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Weltspiegel

Coronavirus: Zahl der Infektionen in China steigt weiter stark

14. Februar 2020 06:39 Uhr

Coronavirus China Wuhan Hubei
In Wuhan in der Provinz Hubei versuchen die Menschen so gut es geht, sich vor der Krankheit zu schützen.

PEKING. Die Zahl der bestätigten Ansteckungen ist am Freitag landesweit auf fast 65.000 gestiegen. Wieder starben allein in Hubei 116 Patienten an der Krankheit.

Erst einmal herrscht Schock und Verwirrung. Selbst die nationale Gesundheitskommission in Peking setzt die allmorgendliche Bekanntgabe der landesweiten Virusinfektionen und Todesfälle aus – und muss erstmal stundenlang beraten. Was war passiert? Über Nacht hatte die am schwersten vom Coronavirus betroffene Provinz Hubei eingeräumt, dass es doch viel mehr Infizierte gibt. 

  • Weiterlesen: Die Austrian Airlines fliegen auch weiterhin nicht nach Peking und Shanghai. Dies gilt bis zum Ende des Winterflugplans am 28. März 2020. >> Mehr dazu

Am Freitag ist die Zahl der bestätigten Ansteckungen erneut stark gestiegen. Allein in der schwer betroffenen Provinz Hubei in Zentralchina kamen innerhalb eines Tages 4.823 Infektionen hinzu, wie das Staatsfernsehen unter Hinweis auf die Gesundheitskommission der Provinz berichtete. Damit stieg die Zahl landesweit auf fast 65.000. Wieder starben allein in Hubei 116 Patienten an der Krankheit. Damit sind landesweit fast 1.500 Tote zu beklagen.

Am Vortag war die Zahl der neu bestätigten Infektionen bereits dramatisch um 15.000 angestiegen, weil in der neuen Zählweise auch die klinischen Diagnosen der Covid-19 genannten Lungenkrankheit aus den vergangenen Wochen mitgerechnet wurden. 

Von einer Stabilisierung, die die Weltgesundheitsorganisation (WHO) noch am Mittwoch ausgemacht haben wollte, ist plötzlich keine Rede mehr. Der dramatische Anstieg erklärt sich aus einer neuen Methode, wie Virus-Fälle gezählt werden. Bisher war ein DNA-Test auf das Virus Sars-CoV-2 für eine offizielle Bestätigung nötig. Nun reicht dafür auch eine klinische Diagnose auf die Lungenkrankheit Covid-19 aus. Damit ist gemeint, dass ein Arzt eine Infektion auch anhand der Symptome, einer Computertomografie und der epidemiologischen Vorgeschichte eines Patienten bestätigen kann.

Bei den 4.823 neuen Infektionen mit dem Sars-CoV-2 genannten Virus am Freitag in Hubei wurden auch 3.095 solche Fälle mit nur klinischen Diagnosen mitgerechnet, wie die Gesundheitskommission berichtete. Die neue Zählweise wird allerdings nur in der Provinz Hubei, nicht im Rest des Landes angewandt. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) begrüßte das neue Vorgehen. Es erlaube, Betroffene in Hubei schneller zu isolieren und zu behandeln und Kontaktpersonen früher unter Beobachtung zu stellen.

Video: Günther Mayr, Chef des ORF-Wissenschaftsressorts, erklärt den starken Anstieg der Virus-Infizierten.

"Transparenz sieht anders aus"

Der Grund: Der DNA-Test auf das Virus schlage "nur bei 30 bis 50 Prozent" der Infizierten an, erklärt Tong Zhaohui von der Expertengruppe im Kampf gegen die Lungenkrankheit dem Staatsfernsehen. Deswegen sei es notwendig, auch auf die klinische Diagnose zu setzen. So waren zuvor immer wieder Patienten negativ getestet worden, obwohl sie mit dem Virus angesteckt waren.

Damit dürfte die Statistik zwar näher an die Realität rücken. Doch gab es bisher schon wenig Vertrauen in die chinesischen Informationen über den Ausbruch, leidet Chinas Glaubwürdigkeit durch das Hin und Her in der Berichterstattung nun einmal mehr. "Transparenz sieht anders aus", sagt ein Diplomat. Der plötzliche Anstieg schreckt das Land auch ausgerechnet zu einem Zeitpunkt auf, an dem die chinesische Führung eigentlich langsam zur Normalität zurückkehren wollte.

Da das Riesenreich seit drei Wochen halb lahmgelegt ist, fürchtet die Regierung zunehmend um Schaden für die Wirtschaft. Einige lokale Maßnahmen, das Virus einzudämmen, gehen den Verantwortlichen in Peking zu weit – obwohl der Höhepunkt der Infektionen noch nicht einmal erreicht ist. Anfang der Woche sollten die wegen des Virus verlängerten Ferien zum chinesischen Neujahrsfest eigentlich enden, aber Büros und Fabriken zögern, den Betrieb wieder aufzunehmen.

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Tests nun auch in Salzburg möglich

Ab heute, Freitag, sind Tests auf das Coronavirus auch in Salzburg möglich. Wie die Salzburger Landeskliniken mitteilten, können auch Patienten am Uniklinikum in der Stadt Salzburg auf Infektionen getestet werden. Bisher mussten die Proben an das Zentrum für Virologie der Medizinischen Universität Wien geschickt werden.

Provinz-Politiker gefeuert

Rund zwei Monate nach dem Ausbruch der Epidemie gab es indessen weitere personelle Konsequenzen: Der Parteichef der Provinz Hubei, Jiang Chaoliang, wurde von Shanghais Bürgermeister Ying Yong ersetzt, der als Schützling von Staatschef Xi Jinping gilt. In Wuhan wurde Parteichef Ma Guoqiang vom bisherigen Parteichef der Metropole Jinan (Shandong) abgelöst. Zuvor waren schon die Chefs der Gesundheitskommission der Provinz entlassen worden.

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