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Kurienkardinal unterzieht sich Vaterschaftstest

LJUBLJANA. Im Vatikan gibt es möglicherweise nicht nur geistliche Väter: Der frühere Präfekt der vatikanischen Ordenskongregation, Kardinal Franc Rode (77), hat am Donnerstag mitgeteilt, dass er sich einem Vaterschaftstest unterziehen wird.

Rode kommt damit der Aufforderung des 42-jährigen Peter S. nach, der behauptet, sein Sohn zu sein. Der frühere Laibacher Erzbischof hat eingeräumt, eine Beziehung mit der Mutter von S. gehabt, dabei aber niemals den Zölibat gebrochen zu haben.

Rode reagierte mit blumigen Worten auf den "Tratsch" über seine angebliche Vaterschaft. "Wir näherten uns niemals so sehr an, als dass daraus ein Kind hätte geboren werden können", teilte der Purpurträger slowenischen Medien mit. Die Beziehung mit Tanja Breda sei "ehrenhaft" gewesen, betonte er. Zwar hätte aus der Freundschaft eine Liebesbeziehung werden können, "aber wir entsagten einander wegen eines höheren Gutes: Meiner geistlichen Berufung".

Rode hatte Breda Ende der 1960er Jahre als Religionslehrer in Celje (Cilli) kennengelernt. Damals habe es in der Pfarre Jozefov hrib (Josefshügel) "viel Aufruhr wegen der Romanze" gegeben, sagte ein Zeitzeuge der Tageszeitung "Delo". Die Beziehung endete tragisch nach einem Autounfall der beiden. Rode sei versetzt worden, seine vermeintliche Geliebte wanderte überstürzt nach Deutschland aus.

Laut "Delo" war Breda bei ihrer Ausreise bereits schwanger. Obwohl sie in Deutschland keine Krankenversicherung gehabt habe, konnte sie ihr Kind in einem konfessionellen Krankenhaus zur Welt bringen. Tanja Breda heiratete später einen Deutschen, der ihren Sohn adoptierte. Peter S. berichtete der Zeitung, dass seine Mutter ihm erst heuer gestanden habe, dass Rode sein leiblicher Vater sei. Der 42-Jährige hatte zwei Jahrzehnte lang nach seinem Vater gesucht und war dafür auch nach Slowenien gereist.

Der Vaterschaftstest soll vom Institut für Rechtsmedizin der Universität Ljubljana durchgeführt werden. Wie dessen Leiter Joze Balazic sagte, werden dafür Blut- und Speichelproben bei Rode und S. genommen. Für den Test müssen beide anwesend sein, um Manipulationen zu verhindern. Die Laibacher Anwaltskanzlei Rodes will daher die Termine entsprechend koordinieren.

Beobachter sehen die Vorwürfe gegen Rode im Zusammenhang mit der Affäre um den Landesverweis für seinen Nachfolger als Laibacher Erzbischof, Alojz Uran (67). Die vatikanische Bischofskongregation hat nämlich im Mai entschieden, dass Uran seine Heimat wegen Vaterschaftsgerüchten verlassen muss. Die drakonische Maßnahme sorgte für Empörung in der slowenischen Kirche, selbst Spaltungsgerüchte wurden laut. Viele Katholiken vermuteten eine Intrige Rodes gegen Uran. Der erzkonservative Kardinal hat nämlich niemals einen Hehl aus seiner Abneigung gegen seinen volkstümlichen Nachfolger gemacht, der als Liberaler gilt.

 

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Artikel nachrichten.at/apa 30. August 2012 - 23:48 Uhr
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