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Oberösterreich

Auch heute sind wieder Gewitter möglich

OBERÖSTERREICH. Fast 3000 freiwillige Helfer standen am Donnerstagabend in ganz Oberösterreich im Einsatz um Sturmschäden zu beseitigen. Auch am Freitag sind Gewitter nicht auszuschließen.

(Symbolbild) Bild: Spitzbart

Punktgenau lässt sich eine Gewitterprognose nie abgeben, laut Meteorologen könnten aber auch am Freitag wieder schwere Unwetter über Österreich ziehen. Die Ausgangslage ist ähnlich: Wie schon am Donnerstag schickt das Tief über den britischen Inseln an dessen Vorderseite – unterstützt durch ein kleines Tief bei Spanien – feuchtwarme, gewitteranfällige Luft nach Österreich.

Schon am frühen Nachmittag könnten sich in Tirol erste Zellen bilden, die dann weiterziehen. Im schlimmsten Fall könnten, wie schon am Vortag, Salzburg und Oberösterreich am schwersten betroffen sein, wie die Grafik unten zeigt. Auch Hagel und Sturm seien nicht auszuschließen. Das ist aber das "Worst Case"-Szenario. Bis zum späten Abend blieb es in Oberösterreich - zum Glück - relativ ruhig. Zwar regnete es beispielsweise in Ried heftig, die Feuerwehr musste aber nicht ausrücken, so der Stand um 21 Uhr.

Bei der ZAMG gab es eine akute Gewitterwarnung für Teile der Bezirke Braunau, Gmunden und Kirchdorf. 

Heftige Gewitter mit starken Sturmböen und Regen sind am Donnerstagabend über Oberösterreich gezogen. Binnen weniger Stunden verzeichnete das Landesfeuerwehrkommando am Donnerstagabend 652 Einsätze wegen Sturmschäden und Überflutungen, mehr als 188 Freiwillige Feuerwehren waren mit 2820 Einsatzkräften im Einsatz. Fast im Minutentakt kamen am Abend neue Alarmierungen dazu.

Von Südwesten her rollte eine breite Gewitterfront in Richtung Zentralraum. Manche Wetterstation registrierten 44 Liter Niederschlag innerhalb kürzester Zeit, zudem wurden Sturmböen von bis zu 111 Kilometern pro Stunde gemessen. Örtlich kam es aufgrund der enormen Regenmengen zu Überschwemmungen, wie etwa in Oberfreundorf bei Prambachkirchen (Bezirk Grieskirchen). 

Insgesamt wurden laut Wetterdienst UBIMET fast 70.000 Blitze in ganz Österreich erfasst, das Zentrum lag mit 22.570 Blitzen in Oberösterreich. Hauptbetroffen waren die Bezirke Vöcklabruck, Gmunden, Wels-Land, Grieskirchen und Eferding.

Größte Blitzdichte in Pühret

Die größte Zahl an Blitzen gab es im steirischen Bezirk Liezen mit 5.455, gefolgt von Hallein in Salzburg mit 4.160 und Gmunden mit 3.941 Entladungen. "Hallein war mit einer Blitzdichte von 6,22 Blitzen pro Quadratkilometer auch relativ gesehen der blitzintensivste Bezirk Österreichs", sagt UBIMET-Chefmeteorologe Manfred Spatzierer. "Auf den Plätzen folgen Grieskirchen in Oberösterreich mit 4,31 Entladungen pro Quadratkilometer und Vöcklabruck mit 3,26 Blitzen pro Quadratkilometer." Im Bezirk Hallein entfallen zudem 1.458 Blitze auf das Gemeindegebiet von Abtenau, die größte Blitzdichte gab es allerdings im oberösterreichischen Pühret mit 17,96 Blitzen pro Quadratkilometer. 

Es galt Sturmschäden wie umgestürzte Bäume oder abgedeckte Häuser zu beseitigen und überflutete Keller und Straßen abzupumpen. Gegen 17 Uhr rückten die ersten Helfer im Bezirk Braunau aus, wenig später waren die Feuerwehren in den Bezirken Vöcklabruck und Gmunden gefordert. Gegen 18:30 Uhr erreichten die Unwetter dann die Bezirke Wels-Land und Grieskirchen. Auch in Linz hatte der Wind bereits Sturmstärke erreicht, die Unwetter zogen Richtung Mühlviertel weiter. 

Gegen 22 Uhr wurde vorsichtig Entwarnung gegeben. "Die Lage hat sich derzeit entspannt - die oberösterreichischen Feuerwehren sind aktuell noch mit den Aufräumungsarbeiten beschäftigt", heißt es vom Landesfeuerwehrkommando. Aufgrund der Wetterprognose rechnet man damit, dass die Nachtstunden ruhiger verlaufen. Weitere Einsätze werden am Freitagmorgen erwartet, wenn Personen auf Sturmschäden aufmerksam werden. 

