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Linzer Straßen

Zwischen Nachtleben und ein bisschen Hochkultur

19. Januar 2015 17:06 Uhr

foto: VOLKER WEIHBOLD hofgasse linz

Fortgehen: Die Altstadt hat sich zum Positiven verändert, doch in der Hofgasse gibt es noch die Hard-Core-Beislszene.

  • Fortgehen: Die Altstadt hat sich zum Positiven verändert, doch in der Hofgasse gibt es noch die Hard-Core-Beislszene 
  • Wohnen: Weitsichtige Investoren haben fast leerstehende Häuser saniert und vermieten Wohnungen vor allem an Kreativmenschen

Hofgasse

Wer über die Hofgasse schreibt, muss auch von Hochkultur berichten.  Denn im Haus Hofgasse 14 nächtigte Leopold Mozart im Jahre 1762 mit seinem sechsjährigen Sohn Wolfgang Amadeus, als dieser erstmals in Linz auftrat. Und oben im Haus Hofgasse 23, fast schon beim Schloss, war die Landschule. Hier wurden auch Komponist Anton Bruckner (1824 – 1896) und Dichter Rainer Maria Rilke (1875 – 1926) unterrichtet.

Doch unten zwischen Hauptplatz und Hofberg wogt am Wochenende das harte Nachtleben. Die Altstadt ist durch Haussanierungen von Investoren wie dem Milch-Industriellen Walter Mayer zwar wieder als Wohngebiet für kreative Menschen interessant geworden. Doch die Beislszene in der Hofgasse ist fast unverändert seit den Achtzigerjahren. Damals durften noch Autos durch die Hofgasse fahren, Prostituierte warteten hier auf Kundschaft. Seit 1988 ist die Gasse Fußgeherzone. Geändert hat sich seither auch das Alter der Lokal-Besucher. Viele, die hier dem Alkohol zusprechen, sind noch nicht volljährig. Anders ist auch das Corretto. Das war vor 30 Jahren Treffpunkt von Künstlern und Medienleuten. Heute hat die Polizei wegen Drogenkonsums einen scharfen Blick drauf.

Gleich daneben, im Barok België, gibt es wunderbares Bier zu verkosten. In den Siebzigerjahren war hier das "Jörg & Ulli" und in dessen Keller das Lokal des Linzer Jazzklubs. Dort spielten Bands von Weltrang wie John Surmans Trio.

Interessantes zur Hofgasse

  • In ihrem Laden „records and more“ laden Willi Buchmayr und Markus Meyr zum Stöbern ein, und zwar
    durch 13.000 LPs und 5000 Singles. In der Hofgasse 7 kommen Schallplatten-Liebhaber auf ihre Kosten.
  • Ab dem vollendeten 14. Lebensjahr dürfen Jugendliche die Altstadt auch in der Nacht besuchen. Laut oberösterreichischem Jugendschutzgesetz ist es dann erlaubt, bis Mitternacht unterwegs zu sein.
  • Mit vier Videokameras wird die Altstadt mittlerweile überwacht. Das Innenministerium hatte sich für die Maßnahme entschieden, nachdem es immer wieder zu Gewalttaten in der Altstadt gekommen war.
  • MAIZ: Vor bald 20 Jahren gründeten drei Brasilianerinnen den Verein von und für Migranten, der sich mittlerweile an drei Standorten für Angelegenheiten von migrantischen Frauen einsetzt. Außerdem werden in der Hofgasse 11 Jugendliche auf ihren Hauptschulabschluss vorbereitet (siehe Foto) und Alphabetisierungskurse abgehalten.
  • Asfalt: Bei Nachtschwärmern ist die Bar Asfalt in der Hofgasse 12 beliebt. Doch auch untertags finden sich hier Gäste, die in dem Lokal, das im Stil der 70er-Jahre gehalten ist, in Ruhe ein Seiterl Bier trinken und Zeitung lesen. Öffnungszeiten; Montag bis Samstag 11–4 Uhr, Sonn- und Feiertag 17–4 Uhr.
  • Jazzer von Weltrang: John Surman spielte in den Siebzigerjahren mit seinem Trio im Keller des Hauses Hofgasse 14.

