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Oberösterreich

Ansturm auf Ausflugsziele: "Ich bitte Sie, dem Salzkammergut fernzubleiben"

Von Gabriel Egger  30. März 2020 00:04 Uhr

Ansturm auf Ausflugsziele: "Ich bitte Sie, dem Salzkammergut fernzubleiben"
Ausflüge sind erlaubt: am besten alleine. An den beliebten Ausflugszielen ist das schwer möglich.

LINZ. Bürgermeister appellieren an Tagesgäste – Bezirk Gmunden beriet im Krisenstab über Sperre.

Die freien Parkplätze in der Gmundner Traunsteinstraße waren rar gesät. Am Grünberg tummelten sich die Ausflugsgäste, in Richtung Laudachsee spazierten die Familien. Und auch die Seen im Salzkammergut verzeichneten vergangenen Samstag durch das frühlingshafte Wetter regen Zulauf. "Den Einheimischen ist das sehr negativ aufgefallen", sagt Markus Siller (SP), Bürgermeister von Ebensee. Denn die meisten, die sich an Langbath- und Offensee die Beine vertraten, nahmen dafür eine längere Anreise in Kauf. "In dieser Situation müssen Ausflüge über die Bezirksgrenze nicht sein. Wir wollten das auch per Verordnung verbieten lassen", sagt Siller.

Gmundens Bezirkshauptmann Alois Lanz bestätigt im Gespräch mit den OÖNachrichten, dass es "den Wunsch von Bürgern und Bürgermeistern gab", den Bezirk für Ausflügler von außerhalb des Salzkammerguts zu sperren. "Das wurde im Krisenstab beraten, im Sinne der Freiheit der Menschen aber abgelehnt", sagt Lanz. Derartige Verordnungen seien österreichweit nur in akuten Krankheitsgebieten vorgesehen.

"Es ist einfach noch zu viel"

Gmundens Bürgermeister Stefan Krapf (VP) versteht zwar, dass der Wunsch nach Ablenkung und damit auch der Drang in die Natur in Zeiten des Coronavirus groß sei: "Aber es ist auch bei unseren Ausflugszielen noch zu viel los. Die Situation ist heikel und wir haben noch immer sehr viele Gäste aus anderen Bezirken." Er appelliert: "Ich bitte Sie, dem Salzkammergut vorerst fernzubleiben. Wenn wir diese schwere Zeit hinter uns gelassen haben, ist jeder Gast wieder herzlich willkommen."

Das sieht auch Gerald Egger (VP), Bürgermeister von Seewalchen am Attersee, so: "Die Menschen sollen nicht aus anderen Bezirken zu uns fahren. Das müssen wir uns gegenseitig nicht antun. Wir bitten die Menschen, die gerne an den Attersee kommen, das erst wieder nach Beruhigung der angespannten Lage zu tun", sagt Egger. Viele Einheimische seien auch erzürnt, weil derzeit vermehrt Zweitwohnsitzer an den Attersee wechseln. "Zu dieser Problematik sind wir in enger Abstimmung mit der Bezirkshauptmannschaft Vöcklabruck. Fest steht, dass es in der derzeitigen Situation absolut nicht vernünftig ist, weitere Distanzen zu überbrücken und womöglich auch unterschiedliche Haushalte zusammenzuführen", sagt Egger. Rechtlich sei es aber zulässig, den Nebenwohnsitz aufzusuchen und sich dort auch aufzuhalten.

Bereits auf den Ansturm von Ausflüglern reagiert haben die Gemeinden Grünau im Almtal und Traunkirchen: Der Rundweg um den Almsee wurde gesperrt, der Anstieg auf den Kleinen Sonnstein vorübergehend verboten.

Kletterer stürzte 33 Meter ab

Dass Selbstverantwortung in dieser Zeit die oberste Prämisse sei, sagt Christoph Preimesberger, Leiter der Bergrettung Oberösterreich. Die Bergretter rückten am Samstag zum ersten Einsatz seit 14 Tagen aus. Ein 23-Jähriger aus Bad Ischl war im Klettergarten Rettenbachtal 33 Meter tief aus der Route "Amazonas" (Schwierigkeitsgrad 4b) gestürzt und ungebremst auf den Boden aufgeschlagen. Dem Unfall war ein Kommunikationsfehler mit seiner 48-jährigen Kletterpartnerin vorausgegangen.

Ansturm auf Ausflugsziele: "Ich bitte Sie, dem Salzkammergut fernzubleiben"
Kletterunfall in Bad Ischl

13 Bergretter aus Bad Ischl rückten aus, der Kletterer wurde mit lebensgefährlichen Verletzungen zum Klinikum Wels geflogen. Sein Zustand sei weiterhin kritisch, hieß es gestern aus dem Krankenhaus. Die Bergretter appellierten einmal mehr für eine "Risikominimierung". Da es sich bei dem Klettergarten um eine Sportstätte handelt, wäre die Benutzung laut Polizei nicht erlaubt gewesen.

In der Steiermark mussten die Bergretter zu einem Lawinenunfall am Eisenerzer Reichenstein ausrücken. Zwei Tourengeher wurden 250 Meter weit mitgerissen und dabei schwer verletzt.

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Redakteur Land und Leute

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