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Chronik

"Die Leute laufen scharenweise davon"

Von Eike-Clemens Kullmann   05. Dezember 2018 00:04 Uhr

"Die Leute laufen scharenweise davon"
Karl Gruber

SALZBURG. "Airchief" Karl Gruber geht in Pension – er drängt auf rasche Entscheidungen in der Luftraumüberwachung.

Das Heer braucht rasch eine Entscheidung über die Zukunft der aktiven Luftraumüberwachung. Darauf drängt "Airchief" Karl Gruber im OÖNachrichten-Interview. Der Generalmajor ist mit Ende November in Pension gegangen.

OÖNachrichten: Die Luftraumüberwachung ist Sorgenkind der Landesverteidigung. Jedenfalls, wenn es nach einigen Politikern und Teilen der Bevölkerung geht – Stichwort Eurofighter.

Karl Gruber: Die Luftstreitkräfte werden oft als die große Budgetbelastung hingestellt. Einer ehrlichen Berechnung hält dieser Vorwurf aber nicht stand. Was die Investitionen betrifft, müssten die Landstreitkräfte eher Thema sein. Das Heer war in den vergangenen Jahrzehnten leider immer unterdotiert – die Auswirkungen zeigen sich etwa beim schlechten Zustand der Kfz-Flotte oder den Kasernen. Das Hauptproblem bei den Luftstreitkräften war, dass man es verabsäumt hat, eine politische Entscheidung zu treffen.

Sie meinen die Entscheidung über die Eurofighter "Typhoon" und wohl auch die Nachfolge der Saab 105 OE in Hörsching?

Bei den Luftstreitkräften sind mehrere Entscheidungen nötig. Am dringendsten ist aber sicher jene für die aktive Luftraumüberwachung. Diese kann aber nicht das Heer, die muss die Politik treffen.

Die Frage dabei scheint zu sein: Wie können wir die Kosten insgesamt senken.

Eine Kostensenkung ist hier nicht absehbar. Wenn nicht bald etwas passiert, ist dagegen eines absehbar: Wir werden dahinwurschteln, für die Eurofighter aber immer weniger Flugstunden haben.

Wie schaut derzeit die Verteilung der Flugstunden aus?

Derzeit wird die Luftraumüberwachung zu 60 Prozent von den Eurofightern übernommen, zu 40 Prozent von den Saab 105 OE. Fällt diese bald komplett weg und gibt es keinen Nachfolger, dann wird es ganze Tage ohne aktive Luftraumüberwachung geben. Was komplett gegen den Trend in Europa ist, wo man rund um die Uhr eine Luftraumüberwachung sicherstellen will. Die Schweiz etwa will diesen Plan in zwei Jahren umsetzen.

Was sind Ihre Wünsche für die Zukunft der österreichischen Luftstreitkräfte?

Es gibt in zwei Bereichen dringenden Handlungsbedarf. Neben der Flottenentscheidung bei der aktiven Luftraumüberwachung braucht es einen neuen, leichten Mehrzweckhubschrauber als Nachfolger für die Alouette III sowie die OH 58 "Kiowa". Hier sind zukunftsträchtige Lösungen nötig. Das heißt: Die Fähigkeiten müssen erhalten oder bestenfalls erweitert werden und nicht reduziert. Als Zweites: In den nächsten Jahren geht rund ein Drittel des Personals in Pension. Zudem laufen auch die jüngeren Leute scharenweise davon. Wir müssen daher auf dem Jobmarkt attraktiver werden. Wir brauchen nicht nur Piloten, das Personalproblem ist bei den Flugsicherern (Air Traffic Control) noch viel größer. Vor allem für die Jungen ist dringend ein vernünftiges Zulagensystem erforderlich.

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