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Steyr

Astrid Miglar: Meine Berührungsliste

25. Juni 2020 10:22 Uhr

Würzige Wortwechsel: Zwei Autoren schreiben ab heute online
Astrid Miglar aus Reichraming (privat)

REICHRAMING. In ihrem heutigen Beitrag der "würzigen Wortwechsel" sinniert Astrid Miglar darüber, wer auf ihrer persönlichen Berührungsliste Platz finden würde. Und startet dabei bei Daniel Craig, driftet zu Roger Rabbit ab und landet schließlich bei Dracula.

Meine Berührungsliste: 007, ein Vampir & ein Pharao
Meine Berührungsliste ist eine Liste ohne Hintergedanken und wurde nicht erfunden, weil ich jemanden antatschen will. Nein, gar nicht. Ich schwöre. Obwohl der Gedanke plötzlich reizvoll wird. An dieser Stelle muss ich gestehen, dass es eine übergriffige Liste dieser Art in meinen wohlerzogenen Bürounterlagen nicht gibt. Noch nicht. Allerdings lässt sich der Einfall nicht mehr beiseite wischen. Hartnäckig hat er sich in meinem Hirn festgesetzt und lenkt mich ab. Ich gebe nach. Opfere ein bisschen meiner Zeit für Hirngespinste. Niedergeschrieben in einer Übersicht, die keiner kennen darf.
Ist es nicht eine wunderbare Idee eine Liste geheimer Natur zu führen?
Und so notiere ich, das bleibt bitte aber unter uns, zuallererst Daniel Craig. Alle weiblichen und auch manche männlichen James Bond-Fans dürfen jetzt mit mir um die Wette seufzen und sich an die Farbe der berühmten Badehose aus Casino Royal erinnern. Ich stimme Mister Craig übrigens uneingeschränkt zu, der in einem Interview feststellte: „Ich werde die nie wieder anziehen.“ 
An dieser Stelle zucke ich mit den Schultern, grinse übermütig und empfehle: „Dann zieh die Badehose halt nicht an Daniel. Die war eh‘ so eng. Das ist sicher nicht gesund und – ehrlich James, ähm Daniel – ich könnte damit leben, wenn du sie weglässt.“
Ich rufe mich zur Ordnung. Etwas mehr Konzentration bitte! Es geht um eine Liste und nicht um Wollüste.
An nächster Stelle folgt Ramses II, von Beruf Pharao, der unter Umständen unter meinen prüfenden Blicken zerbröseln wird, wogegen die Ägyptische Altertümerverwaltung sicherlich Einwände hat. Ob die Altertümerverwaltung gegen meine Craig’schen Berührungsversuche etwas einzuwenden hätte? Vermutlich nicht, denn Daniel ist im Vergleich zu Ramses II durchaus solide – well, well – gebaut und zudem nicht Ägypter und somit auch nicht deren Verantwortlichkeit unterworfen. Inshallah! 
Bevor ich noch über weitere Namen auf meiner Liste nachdenke, gilt für die kommenden Leseminuten: Keine Angst vor Übergriffen. Das geht, es sei an dieser Stelle beruhigend erwähnt, via Online-Medien ohnehin furchtbar schlecht.
Es gibt unzählige Varianten von Berührungslisten, die vermutlich in vielen Gehirnen herumgeistern. Mehr oder minder bewusst. Mehr oder minder üppig. Bescheiden. Hochtrabend. Schräg. Vor allem aber völlig unterschiedlich zu meiner Liste. 
Meine nachfolgende, deutlich seriösere Auflistung enthält persönliche Glücksmomente. Es ist eine Liste, die anregen soll, über das Glück von Begegnungen nachzudenken, denn es braucht nur wenig, um schöne Erinnerungen auferstehen zu lassen und Wohlgefühl zu schaffen. Vielleicht regt meine Liste zum Nachdenken an oder animiert zu heftigem Kopfschütteln, wodurch immerhin Bewegung ins Spiel kommt. 
