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Steyr

Brunners würziger WortWechsel

25. Mai 2021 12:58 Uhr

Bundeshymne
2005: Der Text der Bundeshymne soll geändert werden, fordert Frauenministerin Maria Rauch-Kallat (ÖVP). Der Vorschlag scheitert. 2012 werden schließlich die "Töchter" in die Hymne aufgenommen.

STEYR. WortWechsel-Autor Franz Brunner war in längst vergangenen Tagen auch Sportler, das sogar in vielen verschiedenen Disziplinen. Daher kennt er sich wohl auch aus damit, wenn er Bürger gleich welchen Geschlechts dazu auffordert, in ihrer Rolle vom Zuschauer zum Schiedsrichter zu wechseln. Warum? Es geht um Tröge, aber lesen Sie selbst.

Von Hymnen, großen Männern und Heldinnen.
Um Missverständnisse im Keim zu ersticken: Ich liebe dieses Österreich und ich mag unsere Bundeshymne. Und ich halte auch was von Heimat, obwohl die br…., Verzeihung, die blaue Fraktion sich diesen Begriff gerne auf ihre Fahnen heftet. Allerdings hat der Text Verbesserungspotenzial, und ich meine jetzt nicht die Sache mit den Söhnen und Töchtern, da mische ich mich nicht ein.

Es geht um die Größe, von der hier geschwärmt wird. Ich mag da gar nicht mehr mitträllern, denn von einer Heimat großer Söhne zu singen kann ich angesichts des Auftretens mancher Politiker im Lande nicht ganz nachvollziehen. Es sei denn, die Körpermaße der Herren sind gemeint. Immerhin ist der Kurz mit 1,86 m gar nicht namenskonform gewachsen. Dass der Strache, so Sie sich an diesen Namen erinnern, genauso groß ist, tut nichts zur Sache, ist aber nicht zwingend ein gutes Omen. Der Kickl kann in der Hymne schon gar nicht gemeint sei, denn weder seine Abmaße (1,72 m) noch seine politischen Ansichten deuten auf besondere Größe hin. Wie groß der Kogler ist, war nicht zu erfahren, und so richtig gezeigt hat er's bisher ebenfalls nicht, der verträgt einen kleinen Wachstumsschub. Welche Söhne sind dann in der Bundeshymne gemeint? Besingt man da nur die verdienten Veteranen vergangener Tage? Sind's vielleicht doch die Töchter, die momentan mehr Größe zeigen?

Franz Brunner
Franz Brunner

Bevor Sie fraktionsübergreifend über mich herfallen, ich bin’s natürlich auch nicht, der im patriotischen Lied gepriesen wird. Zum einen gab’s mich zum Zeitpunkt der Textverfassung nicht, und zum anderen entspreche zwar mit 1,78 m exakt dem österreichischen Durchschnitt, so richtig groß bin ich daher nicht, um gleich eine Hymne zu rechtfertigen. Da gäb’s ganz andere Eigenschaften an mir, die nennenswert sind. Und trotzdem gibt es sie im Lande, die großen Töchter und Söhne. Rundum kann man sie finden, wenn die Perspektive stimmt. Es sind die, die in der Pandemie die Knochenarbeit leisten, die an der Front stehen und dafür sorgen, dass die Sache nicht noch schlimmer wird. Die verdienen unseren Respekt, die dürfen wir vorbehaltlos und dankbar besingen.

Erst am vergangenen Samstag war's, zu beobachten im Steyrer Krankenhaus während meines Rettungsdienstes. Ob die Damen am Empfang, die ungeduldigen und corona-müden Besuchern zum gefühlt 100-sten Mal freundlich dieselbe Geschichte erzählen, oder die Pfleger und Pflegerinnen auf den Stationen, die permanent FFP2-maskiert trotzdem mit lachenden Augen geschäftig durch die Gänge wuseln, die alle würde ich umgehend in unserer Hymne verewigen.

Ganz anders läuft's derzeit in der Politik, bei unseren gewählten Vertretern sucht man sympathische Züge zurzeit vergeblich. Die haben andere Probleme, vor allem mit ihrer Glaubwürdigkeit. Mehr und mehr frage ich mich, ob's da wirklich noch um uns geht, um den Otto Normalverbraucher und seinen Anhang. Ob nicht der Drang zum Futtertrog schon so groß ist, dass man jegliche Moral hintanstellt. Hauptsache, man ist vorne dabei. Ekelhaft, diese ständige Quer- und Sonst-wohin-Schießerei, die viel Energie bindet, die wir aber zum Bewältigen der aktuellen Probleme dringend bräuchten. Konstruktive Auseinandersetzung mit Sachthemen, gegenseitiges Vertrauen und Handschlagqualität, das alles ist der Politik der letzten Jahre abhandengekommen. An Vorbildwirkung und moralische Ansprüche mag ich gar nicht denken, das sind lediglich fromme Wünsche wie Weltfrieden und Schnee zu Weihnachten in Zeiten des Klimawandels. 

Kennen Sie Herrn Pareto, also das von ihm beschriebene Pareto-Prinzip? Es besagt im Wesentlichen, dass man mit 20 Prozent der Energie, die man in seine Arbeit steckt, 80 Prozent der Aufgaben erledigen kann. Wenn man's richtig macht und die Prioritäten entsprechend setzt. Bleiben demnach 80 Prozent Energie für die restlichen 20 Prozent der Herausforderungen. Da stimmt doch die Kosten-Nutzen-Rechnung für die Herrschaften am Trog nicht, so lassen Sie's lieber und führen stattdessen politische Kleinkriege. Auf der Strecke bleibt der Bürger, dem nur mehr die Rolle des lästigen, verzichtbaren Wählers zufällt. Vernünftig und fair? Welcher Schiedsrichter soll die Fouls pfeifen? Wir sind's, die es in der Hand haben und die Übeltäter zu gegebener Zeit vom Spielfeld und vom Trog verweisen könnten.

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