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Oberösterreich

Wo die Sterne noch Schatten werfen und die Perseiden am schönsten glühen

Der Star Park Hohe Dirn ist einer der dunkelsten Orte im mitteleuropäischen Meer der Lichtverschmutzung. Hier entsteht eine der besten Amateur-Sternwarten Österreichs.

Wo die Sterne noch Schatten werfen und die Perseiden am schönsten glühen

Foto vom Star Park auf der Hohen Dirn: Mondfinsternis (Blutmond), darunter der Mars, rechts rauscht eine Sternschnuppe durch die Milchstraße. Bild: Sternfreunde Steyr

Nicht die größer und größer werdenden Brennweiten der Teleskope machen den Reiz des Star Park Hohe Dirn aus, sondern der Standort selbst hoch über Losenstein und Reichraming sucht seinesgleichen. "Dieses Gebiet am Nordrand des Nationalparks Kalkalpen – und weiter südlich ist noch der Nationalpark Gesäuse – ist eines der größten zusammenhängenden Waldgebiete Österreichs", erklärt Rudolf Dobesberger vom Verein "Sternfreunde Steyr". Und damit ist es hier finster, sehr finster. "Einer der dunkelsten Orte Mitteleuropas", präzisiert "Sternfreunde"-Schriftführer Christoph Salzer-Pfiel. Ein Ort wie geschaffen für die stete Beobachtung des Sternenhimmels. Genau das entsteht derzeit auf 1100 Metern Seehöhe, etwa 15 Gehminuten abseits des Gipfels der Hohen Dirn und nahe der Anton-Schosser-Hütte: ein Star Park mit Hütte und drei Kuppeln, in denen Teleskope und Refraktoren der Amateur-Sterngucker Platz finden, die sogar per Fernsteuerung bewegt werden können. Diese Woche sind zur bestehenden Dreimeter-Kuppel zwei Viermeter-Kuppeln dazu gekommen.

Sternschnuppentropfen

Nicht nur aus Oberösterreich, sondern auch aus Wien und aus unseren Nachbarstaaten, reisen Hobby-Astronomen und Astrofotografen an, um im Star Park ihre Beobachtungen zu machen. So wie kürzlich anlässlich der Mondfinsternis, während der obiges Bild entstand. Wenn in den Tagen um den 12. August wie jedes Jahr der Meteorstrom der Perseiden sternschnuppenreich vorüberzieht, wird der Star Park voll in Betrieb und voller Gäste sein.

15 Jahre ist es her, als sich ein paar Enthusiasten zusammenfanden, um in den Nachthimmel zu schauen, zuerst in Aschach an der Steyr. Vor gut fünf Jahren übersiedelten die "Sternfreunde" auf die Hohe Dirn. Zuerst hatte man nur eine Plattform, um die Beobachtungsgeräte aufzustellen. Die musste man nach getaner Anschauung wieder abbauen. Nun stehen dort eine Hütte, auch um sich nächtens einmal hinzulegen, und drei Kuppeln. In Kooperation mit der Linzer Astronomischen Gemeinschaft (LAG) wird der Stern Park betrieben.

Höchstes Anliegen der Astronomen ist es, die Dunkelheit zu erhalten. Sie ist nämlich massiv bedroht durch die Lichtverschmutzung, die jedes Jahr um gut fünf Prozent zunimmt. Trotz Klima- und Wirtschaftskrise sowie hoher Strompreise kommen laufend Abertausende neuer Lichtquellen dazu. 60 Prozent der Europäer können aus ihrem Wohnort die eigene Galaxie nicht mehr sehen.

Wo die Sterne noch Schatten werfen und die Perseiden am schönsten glühen

Die Auswirkungen sind enorm. Allein in Deutschland verenden hochgerechnet Nacht für Nacht eine Milliarde Insekten an neun Millionen Straßenlaternen. Insekten, Vögel und Säugetiere werden in der Orientierung gestört, und auch für den Menschen ist es nicht gut, die Nacht zum Tag zu machen. Studien zeigen einen Zusammenhang zwischen dem Reparaturhormon Melatonin und nächtlicher Lichtexposition. Mittlerweile sind etliche Möglichkeiten beschrieben, die Lichtverschmutzung zurückzunehmen, u. a. durch gezielteren Einsatz von warmweiß leuchtenden LED.

Dunkelheit-Schutzgebiet

"Das Reichraminger Hintergebirge hat großes Potenzial als Schutzgebiet für nocturne Lebewesen, vor allem für die bedrohte Insektenwelt", sagt "Sternfreunde"-Obmann Dobesberger. 70 Prozent betrage der Biomasseverlust bei Insekten in fast 30 Jahren, bei den Vögeln gebe es ähnliche Verluste. "Für uns Menschen würde ein Schutzgebiet die Chance erhalten, noch etwas von der Magie eines faszinierenden Sternenhimmels zu erfahren und ein wenig Demut zu verspüren beim Anblick unserer Heimat im Kosmos."

Licht ohne Sinn

www.sternfreunde-steyr.at/aufnahmen/bilderseiten/lightpollution.htm zeigt, wie sehr die Lichtverschmutzung zugenommen hat.

Der heurige Oö. Umweltkongress am 25. September an der Bruckner-Privatuniversität Linz widmet sich dem Thema Lichtverschmutzung.

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Artikel 11. August 2018 - 00:04 Uhr
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