Daher: Here it is: Meine offizielle, völlig keimfreie Berührungsliste, unvollständig und aus einer Laune heraus entstanden!
Die kürzlich ausgesprochene Einladung an einem FreeDance-Kurs teilzunehmen. Darüber habe ich schon eine Weile nachgedacht, jedoch kein Wort über meinen Wunsch verloren. Plötzlich trudelt eine Freundin ins Haus und lädt mich zum Mitmachen ein. Kann Sie etwa Gedanken lesen? Wenn ihr also demnächst jemanden in Steyr auf einer schönen grünen Wiese herumhopsen seht, der ein bisserl eigenartig wirkt, womöglich so, als hätte er etwas Grasartiges zu sich genommen: Das bin ich! 
Die Erinnerung an meinen aller-aller-allerersten Urlaub. Italien 1990. Auf der Suche nach einer leistbaren Unterkunft – die örtliche Jugendherberge war übervoll – spontan von Gleichaltrigen in ein Auto gepackt, in rasender Schnelligkeit und in einem völlig überladenen Kleinwagen (Fiat, è logico) in ein günstiges Hotel verfrachtet zu werden. Unter Gelächter und keinem einzig verstandenen Wort gut angekommen zu sein. Viele Jahre später habe ich aufgrund dieser schönen Erinnerung Italienisch gelernt. Ich kann es zumindest so gut, dass ich nicht verhungern oder verdursten muss und immer ein Bett zum Schlafen finden werde.
Tutto accade per un motivo. Nichts passiert ohne Grund.
Am frühmorgendlichen Weg zur Arbeit verblüfft feststellen, dass Frau tatsächlich hellwach ist. 
Mein Lieblingsgetränk mit den Worten „Einen Gin für die Queen!“ serviert bekommen, was zu herzhaftem Gelächter führt. Sowohl seitens des Überbringers, der bereits beim Servieren schmunzeln muss, als auch meinerseits, weil dieser Satz einfach herrlich charmant ist. 
Bewusst einen schweren Rechtschreibfehler in einem Text unterbringen und gespannt darauf warten, wem der Fehler zuerst auffällt, und wie mir – mehr oder weniger schonend – beigebracht wird, dass mein Schreibfehler nicht mit neuer deutscher Rechtschreibung vereinbar sei. Beim besten Willen nicht. Echt wirklich echt nicht. Echt.
Spaßeshalber getestet am schönen Wörtchen „scharmant“, aber nicht in diesem Text.  
Und jetzt?
Jetzt denken Sie vielleicht darüber nach, was auf Ihrer persönlichen Berührungsliste stehen wird.
Und ich?
Ich bleibe jetzt noch sitzen und schreibe auf, wer unbedingt noch auf meiner streng geheimen Berührungsliste stehen muss. Dabei schiebe ich die Zunge zwischen den Zähnen vor und beiße vor Aufregung fast d’rauf. Erfüllt von diebischer Vorfreude und beinahe grenzenlosem Übermut kritzle ich…
…Peggy Guggenheim hätte ich gerne einmal umarmt. Zu spät. Womöglich werde ich ihr Grabmal in Venedig umarmen, solange Venedig noch nicht untergegangen ist. 
…Bruce „Yippie-ya-yeah Schweinebacke“ Willis. Bruce stirbt mir nicht so schnell weg, der stirbt bekanntlich langsam. 
…Rudi, falsch, Roger Rabbit treffen. Miss Marple und Hercule Poirot auch. Oder sollte ich doch eine archäologische Grabung anstrengen, um Agatha Christies Gebeine ehrfürchtig betrachten zu können?
…Vlad Tepes, von Bram Stoker in Dracula verwandelt. Ja, das blutsaugendende Beißerchen muss auf jeden Fall auf meine Liste. Die Chancen auf ein Treffen stehen gut, denn Vampire leben beinahe ewig.
Ich klinke mich jetzt aus, denn auf meiner Liste ist noch längst kein Ende in Sicht…
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