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Chronik

Coronavirus: Erster Toter in Österreich

12. März 2020 13:19 Uhr

++ THEMENBILD ++ LABORUNTERSUCHUNG ZUM CORONAVIRUS
Laboruntersuchung zur Abklärung des Coronavirus.

WIEN. Der 69-jährige Patient im Wiener Kaiser-Franz-Josef-Spital ist an einem Multiorganversagen infolge einer Infektion mit dem Coronavirus gestorben.

Das sagte der Leiter der Infektionsabteilung des Krankenhauses, Christoph Wenisch, am Donnerstag bei einer Pressekonferenz. Der 69-Jährige hatte Vorerkrankungen wie Zucker, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Bluthochdruck und eine chronische Darmerkrankung.

 "Andererseits war er fit. Er war immerhin auf einem Italienurlaub", ergänzte der Mediziner. Auf diesem Urlaub, den er im Februar mit seiner Familie verbrachte, hatte er sich nach Erkenntnissen der Ärzte auch mit SARS-CoV-2 angesteckt. Der 69-Jährige entwickelte nach der Rückkehr Symptome und kam bald in das Krankenhaus. "Er ist dann über die Normalstation rasch auf die Intensivstation gekommen, weil ein Lungenversagen rasch eingetreten ist", erläuterte Wenisch. Es folgten Versagen der Nieren, der Leber, der Herz-Kreislauf-Organe. "Medizinisch salopp gesagt, handelte es sich um ein Multiorganversagen", attestierte der Mediziner.

Zuletzt wieder virenfrei

Mediziner Christoph Wenisch betonte, dass der verstorbene Patient zuletzt wieder virenfrei gewesen sei: "Ein Nachweis war nicht mehr möglich." Allerdings habe das Virus zuvor schon zu großen Schaden angerichtet, betonte der Leiter der Infektionsabteilung im KFJ-Spital. "Der Schaden war gesetzt und konnte nicht mehr repariert werden."

Drei Intensivpatienten stabil

Wenisch hatte aber auch "eine gute Nachricht": "Wir haben drei Patienten auf der Intensivstation", und diese seien allesamt stabil. In die Intensivstation komme man, wenn auf der Normalstation mit der Sauerstoffmaske mit Brille keine ausreichende Oxygenierung erreicht werden kann. Auf der Normalstation befinden sich derzeit vier Personen mit einer Corona-Infektion, einige weitere Verdachtsfälle würden derzeit abgeklärt.

Video: Die Pressekonferenz zum Nachschauen

Weitere Todesfälle "absehbar"

Der Mediziner meinte angesichts der prognostizierten Ausbreitungsrate, dass weitere Todesfälle in Österreich wohl "absehbar" wären. Zugleich verwies er aber auch darauf, dass die Ausgangslage in Österreich eine deutlich bessere sei als in Italien: "Wir haben die Ausbreitung früher erkannt und wir haben bessere Diagnosesysteme." Für die Maßnahmen der Regierung, die darauf abzielen, Sozialkontakte herunterzufahren und dadurch die Ausbreitung einzudämmen, ist Wenisch "dankbar". Das von der Stadt Wien heute verhängte Besuchsverbot in allen Gemeindespitälern sei richtig und sinnvoll.

Besuche nur in Ausnahmefällen

Um die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen, wird es in den Wiener Gemeindespitälern zu Einschränkungen kommen. Krankenbesuche werden bis auf weiteres untersagt. Um diese Maßnahme durchzusetzen, werden in allen Häusern Eingangskontrollen durchgeführt, gab Gesundheitsstadtrat Peter Hacker (SPÖ) bekannt.

Operationen werden verschoben

Weiters werden in Wien sämtliche nicht dringenden Operationen bis auf ein absolutes Minimum auf einen späteren Zeitpunkt verschoben. "Wir bitten die Wiener Bevölkerung um Verständnis, aber wir müssen unsere Ressourcen und unser Personal im zentralen Bereich der Gesundheitsversorgung - den Spitälern - schützen und schonen", meinte Gesundheitsstadtrat Peter Hacker (SPÖ) in einer Pressemitteilung.

Absolut keinen Einschränkungen unterliegen Akutbehandlungen bzw. -operationen. Hacker kündigte zudem weitere Maßnahmen an, die bereits in Vorbereitung sind.

Erste Infektion am Wiener AKH

Im größten Spital in der Bundeshauptstadt gibt es den ersten Coronavirus-Fall. Das bestätigte der Sprecher des medizinischen Krisenstabs der Stadt Wien, Andreas Huber. Eine Patientin, die sich am Dienstag zur Behandlung auf die Hämatologische Ambulanz begeben hatte, wurde positiv auf SARS-CoV-2 getestet.

Die Frau wurde umgehend ins Kaiser-Franz-Josefspital überstellt und wird seither dort behandelt. Sie soll nicht schwer erkrankt sein, hieß es. Sämtliche Kontaktpersonen der Frau, die vom Gesundheitsdienst der Stadt Wien (MA 15) bisher ermittelt werden konnten, wurden abgesondert und befinden sich in Heimquarantäne. Betroffen ist medizinisches Personal, das sich um die Patientin gekümmert hatte, und drei Ärzte, die näher mit der Frau zu tun hatten.

Nehammer: Weitere Maßnahmen möglich

Sollte sich die Abflachung der Infektionskurve nicht einstellen, so wird es weitere Maßnahmen im Kampf gegen die Virus-Verbreitung geben. Das kündigte Innenminister Karl Nehammer am Donnerstag an. Die am Mittwoch von der Regierung beschlossene Einschränkung des Schulbetriebs würde sicher nicht die letzte Maßnahme gewesen sein.

Anschober: "Sehr starker Prozess des Ansteigens"

Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) hat bei dieser Gelegenheit das derzeit starke Ansteigen der positiven Coronavirus-Fälle bestätigt. "Derzeit sind wir in einem sehr, sehr starken Prozess des Ansteigens", sagte Anschober. "Gestern in der Früh waren es 202 Erkrankungsfälle, jetzt gerade sind wir bei 302. Würde diese Kurve so weitergehen, hätten wir bereits in einer Woche sehr, sehr hohe Zahlen. Daher geht es darum, eine Verzögerung zu erreichen."

Videoaufnahmen vom Kaiser-Franz-Josefspital:

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