dringend alle freien Laborkapazitäten des Landes genutzt werden", argumentierte Rendi-Wagner gegenüber die APA die Forderung nach flächendeckenden Tests.

Sie verwies auf Erfahrungen aus China und Südkorea, wo rigorose Testungen zu einer schnellen Isolierung führten, um eine Weiteransteckung zu verhindern. In beiden Ländern gebe es einen langsamen Rückgang der Erkrankungen. Wegen seiner früheren Erfahrungen mit den Vorläufer-Viruserkrankungen SARS und MERS habe Südkorea genügend Kapazität für ausreichend Tests bereitgehalten. "Genau diese vielen Tests sind der Erfolgsschlüssel im Kampf gegen Corona."

Außerdem fordert die SPÖ-Vorsitzende eine zentrale Koordination der Verteilung von Schutzausrüstungen. "Vor allem das Gesundheitspersonal ist einem hohen Infektionsrisiko ausgesetzt. Um einen Kollaps des Gesundheitssystems zu vermeiden, müssen alle Hebel in Gang gesetzt werden, um Spitäler und niedergelassene Ärzte mit Schutzausrüstung auszustatten." Das medizinische Personal müsse auch dringend informiert werden, ob und wann mehr Schutzausrüstung geliefert werden. Nur das schaffe Planungssicherheit für die Spitäler, damit genügend Kapazitäten auch zur notwendigen Bevorratung bereitgestellt werden können. "Man darf die Spitäler und Ärzte im niedergelassenen Bereich nicht alleine lassen", betonte Rendi-Wagner.

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