In Wels und Wels-Land wurden die Feuerwehren zu 58 Einsätzen gerufen. In der Eisenbahngasse in Wels fiel ein 20 Meter hoher Nadelbaum auf ein Hausdach. Die Einsatzkräfte sicherten den rund 40cm dicken Baumstamm und entfernten ihn. Am Treppelweg hinter der Messehalle 13 wurde ein etwa 26 Meter hoher Baum durch einen Blitzeinschlag mehrmals gespalten. Der Baum mit einem Durchmesser von rund einem Meter drohte umzustürzen. Die Feuerwehr rückte mit einem Kranfahrzeug und der Drehleiter an und sicherte den Baum. Anschließend zersägten die Feuerwehrleute den Baum und trugen ihn Stück für Stück ab. In Summe wurden rund vier Tonnen Holz entfernt.

Konzert auf Burg Clam abgesagt

Von den Wetterkapriolen betroffen war auch das Konzert der Sportfreunde Stiller auf Burg Clam. "Dringende Gewitterwarnung! Bitte verlasst das Gelände und den Campingplatz und sucht eure Pkws auf", war groß auf den Leinwänden neben der Bühne zu lesen. 

Bild: Wolkerstorfer

Das Gelände wurde als Sicherheitsmaßnahme vollständig geräumt, die Besucher aufgefordert sich in ihre Autos zu begeben. Bis 20:15 Uhr war das Konzert unterbrochen, dann entschlossen sich die Verantwortlichen zum Abbruch. Es wurde damit gerechnet, dass das Gewitter gegen 20:30 Uhr Clam mit voller Kraft erreicht. 

"Die lokale Behörde und der Veranstalter haben vor Ort gemeinsam entschieden, dass die Sicherheit der Besucher am Konzertgelände aufgrund der Wetterumstände und weiterer Prognosen leider nicht gewährleistet werden kann", heißt es von der Veranstaltern. Tickets können an den jeweiligen Vorverkaufsstellen zurück gegeben werden. Darüber, wie dieser Ablauf genau funktioniert, will man in den nächsten 24 Stunden auf Facebook informieren.

Die Sportfreunde Stiller selbst meldeten sich am späten Donnerstagabend via Video-Botschaft bei ihren Fans. Sie hätten sich sehr auf den Auftritt vor der schönen Kulisse in Clam gefreut und bedauern die Absage sehr. Aber: Sicherheit geht vor. "Wir kommen wieder", versprechen die Bandmitglieder abschließend. 

Bilder aus Clam: Konzertbesucher suchten Unterschlupf, die Stimmung war trotz des Regens gut (Bild: Schwarzl) 

Dunkle Wolken über Clam - Facebook-Fan Sandra Meindl schickte uns dieses Bild: 

Mostschenke in Vollbrand

Im Gemeindegebiet von Neukirchen an der Vöckla (Bezirk Vöcklabruck) stand - vermutlich aufgrund eines Blitzeinschlags - die Mostschenke der Familie Kreuzer in Vollbrand. 13 Feuerwehren waren in der Ortschaft Jochling vor Ort, es wurde die höchste Alarmstufe ausgerufen, berichtete der Bezirksfeuerwehrkommandant Wolfgang Hufnagl am OÖN-Telefon. Ein Großteil der Dachkonstruktion fiel den Flammen zum Opfer, der Sachschaden dürfte beträchtlich sein. 

Bild: Fesl

In Ohlsdorf stürzte ein Baum auf ein Auto, verletzt wurde dabei ersten Informationen zufolge niemand. In Gmunden wurde ein 150 Quadratmeter großes Belchdach durch den heftigen Sturm abgedeckt. 

Wasserrettung im Dauereinsatz

Brenzlige Situationen ereigneten sich beim Unwetter auch am Attersee. Die Wasserrettung der Ortsstellen Nußdorf, Weyregg und Litzlberg mussten zu mehreren Bootsbergungen ausrücken. Wasserrettungs-Landesleiter Gerald Berger vergewisserte sich gerade, dass ein Ruderboot mit einem zweijährigen Kind an Board noch sicher das Ufer erreicht, als er sah, dass ein Katamaran gekentert war und auf den See getrieben wurde: "Der Katamaran war mit vier Personen besetzt und hatte das Ufer schon erreicht um zumindest die beiden Kinder von Board gehen zu lassen", danach wollten die beiden Bootsführer den Katamaran sicher an einer Boje verankern, als eine Windböe die Segel erfasste und das Boot zum Kentern brachte.

