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Oberösterreich

Die Katze – das unterschätzte Tier

Von Roswitha Fitzinger   12. Juli 2014 00:04 Uhr

Zur Person
Nathalie Aigner und Sia, eine der sechs Haustiger

Wer versteht eine Katze besser als eine Katzenpsychologin? Nathalie Aigner hat ihr Wesen studiert und lebt mit sechs Katzen zusammen.

Alles für die Katz’". Diese Redensart ist bei Nathalie Aigner nicht sprich-, sondern wortwörtlich zu verstehen. Die Niederösterreicherin aus Aschbach (Bezirk Amstetten) ist ausgebildete Katzenpsychologin und Verhaltenstherapeutin für Katzen und ihre Menschen. Und nicht nur das:

Denn die 28-Jährige kennt sich nicht nur mit Katzen aus, sondern auch ein bisschen mit Hunden. Wenn eine Katzenpsychologin mit einem Hundetrainer liiert ist, dann kann das eine ganz schön große Familie ergeben. "Ja, bei uns gibt es viele Pfoten", sagt sie und lacht. 32 sind es, um genau zu sein. Zuerst waren da die beiden Katzen-Geschwister Sia und Chili, dann Lilly, Rosalie, der taube Ataxiekater Dewey und schließlich Dorli, die in einem verschlossenen Katzenkorb im Wald gefunden wurde. Nicht zu vergessen die beiden Hunde Finley und Lotti. Letztere lässt sich nicht lange bitten. Schwanzwedelnd und stürmisch kommt sie der Aufforderung "Lotti, sag’ Hallo" nach. Die Schnauze wird mir freundlich entgegengestreckt, ganz nahe ans Gesicht. Beschnuppern ist angesagt.

Das war ja eine super herzliche Begrüßung von Hündin Lotti, aber kommen wir zu den Katzen. Sie sind eigensinnig und launisch, heißt es. Manche meinen sogar, sie seien hinterlistig. Was macht für Sie das Wesen einer Katze aus?
Das lässt sich nicht verallgemeinern. Natürlich gibt es charakterliche Verhaltensweisen, die Katzen nachgesagt werden, aber hinter jeder Katze steckt eine andere Persönlichkeit. Der größte Unterschied zum Hund, abgesehen von der unterschiedlichen Entstehungsgeschichte, dem Körperbau und der Körpersprache, sind die Unabhängigkeit und Selbstständigkeit der Katze.

Verleitet das Katzenhalter nicht gerade dazu, sich zu wenig zu informieren?
Eindeutig ja. Viele kennen Katzen von Kindesbeinen an, aber nur wenige beschäftigen sich mit ihren Bedürfnissen und setzen sich intensiv mit ihren Verhaltensweisen auseinander. Meist heißt es etwas abwertend: "Katzen sind eigen, die sind nun einmal so."

Welches sind die häufigsten Vorurteile?
Das größte ist vielleicht, dass Katzen Einzelgänger sind.

Sind Sie nicht?
Sie sind Individualisten, das ja, aber auch gerne in Gesellschaft. Vor allem draußen bilden sie richtige Gruppen und soziale Gemeinschaften. Nur: Sie jagen einzeln. Sie sind keine Einzelgänger, sondern Einzeljäger, dadurch kommt wohl dieses Vorurteil. Ein weiteres ist, eine Katze kann nichts lernen oder Katzen haben Personal.

Was kann ich einer Katze beibringen?
Sehr viel mehr, als die meisten Menschen denken. Natürlich sind sie nicht so unterordnungsbereit wie ein Hund, aber ich kann ihnen neben Tricks wie zum Beispiel "Sitz" oder "Gib Pfote" auch lernen, nicht auf den Esstisch zu springen. Und zwar mit Hilfe klassischer Konditionierung. Das funktioniert wie beim Hund mittels Bestätigung des gewünschten Verhaltens durch Futter oder Streicheleinheiten. Nur diesen "will to please", der Wunsch den Menschen zu gefallen, den einige Hunderassen haben, besitzen Katzen nicht. Das heißt, man benötigt bei der Katzenerziehung mehr Geduld. Weil Katzen auch aufgrund von Erfahrungen lernen, die sie mit Emotionen verknüpfen, ist es möglich, dass eine Katze Dinge lernen und auch wieder verlernen kann.

