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Steyr

Franz Brunner: Alles wird anders. Wird alles anders?

07. April 2020 12:33 Uhr

Franz Brunner
Franz Brunner

STEYR. Der furchtlose Steyrer Franz Brunner macht heute beim "Würzigen WortWechsel" den Auftakt. Am Donnerstag folgt seine Schreibfreundin Astrid Miglar.

Franz Brunner: Alles wird anders. Wird alles anders?

Ein weiser Mann aus dem Ennstal sagte dereinst: "Ned vorfiachtn!" Was er damit meinte? Die Dinge erstmal mit einer gesunden Mischung aus Gelassenheit und Aufmerksamkeit herankommen lassen, und wenn's dann pressiert, entschlossen reagieren. Und recht hat er, der Ennstaler.

Zugegeben, es war kein berühmter Philosoph, der diese Weisheit kundtat, sondern der Werner war's, der Ideentischler. Für mich die personifizierte Zuverlässigkeit und seines Zeichens erfolgreicher, zudem nicht minder sympathischer Unternehmer. Und es war auch nicht dereinst, sondern vor etwa vier Wochen, also kurz bevor der Virus uns mit großer Keule erwischte. Seither geht es mir besser, vor allem viel besser mit mir selbst. Wie oft habe ich mich dabei ertappt, mich auf Gespräche, meist unangenehme oder gar Streitgespräche, vorzubereiten, die dann gar nicht stattfanden. Oder völlig anders verliefen, als ich sie mir vorstellte. "Ned vorfiachtn!" Eine einfache und vielleicht gerade deswegen sehr alltagstaugliche Weisheit.

Die Welt danach. Wie wird sie, was wird sich ändern? Vieles, meinen die einen, alles meinen die anderen, nur wenig meinen die dritten. Meine bescheidene Meinung? Der Mensch ist kein Elefant. Was das mit Corona zu tun hat? Also, der Mensch hat kein Gedächtnis wie ein Elefant, der Mensch vergisst sehr rasch. Dem Elefanten wird nachgesagt, dass er, vor allem wenn ihm Schlimmes widerfährt, sich auch nach Jahrzehnten noch daran erinnert. Wie das beim Menschen ist? Anders, leider ganz anders. Man denke nur an die grauenhafte Zeit des NS-Regimes und beobachte, wie damit heute rundum umgegangen wird. Schlechte Erinnerungen, ausradiert durch schlechtes Erinnerungsvermögen. Eine kluge Frau formulierte das eleganter: "Die Geschichte lehrt dauernd, sie findet aber keine Schüler." Ingeborg Bachmann war es, die großartige österreichische Schriftstellerin. Wie recht sie leider hat, und nach Corona wird sie neuerlich bestätigt werden. Das wird richtig peinlich für uns.

Doch halt, ein bisschen liegt es schon auch an uns, ob sie wirklich recht hat. Machen wir es ihr nicht zu leicht, zeigen wir ihr posthum, dass unser Gedächtnis gar nicht so schlecht ist, dass wir ein bisschen was von einem Elefanten haben. Kraft, Stärke, Ausdauer und ein gutes Erinnerungsvermögen, um dann dank unserer Erfahrungen die richtigen Entscheidungen zu treffen. Ohne Angst, aber mit dem gehörigen Respekt. Also bitte: Ned vorfiachtn!

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