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Oberösterreich

Die Segler vom Attersee

Von Gerhild Niedoba 03. August 2019 00:04 Uhr

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Bild 1/18 Bildergalerie: Das sind die bekannten Segler vom Attersee

ATTERSEE. Einst waren es vorwiegend reiche Wiener, die die Segel hissten. Wen der gleichmäßige Rosenwind heute auf den Attersee zieht.

Es sind nicht zuletzt die natürlichen Voraussetzungen wie das klare, türkisblaue Wasser, die eindrucksvolle Bergkulisse oder auch der gleichmäßige Rosenwind, die den Attersee seit jeher zu einem der beliebtesten Segelrevieren Österreichs gemacht haben.

Den Beginn machten im 20. Jahrhundert aber nicht die Einheimischen, sondern betuchte Familien aus der Wiener Gegend, die sich an den Seeufern prächtige Ferienvillen errichten ließen. Durch sie fand der um die Jahrhundertwende noch sehr elitäre Segelsport Einzug in das Gebiet rund um den größten See des Salzkammerguts.

Aus diesen bescheidenen Anfängen hat sich längst ein angesehener Breitensport entwickelt, der nicht zuletzt die Maschinerie des heimischen Tourismus ankurbelt. Die Austragung von nationalen und internationalen Segelveranstaltungen, darunter Welt- und Europameisterschaften, zieht bekannte Segler an, darunter auch Größen aus Politik, Wirtschaft und Kultur (s. dazu auch Artikel unten).

Aber auch die Einheimischen selbst entdecken immer mehr ihre Passion fürs Segeln. Sorgen um den sportlichen Nachwuchs gehören der Vergangenheit an. "Wir haben jetzt immer mehr jugendliche Mitglieder zwischen 16 und 25 Jahren, die sehr gerne und oft bei uns im Club sind", sagt Michael Farthofer, Präsident des Union-Yacht-Club Attersee (UYCAs). 1886 von Eugen Freiherr von Ransonnet-Villez gegründet, ist der in der Ortschaft Attersee ansässige Verein der zweitälteste, mit seinen knapp 1000 Mitgliedern (davon 300 Jugendliche) der größte Segelclub Österreichs.

"Zwei Drittel unserer Mitglieder stammen aus Oberösterreich und Umgebung, ein Drittel aus Wien", sagt der gebürtige Kanadier, der selbst mit acht Jahren mit seinen Eltern von Niederösterreich zum Segeln an den Attersee gekommen ist. Inzwischen zählt der Vater zweier erwachsener Kinder und Olympia-Teilnehmer selbst zur Segelelite.

"Beruf spielt keine Rolle"

"Das Bild vom Segeln hat sich in den letzten Jahrzehnten völlig geändert", sagt er: "Der Sport ist heute für eine Familie sicher leistbarer als zum Beispiel das Skifahren." Die Mitglieder des UYCAs seien "ganz breit gestreut", von älteren Herrschaften, "die nicht zuletzt durch ihre teuren Boote noch immer einen elitären Touch haben, bis hin zu Prominenten, die einfach nur in Ruhe segeln wollen und die Kameradschaft genießen. Da spielt der Beruf keine Rolle."

Farthofer nennt "drei Säulen", die den heimischen Segelsport ausmachen würden: Den sportlichen Aspekt, der von der Freizeitaktivität bis hin zur Olympiateilnahme reiche, den gesellschaftlichen Part samt diversen Veranstaltungen und Aktivitäten im Clubrestaurant sowie dem Bewahren alter Traditionen.

 

"Zu der Insel gehört ein Segelboot"

"Zu der Insel gehört ein Segelboot" Florian Leitl, 65, Ex-Geschäftsführer der Leitl-Tochter NAU in Bayern
Entspannte Wettfahrt am Attersee (pr.)

Florian Leitl, 65, Unternehmensberater und Mediator

"Zur Insel gehört ein Segelboot", habe der Vater gesagt, als dieser 1974 die in Seewalchen am Attersee gelegene Insel samt Schloss Litzlberg erstand. "Da hab’ ich das Segeln entdeckt", sagt Florian Leitl.

Mit einem Freund kaufte er eine Sechs-Mann-Rennyacht Asso 99, als dann auch Peter Steinkogler als Steuermann dazustieß. Es folgten 15 Jahre "intensives" Fahren bei Regatten in ganz Europa, ehe 2003 ein Sturm dem Boot und somit auch dem Wettkampf ein jähes Ende setzte. Seit der Pension segelt der nunmehrige Mediator nur noch zum Vergnügen.