Vanilli

Das Lokal, das auch ein eigenes Lied hat

Unscheinbar wirkt das Vanilli von außen. Dabei verbirgt sich hinter den Türen in der Hofgasse 8 ein wahres Kultlokal der Altstadt.

"Wenn man früher fortgegangen ist und die anderen Lokale schon zugesperrt haben, ist man ins Vanilli gegangen", sagt ein ehemaliger Stammgast. Denn in den 1980er-Jahren und auch darüber hinaus wurde in dem Club nicht selten bis in den Nachmittag hinein gefeiert.

Dass es das Lokal gibt, ist Franz Wagner zu verdanken. Die Linzer Gastronomie-Legende eröffnete das Vanilli am 25. November 1982. Bei der Einrichtung ließ er sich von Bars und Clubs aus anderen Städten inspirieren. Wagners Konzept hatte rasch Erfolg. Nicht nur Nachtschwärmer aus Linz und Umgebung feierten gerne im Vanilli, auch prominente Schauspieler, Sänger und Sportler kamen auf einen Absacker hierher. Gesehen wurden unter anderem Falco, Herbert Grönemeyer, Ottfried Fischer und Hermann Maier.

Besonders gut dürfte es dem Sänger Roger Chapman gefallen haben. "Er hat uns dann ein Lied gewidmet", sagt Harry Katzmayr, der damals Geschäftsführer im Vanilli war. "Sweet Vanilla" hat Chapman den Song genannt. Dieser handelt von einem Mann, der einen Abend in einer Bar verbringt. "Oh sweet vanilla, what a winner you are", heißt es im Refrain. Im Vanilli selbst musikalisch aktiv waren verschiedene DJs. Regelmäßig aufgelegt hat hier Peter Binder, der heutige Landesgeschäftsführer der SP.

Lokal 2008 verkauft

Mittlerweile hat sich in dem Lokal einiges geändert, nicht zuletzt der Besitzer. 2008 kaufte Wolf-Dieter Holzhey, der neben seiner Tätigkeit als Gastronom auch noch als LASK-Präsident und als Privat-TV-Macher aktiv ist, das Vanilli.

Auch unter seiner Führung erfreut sich der Club noch großer Beliebtheit, auch wenn heute nicht mehr ganz so lange wie früher gefeiert wird.

Altstadt

Interview

Interview mit Walter Mayer

Der Unternehmer Walter Mayer wohnt und arbeitet in der Hofgasse: Im Dachgeschoss seines Hofgassen-Hauses wohnt Mayer mit seiner Ehefrau, im dritten Stock steuert er sein internationales Milchprodukte-Unternehmen. Mayer gehören fünf Altstadthäuser, darunter das prächtige Apothekerhaus.

  1. Seit wann und warum leben Sie in der Linzer Altstadt?


    Seit 2006. Meine drei Kinder sind erwachsen, also brauche ich keine Grünflächen mehr in der Nähe. In der Altstadt erreiche ich alles Lebensnotwendige und auch Gastlokale zu Fuß. Am Wochenende bin ich schon im Grünen. An den Wochentagen gehe ich aber einfach einen Stock hinunter in mein Büro. Im Verkehrsfunk höre ich dann, wie es an den Linz-Einfahrten staut.
  2. Wie hat sich die Altstadt seit 2006 verändert?


    Die Altstadt hat sich stark verändert. Durch die Sanierung der Häuser sind an die 400 Menschen neu hierher gezogen, darunter viele Freiberufler, Kreative. Als Investor braucht man Geduld, um für die Geschäfte gute Mieter zu finden und nicht den nächstbesten zu nehmen.
  3. Was braucht die Hofgasse, die sich ja nicht besonders geändert hat?


    Mehr Tagesfrequenz. Geschäfte, die in ein stimmiges Konzept passen wie etwa Kunsthandwerkliches und Kreatives. Da kann man zum Start auch bei der Miete entgegenkommen.
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