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Innviertel

"Es ist skurril, dass jetzt ausgerechnet die rechte Szene Oberösterreichs aufschreit"

Von Thomas Streif   21. März 2014 00:04 Uhr

"Es ist skurril, dass jetzt ausgerechnet die rechte Szene Oberösterreichs aufschreit"
Thomas Rammerstorfer.

RIED/WELS. Das YouTube-Video "Meine Stadt Ried", in dem großteils türkischstämmige junge Rapper mit Luxuskarossen und Waffen zu sehen sind, ist nach wie vor heftig umstritten.

Aber auch die Facebook-Seite "Unsere Stadt Ried" stößt bei vielen Riedern auf Ablehnung. Der stellvertretende Vorsitzende der Welser Initiative gegen Faschismus, Thomas Rammerstorfer (37), kennt sich, wie er im OÖN-Interview betont, sowohl in der Szene der türkischen als auch der österreichischen Extremisten aus. Er ist unter anderem Mitautor des Buches "Grauer Wolf im Schafspelz".

 

OÖN: Was haben Sie sich gedacht, als Sie das Video zum ersten Mal gesehen haben?

Thomas Rammerstorfer: Naja, ich war jetzt nicht so überrascht, da ich wusste, dass es in Ried eine Gruppierung der Grauen Wölfe gibt. Es gibt auch eine organisierte Vereinsstruktur. Diese Organisation ist aber nicht verboten und wird auch in den Berichten des Verfassungsschutzes so gut wie gar nicht erwähnt. Die Größe der Szene würde ich in Ried auf einige Dutzend Personen schätzen.

Was wollen die jungen Männer mit der Veröffentlichung dieses Videos ausdrücken?

Es ist eine Mischung aus Rap-Imponiergehabe und diversen Männlichkeitsphantasien, die mit dem Herumfuchteln der Waffen unterstrichen werden. Was noch hinzukommt, ist die Verwendung eindeutiger politischer Symbole, wie der drei Halbmonde, die als Symbol der Grauen Wölfe und der faschistischen türkischen MHP-Partei gelten. Was ich in diesem Videobeitrag skurril und schon fast lustig finde, ist, dass die jungen Männer einen Hund quasi als Wolf präsentieren. Hunde haben in der Türkei einen extrem niedrigen Stellenwert und es gibt kaum ein schlimmeres Schimpfwort als "Hund".

Ihre Meinung über die Facebook-Seite "Unsere Stadt Ried"?

Die Parole "Ried den Riedern" finde ich schon mehr als bedenklich und auch etwas absurd, denn ich schätze, dass die meisten der Rapper, wie auch viele andere Migranten, in Ried aufgewachsen sind und hier leben. Hier wird ein nationalkonservatives Weltbild konstruiert. Ich möchte aber keinesfalls alle, die dieser Gruppe angehören, ins rechte Eck stellen.

Ist es für Sie überraschend, dass ausgerechnet in diesem Fall die Emotionen so hochkochen?

Ich finde es skurril, dass jetzt ausgerechnet die rechtsextreme Szene Oberösterreichs laut aufschreit. Im Grunde genommen ist die Ideologie der Grauen Wölfe nämlich eine ganz ähnliche. Deutsche Neonazis haben in den 1970er-Jahren sogar mit der MHP zusammengearbeitet.

Die Staatsanwaltschaft Ried ermittelt, glauben Sie, dass es zu einer Anzeige gegen die Rapper kommen wird?

Ich kann es mir nicht vorstellen. So weit ich das beurteilen kann, ist es zu keinen strafrechtlich relevanten Handlungen gekommen.

Was sollte man tun, damit sich die Emotionen wieder beruhigen?

Man sollte es nicht überbewerten. Es wäre aber gut, wenn sich die Emotionen wieder beruhigen, um eine weitere Spaltung zwischen den einzelnen Gruppierungen zu verhindern. Man sollte mit den Verantwortlichen der Grauen Wölfe, die in Ried, laut meinem Informationsstand, ein eigenes Vereinslokal haben, Klartext reden.

Wie schätzen Sie die rechtsextreme Szene im Innviertel ein?

Ich glaube, im Bezirk Braunau ist die Szene stärker als in Schärding und Ried. In Braunau kommt es alle paar Wochen zu irgendwelchen Aktionen von Neonazis. Die Innviertler Rechten haben ausgezeichnete Kontakte zu ihren Gesinnungsgenossen in Bayern, wo es eine sehr straffe und militante Szene gibt. Ich beobachte die Entwicklung mit Sorgen.

Hat sich der Rassismus in den vergangenen Jahren verändert?

Ja, auf alle Fälle. Bis zu den Vorfällen am 11. September 2001 hat sich die Ausländerfeindlichkeit vor allem gegen Ost- und Südeuropäer und gegen Afrikaner gerichtet. Mittlerweile richtet sich der Rassismus meist gegen Menschen, die dem Islam angehören. Viele Personen, vor allem türkischstämmige, fühlen sich ausgegrenzt und ziehen sich in ihre eigenen Communities zurück.

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