Macht ein Hund Probleme, liegt es meist am Besitzer, wie ist das bei einer Katze?
Sehr ähnlich. Ein großes Problem ist die Vermenschlichung, dass der Katze eine nicht artgerechte Liebe entgegengebracht wird. Sie wird wie ein Kind behandelt, sofort mit Aufmerksamkeit bedacht, sobald sie da ist. Es gibt Menschen, die Katzen anziehen und dann sagen: "Die mag das, die kennt das von klein auf." Häufigster Fehler ist das Klo-Management. Eine Katze, ein Katzenklo – so die Vorstellung. Idealerweise sollte eine Katze aber zwei Toiletten haben, denn sie setzt Urin und Kot gern an zwei unterschiedlichen Stellen ab.

Wann hat eine Katze ein Problem, was sind Warnsignale?
Unsauberkeit, Aggressivität, Ängstlichkeit und wenn sie von einem Tag auf den anderen plötzlich ihr Verhalten ändert. Dann muss man auf alle Fälle etwas machen. Das heißt nicht, dass man sofort zu einem Tierpsychologen muss, aber auf alle Fälle zu einem Tierarzt, um gesundheitliche Ursachen auszuschließen.

Ihr verrücktestes Katzenerlebnis?
Ein Kunde hatte einen Kater, der direkt in die Steckdose markierte und im ganzen Haus einen Kurzschluss verursachte. Es dauerte ziemlich lange, bis die Besitzer darauf kamen, dass der Kater der Übeltäter war.

Was haben Sie den Besitzer geraten? Und warum gerade die Steckdose?
Der Kater war eher ängstlich, und der Geruch aus der Steckdose hat ihn sehr verunsichert. Es ging darum, das Selbstbewusstsein des Katers zu stärken.

Hunde und Katzen, warum können sie oft nicht miteinander?
Weil sie eine andere Körpersprache haben. Wenn ein Hund schwanzwedelnd auf eine Katze zukommt, denkt sich die: "Oh, ist der böse, da geh ich lieber auf Angriff oder auf Rückzug." Dass ist das häufigste Missverständnis.

Wie kann man es lösen?
Das kommt ganz auf den Einzelfall an und häufig auch auf den Hund. Ideal ist es immer dann, wenn der Hund einen ruhigen Charakter hat und eher desinteressiert ist an Katzen. Das weckt bei einer ängstlichen Katze nämlich die Neugierde am neuen Familienmitglied. Wichtig ist, dass der Mensch dafür sorgt, dass es zu keiner Bedrängung der Katze kommt. Rückzugsmöglichkeiten für die Katze, die für den Hund tabu sind, sind ebenfalls sehr wichtig. Reagiert eine Katze tagelang mit übertriebener Angst, empfiehlt sich die Hilfe eines Tierpsychologen.

Apropos. Sind Sie als Katzenpsychologin schon gescheitert?
Natürlich.

An der Katze oder dem Besitzer?
Es war eine Katzenbesitzerin. Die Katze wurde unsauber, die Frau hat Nachwuchs bekommen und gemeint, sie schafft es nicht, meine Empfehlung umzusetzen, wie unter anderem ein zusätzliches Katzenklo aufzustellen und auch das noch sauber zu machen. Da war nur noch der Wunsch, die Katze wegzugeben. Ich bin ein selbstkritischer Mensch und suche schon auch die Fehler bei mir, dass ich meine Argumente nicht entsprechend rübergebracht habe. Es ist natürlich so, dass ich den Menschen häufig Sachen vor Augen führe, die sie nicht gerne hören.

Zur Person

Nathalie Aigner hat an der ATN (Akademie für Tiernaturheilkunde) in der Schweiz Katzenpsychologie studiert und arbeitet seither selbstständig als Katzenpsychologin und Verhaltenstherapeutin mit Schwerpunkt auf „Unsauberkeitsproblemen bei Katzen“. Außerdem berät sie Katzenhalter in Fragen zur Tierernährung.

Nähere Infos:
www.katzen-verstehen.at,
Telefon: 0650 / 928 09 86

 

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