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Chronik

Vor 30 Jahren eskalierte der Konflikt um Hainburg

Von G. Lukesch und R. Stammler   20. Dezember 2014 00:04 Uhr

Vor 30 Jahren eskalierte der Konflikt um das Wasserkraftwerk Hainburg
Größter Einsatz der Exekutive gegen Demonstranten seit 1945.

HAINBURG. Tausende Umweltschützer standen 800 Beamten gegenüber – Die Au blieb doch erhalten.

"Wir haben bereits ab dem 17. Dezember befürchtet, dass es zu heftigen Auseinandersetzungen kommen wird": Das sagen heute, 30 Jahre später, nicht nur beteiligte Exekutivbeamte, sondern auch Aubesetzer. Zwei Tage später war es soweit: Der 19. Dezember 1984 wird zum "Schwarzen Mittwoch": 800 Beamte (darunter Polizeischüler aus Wien und Gendarmen) gerieten mit Tausenden Aktivisten aneinander. 26 Menschen wurden verletzt.

"Ich hatte damals kein gutes Gefühl", sagt ein heute 53-jähriger Polizist den OÖN. "Ich war 23 Jahre und wurde in die Au beordert. Aber die Demonstranten waren doch friedlich. Warum sollten wir Gewalt anwenden?". So dachten aber nicht alle eingesetzten Beamten: "Einigen Kollegen machte es doch sichtlich Spaß, loszuprügeln. Dafür schäme ich mich", sagt der Polizist.

Eskalation begann mit Marsch

Der Beginn der heißen Phase des Konfliktes um den Bau des Kraftwerkes in Hainburg war bereits der 8. Dezember 1984, als die Organisatoren des Konrad-Lorenz-Volksbegehrens einen Sternmarsch in die Stopfenreuther Au durchführten. Mehrere hundert Umweltschützer verbrachten die Nacht im Wald und erzwangen am Morgen des 9. Dezember das Ende der Rodungsarbeiten. Der anschließende Einsatz der Exekutive löste in Österreich Entsetzen aus. Bilder von prügelnden Beamten gingen durch alle Medien, die Aubesetzer wurden zu Helden der Nation.

Der Kampf um Hainburg hatte einen Schirmherrn: Nobelpreisträger Konrad Lorenz griff Politik und Wirtschaft rücksichtslos an. Sein Kommentar: "Die Politiker sind Marionetten in den Händen der Industrie." Hainburg wäre das letzte der Kraftwerke gewesen, das in Österreich an der Donau hätte gebaut werden sollen. Aber Österreich wurde verändert: Die Ökologie-Bewegung zwang Politik und Wirtschaft in die Knie. Das Donaukraftwerk wurde nie errichtet.

Bundeskanzler lenkte ein

Der Konflikt um Hainburg fiel in eine Zeit energiepolitischer Diskussionen. 1978 endete in Österreich mit der Volksabstimmung über Zwentendorf die Ära der Kernenergie, der Trend ging wieder in Richtung Wasserkraft. Aber nicht nur Umweltschützer gingen auf die Barrikaden. Auch Befürworter des Kraftwerkes, vorwiegend Sozialdemokraten und Gewerkschafter, formierten sich zu einer Großdemonstration in Wien.

Trotz klirrender Kälte harrten die Demonstranten auch nach dem 19. Dezember aus. Am 21. Dezember verkündete Bundeskanzler Fred Sinowatz einen "Weihnachtsfrieden" und verordnete dem Land eine Nachdenkpause, die praktisch das Ende des Kraftwerkes bedeutete.

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