 

"Dazu braucht man alle Sinne"

"Dazu braucht man alle Sinne" Peter Neumann, 63, früherer Geschäftsführer Maschinenbau Engel
Sportlicher Einsatz auf der Soling

Peter Neumann, 63, früherer Geschäftsführer Maschinenbau Engel

"Für mich als ehemaliger Manager ist das Segeln optimal, da kann ich komplett abschalten", sagt Peter Neumann. "Dazu braucht man alle Sinne." Schon als Kind sei seine Leidenschaft dafür geweckt worden, doch damals segelte die Familie vor allem auf Kärntner Seen.

Heute zieht der 63-jährige zweifache Staatsmeister als Mitglied im Segelclub Litzlberg den Attersee als Urlaubsdomizil vor, wo er gerne an Regatten teilnimmt oder nun auch seine Zwillings-Enkel mitführt. Aber auch Törns auf dem Meer begeistern Neumann.

 

"Ich hatte noch nie Respekt vor Wasser"

"Ich hatte noch nie Respekt vor Wasser" Christian Ludwig Attersee, Maler, Musiker, Schriftsteller, 79
Auf seinem Drachen "Primavera"

Christian Ludwig Attersee, 79, Maler, Musiker, Schriftsteller,

Mit sieben Jahren saß Christian Ludwig Attersee das erste Mal mit seinem Vater in einem Segelboot. "Er sagte, ‘Jetzt segelst du zurück’", erinnert sich der Wiener Maler, Musiker und Schriftsteller.

Doch Angst, sagt der 79-Jährige, habe er nicht verspürt. "Ich hatte noch nie Respekt vor Wasser, denn das gehört mir", sagt der dreifache österreichische Segelstaatsmeister, der seit Jahrzehnten Mitglied des Union-Yacht-Club Attersee ist. Segeln sei nicht nur Teil seines Lebens, sondern auch seiner Malerei.

 

"Segeln ist pure Entspannung"

"Segeln ist pure Entspannung" Günther Steinkellner, 57, Infrastrukturlandesrat (FP)
Passionierter Hobby- und Regattensegler

Günther Steinkellner, 57, Infrastrukturlandesrat (FP)

Hilfsbereitschaft und Zusammenhalt würden eine Mitgliedschaft im UYCAs in Attersee auszeichnen, sagt FP-Landesrat Günther Steinkellner. Durch den Vater hat der Linzer seine Segel-Leidenschaft entdeckt und längst seine Kinder Carina und Bernd damit infiziert.

Gesegelt wird am Meer und auch am See, und zwar zur Entspannung, sagt der 57-Jährige. "Man schaut nur auf den Wind und das Wetter." Doch drei Mal pro Jahr weicht das Gemütliche dem Ehrgeiz, wenn Steinkellner an Attersee-Regatten teilnimmt.

 

"Die Attersee-Segler sind sehr ehrgeizig"
Regatta-Fan Ludwig Beurle

"Die Attersee-Segler sind sehr ehrgeizig"

Großmutter Hilde und ihr Segelboot namens "Pia" haben Ludwig Beurles Kindheit am Attersee geprägt: "Damals war es ungewöhnlich, dass Frauen segeln", sagt der Linzer Anwalt (62), der zunächst nur "zu niederen Arbeiten wie Wasser schöpfen" eingeteilt worden war, "bis ich mit 13 die Soling bei Regatten steuern durfte." Heute bringt er es auf 25 Regattatage pro Jahr.

Ganze 45 Fuß ist das Schiff "Teatime" lang, mit dem Immoblilientreuhänder Wolf-Teja Steinleithner mit den vier weiteren Schiffseigentümern den Rosenwind nützt. Neben dem längsten Schiff am See ("die alte Dame ist etwas zickig, weil sie auch sehr groß ist, sie ist aber eine gute Begleiterin") besitzt der vierfache Vater noch ein kleineres Boot. "Das ist der Liebling der Familie", sagt der 59-Jährige, der auch an Regatten teilnimmt. Daher weiß der gebürtige Steyrer:

"Die Attersee-Segler sind sehr ehrgeizig." Durch die Segelkurse seiner beiden Kinder ist der Linzer Uniprofessor Johannes Lehner vor zehn Jahren auf den Geschmack gekommen. "Das Segeln war immer ein Traum von mir", heute nütze er den Sport zur Entspannung.

Weitere bekannte Attersee-Segler sind etwa der frühere ÖBB-Chef Helmut Draxler, Ex-BMW-Chef Austria, Gerhard Pils, der ehemalige Generaldirektor der voestalpine, Wolfgang Eder, der Wiener Süßwarenhändler Albert Sturm, Thomas Gföllner vom gleichnamigen Grieskirchener Fahrzeugbau, der Wiener Anwalt Karl Grigkar sowie Busunternehmer Ludwig Richard aus Wien.

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Gerhild Niedoba

Redakteurin Land und Leute

Gerhild Niedoba
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