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Oberösterreich

So erlebten die Bergretter das Wunder vom Dachstein

GOSAU. Henning K. war fünf Tage lang in einer Doline auf dem Dachstein eingesperrt. Warum der Unfall nichts mit Leichtsinn zu tun hatte, haben die Bergrettungen in ihrem Einsatzbericht festgehalten.

Wunder vom Dachstein

Bild: Polizei OÖ

Henning K. hatte Glück, dass die Doline auf dem Dachstein nicht zu seinem eisigen Grab wurde. Vieles hat er seinem Willen zu verdanken, das Meiste aber den Bergrettungen und der Alpinpolizei. Diese haben gemeinsam einen Einsatzbericht verfasst, den Sie hier im Wortlaut lesen können: 
 

"Am Donnerstag um 0:44 Uhr kam die Alarmierung und wir machten uns, voller Hoffnung auf den Weg Richtung Adamekhütte. Die große Freude, dass der Mann noch leben könnte stand uns sichtlich ins Gesicht geschrieben.

Durch den vielen Schneefall der letzten Tage gestaltete sich der Aufstieg nicht ganz einfach.

Zuerst stapften wir zu Fuß, mit den Ski am Rucksack geschnallt 500 Höhenmeter Richtung Unglücksort, und dann auf Ski durch die immer tiefer werdenden Schneemassen.

Auch die erhebliche Lawinengefahr und die Gefahr selbst in eine Doline zu stürzen war nicht zu unterschätzen. Es herrschten auch Temperaturen unter dem Gefrierpunkt

Nach 3 Stunden erreichten wir dann das große Plateau, das mit Hunderten von Dolinen durchlöchert ist. Durch den Schnee und Wind, der die letzten Tage herrschte, waren aber viele zugeschneit bzw. zugeweht.

Für uns hätte jetzt die berühmte Suche der Nadel im Heuhaufen begonnen und es wäre fast unmöglich gewesen in diesem großen Gebiet den Mann zu finden, wenn er nicht die GPS Daten durchgegeben hätte.

 

Ein Licht am Ende des Tunnels

Durch großen Zufall sah ein Bergretter aus einem sehr kleinem Loch im tiefen Schnee, das nicht größer war als 1x1 Meter, ein Licht. Er beugte sich darüber und sah die Stirnlampe des Verletzten entgegenleuchten.

Jetzt kam die riesengroße Erleichterung für uns. Im Loch befand sich der Alpinist LEBEND und sogar sehr gut ansprechbar in ca. 15 Meter Tiefe.

Wohlbemerkt, dass sich Herr K. nicht weniger als 4 Tage und 5 Nächte mit einem gebrochenen Sprunggelenk, einer ausgekugelten Schulter und nur 1,5 Liter Wasser aufhielt in diesem kalten und feuchten Gefängnis überlebte.

Ein mit viel Freude überzogener lauter „Jawoi“-Schrei unserer Seite war die Folge.

 

34 Grad Körpertemperatur

Am Grund der Doline stand knöcheltief das Wasser, das wegen Verunreinigung ungenießbar war. Die Doline war so klein, dass man sich nicht hinlegen konnte, und er somit die Zeit, sitzend, auf seinem Rucksack ausharren musste.

Ein Retter, der auch Sanitäter ist, seilte sich mit Tee und Nahrung zu dem Verletzten ab und versorgte diesen. Er blieb ca. 1,5 Stunden bei ihm, da es in der Höhle wärmer war als draußen. Danach ließ die Spannung des Abgestürzten nach und sein Zustand verfiel schlagartig.

Jetzt mussten wir schnell Handeln und holten ihn sofort mittels Mannschaftszug aus der Doline.Seine Körperkerntemperatur war zu diesem Zeitpunkt bei 34°C. Sofort wurde er mit Wärmedecken versorgt und im Bergesack warm eingepackt.

Da es noch eine Weile bis zum Tagesanbruch, wo erst der Start des Helikopters möglich war, dauerte, versorgten wir den Mann und führten mit ihm Gespräche, sodass er bei Bewusstsein blieb.Sein Zustand besserte sich und er kam schnell wieder auf eine normale Temperatur von 36,5 Grad. Nach Tageseinbruch wurde er sofort mit dem Rettungshubschrauber ins Klinikum Wels geflogen und Notoperiert.


Als der Hubschrauber abdrehte und der Mann in Sicherheit war, konnte man bei allen 15 Rettungskräften die Erleichterung spüren und nasse Augen waren in dieser Situation keine Seltenheit.

Uns wurde vom Klinikum Wels mitgeteilt, sein Zustand sei stabil und er muss noch 2 Tage auf der Intensivstation verbringen.Er ernährte sich nämlich nur von einer Hand voll Müsliriegel und somit war er sehr geschwächt.

 

"Bitte gebt zu Hause Bescheid"

Viele Leute sprechen jetzt von Leichtsinn, aber man kann in diesen Fall nicht wirklich von Leichtsinn, sprechen da an diesem Tag (Samstag, 4.11.2017) das Wetter sehr gut war und man auch die Wegmarkierungen noch gesehen hatte. Er hatte nur das Pech, dass er an dieser Stelle den schneebedeckten Weg Richtung Schreiberwandeck um ein paar Meter verfehlte und es dann zu diesem Unglück kam.


Er hatte den Wetterbericht studiert, machte eine gute Tourenplanung (Wichtig!!!) im Vorfeld und war gut ausgerüstet (GPS-Gerät, gute Kleidung, voller Handyakku,..) zu seiner Tour aufgebrochen.

Wichtig an dieser Stelle ist auch, dass man den Angehörigen IMMER erzählt in welchem Gebiet man sich aufhält und welchen Weg man geht.
Das war ein großer Fehler den Herr K. machte und der ihm beinahe das Leben kostete.
Nehmt euch diese tragische Geschichte zu Herzen, macht nicht den gleichen Fehler und die Chancen für eine Rettung in Not steigen enorm.

Viele glückliche Umstände und Zufälle, eine wahnsinnig guten Zusammenarbeit zwischen den Ortstellen Hallstatt, Obertraun und der Alpinpolizei, sowie eine sehr guten körperlichen und mentale Verfassung des Deutschen waren Indikatoren die zu diesem einmaligem Happy End führten.

Solche Einsätze sind für uns auch Tage danach sehr emotional und zeigen, das sich all die Mühe, das Üben und Trainieren bezahlt macht um bei so im wahrsten Sinne des Wortes extremen Bedingungen das Leben der Menschen zu retten.
Jeder einzelne steckt viel Leidenschaft und Fleiß hinein und lebt für dieses Ehrenamt.

Vielen Dank an die umliegenden Ortsstellen für die gute Zusammenarbeit, an den vielen Spendern und BRD Förderern und an allen anderen die uns immer freiwillig und tatkräftig unterstützen. "

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Artikel Gabriel Egger 13. November 2017 - 08:30 Uhr
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