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Innviertel

"Aka": Rieds einziger Torschütze im Nationalteam

Von Thomas Streif  28. Januar 2022 05:48 Uhr

"Aka": Rieds einziger Torschütze im Nationalteam
Akagündüz nach seinem 2:0-Treffer gegen Weißrussland im Oktober 2002

RIED / DORNBIRN. Neue OÖN-Serie über ehemalige SVR-Kicker startet mit Stürmer Muhammet Akagündüz

12. Oktober 2002, die österreichische Fußball-Nationalmannschaft liegt im EM-Qualifikationsspiel gegen Weißrussland mit 1:0 in Führung. In der 75. Minute wird Muhammet Hanifi Akagündüz für Roman Wallner eingewechselt. Es ist der erste Länderspieleinsatz des damaligen Stürmers der SV Ried, in der 89. Minute staubt Akagündüz nach einem Schuss von Andreas Herzog zum 2:0-Endstand ab. Ein aus SV-Ried-Sicht historischer Treffer: Es ist das bislang einzige Tor eines SV-Ried-Spielers für die Nationalmannschaft. Trotz 22 Jahren in der Bundesliga sind bisher erst vier SV-Ried-Spieler für das Nationalteam aufgelaufen: Akagündüz, Stefan Lexa, Sanel Kuljic und Daniel Royer.

Vor einigen Wochen wurde der heute 44-Jährige als neuer Cheftrainer von Zweitligist Dornbirn vorgestellt, das Ziel: der Klassenerhalt. Für Akagündüz, der im Kindesalter mit seiner Familie von der Türkei nach Wien kam, ist es die erste Trainerstation im Profifußball. In den vergangenen zehn Jahren war der ehemalige Stürmer Trainer von mehreren Akademie-Nachwuchsmannschaften bei Rapid Wien.

Der Wechsel zur SV Ried im Sommer 2000 sei für ihn die letzte Chance im Profibereich gewesen. Zuvor war er von Austria Wien, wo er in der Kampfmannschaft keine Berücksichtigung fand, mehrfach an Zweitliga-Vereine verliehen worden. Ansonsten spielte er meistens bei der zweiten Mannschaft der Austria in der Wiener Liga. "Helmut Slezak (der damals Sportdirektor in Ried wurde, Anm. d. Red.) hat mich damals mehr oder weniger von der Austria ins Innviertel mitgenommen", sagt Akagündüz. Gleichzeitig wechselte der damalige Ried-Trainer Heinz Hochhauser zur Wiener Austria.

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Jubel mit Oliver Glasner

Akagündüz als Torjäger

Die (kostenlose) Verpflichtung von Akagündüz machte sich für die Rieder sofort bezahlt: Es dauerte lediglich 16 Minuten, bis "Aka" im ersten Saisonspiel gegen Bregenz zur 1:0-Führung traf. Es folgten vier weitere Tore in den folgenden fünf Spielen. Diese brachten ihm noch im Sommer die erstmalige Einberufung ins Nationalteam ein.

"Das muss man sich einmal vorstellen: Drei Monate zuvor war ich kurz davor, aufzuhören, um mich auf mein bereits begonnenes Medizinstudium zu konzentrieren, und plötzlich habe ich den Anruf des Teamchefs erhalten. Wenn mir Ried nicht diese Chance geboten hätte, wäre das alles unmöglich gewesen", sagt Akagündüz.

"Ich erinnere mich gerne an die Zeit in Ried zurück. Ich habe damals in einer Wohnung in einem Haus einer älteren Dame gewohnt. Die Frau hat mir die Eingewöhnungsphase sehr erleichtert", erinnert sich der zehnfache Nationalspieler zurück an seine erste Zeit in Ried, die leider mit einem sportlichen Tiefschlag zu Ende ging.

In der Saison 2002/2003 lagen die Rieder zur Winterpause noch auf dem vierten Platz, danach folgte ein kaum für möglich gehaltener sportlicher Einbruch, der am letzten Spieltag im Abstieg in die zweite Liga gipfelte. "Das war sehr belastend, denn wir Spieler wurden schließlich vom Verein bezahlt, und wir waren für den Abstieg hauptverantwortlich. Zum Glück hat es der Verein, wie schon so oft, geschafft, sich wieder gut aufzustellen. Man kann nur den Hut ziehen vor den Leuten, die hier arbeiten", sagt Akagündüz, der von der SV Ried nach dem Abstieg zweimal an Vereine in der Türkei verliehen wurde.

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Akagündüz war wegen seiner Antrittsstärke gefürchtet.

Große Ziele als Trainer

Im Sommer 2005 wechselte Akagündüz schließlich zu Rapid. Mit den Wienern spielte er in der Champions League. "Die Champions-League-Hymne zu hören, das ist sicher für jeden Fußballer etwas ganz Besonderes. Das würde ich natürlich auch irgendwann gerne einmal als Trainer. Man sollte sich immer große Ziele setzen, um so weit wie möglich zu kommen", sagt der Neo-Dornbirn-Trainer im OÖN-Gespräch.

Zweiter Wechsel nach Ried

In der Saison 2007/2008 wechselte er von Hellas Verona (Italien) noch einmal zur SV Ried. Der Stürmer, der bei den Verteidigern vor allem wegen seiner Schnelligkeit gefürchtet war, erzielte vier Tore und lieferte fünf Torvorlagen, ehe er im Sommer 2008 noch einmal in die Türkei wechselte.

2010 beendete er seine Spielerkarriere nach zwei Kreuzbandrissen im Trikot von Admira Wacker. "Aus gesundheitlichen Gründen war dieser Schritt absolut richtig. Ich hatte eine schöne Karriere mit einigen Auslandsstationen und habe viel erlebt", sagt Akagündüz, der hobbymäßig nach wie vor kickt. "Für 44 kann ich mich noch ganz gut bewegen, und mein früher gefürchteter Haken funktioniert noch immer, wenn auch in einer anderen Geschwindigkeit", sagt Akagündüz und lacht.

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Nach zwei Kreuzbandrissen innerhalb kurzer Zeit beendete Akagündüz (damals bei Admira Wacker) im Jahr 2010 seine erfolgreiche Karriere.

Stationen einer Karriere

Muhammet Akagündüz bestritt in seiner Karriere die meisten Pflichtspiele (124) für die SV Ried, wo er von 2000 bis 2003 und von 2007 bis 2008 spielte. Weitere Stationen des Stürmers, der verheiratet und Vater von zwei Kindern ist: Der 44-Jährige spielte unter anderem noch für Rapid, Austria Wien, St. Pölten, Admira Wacker, Konyaspor, Manisaspor, Kayserispor und Hellas Verona.

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Artikel von

Thomas Streif

Lokalredakteur Innviertel

Thomas Streif

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