"Die beiden saßen am Rumpf und das Boot wurde auf den See hinausgetrieben", erzählt Berger am OÖN-Telefon. Die Wasserretter begleiteten die in Seenot geratenen Bootsführer sicher zum Ufer und verankerten den Katamaran.

Wasserrettung

Gerald Berger, Wasserrettung

Als die Sturmwarnung auf die Pager der Wasserretter kamen, war der See noch spiegelglatt: "Erst war es windstill und dann ging schlug es von einem auf den anderen Augenblick um und der Wind brauste mit 80 km/h über den See. Bei Sturmwarnungen ist es bei den Rettern üblich, dass sie sich zum See begeben, Boote warnen und das Wetter im Auge behalten. Das war das große Glück der Katamaran-Besatzung: "Als der Notruf auf die Pager kam, waren wir schon unterwegs zum Boot", erzählt der erfahrene Helfer. Der Bad Goiserer ist seit 17 Jahren Mitglied der Wasserrettung. 

Bild: Wasserrettung

Boot der Wasserretter bei Einsatz zerstört

Dramatische Szenen spielten sich auch am Traunsee ab: Während einer Bergung kam es zu Unfall des Einsatzbootes. Die ehrenamtlichen Wasserretter wollten gerade ein losgerissenes Segelboot im Bereich der Freizeitanlage Weyer an die Leine nehmen, als sich direkt hinter ihnen ein weiteres Boot löste. Beim Versuch eine Kollision zu vermeiden, geriet eine Leine ins Wasser und verfing sich in der Schraube des Einsatzbootes.

Dadurch wurde das Boot manövrierunfähig und war den eineinhalb Meter hohen Wellen ausgesetzt, die es immer wieder gegen eine Mauer drückten. Die fünfköpfige Besatzung konnte nicht viel mehr tun, als das durch mehrere Lecks eindringende Wasser auszupumpen um einen Untergang des Bootes zu verhindern, bis es mittels Feuerwehrkran aus dem Wasser gehoben werden konnte.

Es wird wohl mehrere Wochen dauern, bis das Boot wieder einsatzfähig ist. Erst vor Kurzem war es nach einer aufwendigen Motorreparatur wieder in Betrieb genommen worden. Verletzt wurde niemand. 

In Grieskirchen ist ein BMW-Lenker in eine Unterführung eingefahren, obwohl diese bereits unter Wasser stand. Der Mann wurde in seinem Fahrzeug eingeschlossen und musste von Einsatzkräften der Feuerwehr gerettet werden. (Bild: www.laumat.at)

 

Über einen Stromausfall in Kematen am Innbach (Bezirk Grieskirchen) informierte uns ein Leser via Facebook.Am Ennskai in Steyr war eine Autofahrerin bei schlechter Sicht von der Straße abgekommen und über eine Böschung in Richtung Enns gerollt. Die Lenkerin konnte sich selbst aus dem Lieferwagen, der mit den Vorderrädern bereits im Wasser stand, befreien. Die Feuerwehr sicherte das Fahrzeug gegen weiteres Abrutschen und barg es dann mittels Heck Kran.

(www.ff-steyr.at)

Auch in Mittersill im Salzburger Pinzgau hat der Sturm zahlreiche Schäden verursacht. Im Ortsteil Burk wurde eine Trafostation durch einen Blitz in Brand gesetzt. Das Feuer war rasch gelöscht, berichtete die Polizei am Abend. Ein durch den Sturm entwurzelter Baum blockierte die Gleise der Pinzgauer Lokalbahn.

Bei einem Bauernhof wurde das Dach eines Nebengebäudes samt Dachstuhl abgedeckt, dadurch wurden im Hof abgestellte Fahrzeuge beschädigt. Auch mehrere Pkw in der Gemeinde wurden bei dem Unwetter von herumfliegenden Gegenständen getroffen. Die Feuerwehr Mittersill rückte laut der Polizeiaussendung mit rund 30 Einsatzkräften zu den Lösch- und Aufräumarbeiten aus.

Wetterbericht für Freitag und das Wochenende:

Die kommenden Tage bleiben gewitteranfällig und schwül, am Montag zeichnen sich in vielen Landesteilen sogar große Regenmengen ab. Danach geht es unbeständig und entlang der Alpennordseite teils nass weiter. Die Temperaturen gehen vergleichsweise deutlich zurück und kommen am Dienstag nicht mehr über 16 bis 27 Grad hinaus. 

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Artikel nachrichten.at/fell/jup 21. Juli 2017 - 15:28 Uhr
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