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Viktor Frankl und der Sinn des Bergsteigens

Red-Bull-Boss Dietrich Mateschitz verehrt Viktor Frankl und wünschte sich einen Film über den Psychotherapeuten und Alpinisten. ServusTV zeigt am Freitag um 20.15 Uhr in der noch jungen „Bergwelten“-Reihe die Dokumentation „Die Trotzmacht des Geistes“.

Der Berg, der Tod, die Angst

Arzt und leidenschaftlicher Alpinist: Viktor Frankl Bild: Imagno

„Land der Berge“-Urgestein Lutz Maurer hat das Porträt für den Mateschitz-Sender gestaltet, das den Wissenschafter und Arzt Viktor Frankl (1905– 1997) als leidenschaftlichen Bergsteiger zeichnet, der besonders der Rax vor den Toren Wiens zugetan war.

„Die Rax hat auf mich ein Leben lang eine Faszination ausgeübt. Wenn ich über ihr Plateau ging, war das die einzige Zeit, in der ich immer und immer wieder meditieren konnte. Meine Gedanken bekamen dort ihren freien Lauf“, sagte Frankl.

Den Ängsten, die ihn beim Klettern erfassten, begegnete er im Sinne der von ihm entwickelten Logotherapie: „Ich mobilisierte die Trotzmacht des Geistes – angewandt auf eine Situation, in der der Geist den Ängsten und Schwächen der eigenen Seele trotzen muss.“

Lutz Maurer pflegte eine enge Beziehung zu dem Mann, der seine Leiden im Konzentrationslager im weltberühmten Buch „... trotzdem Ja zum Leben sagen“ verarbeitete. „1984 suchte ich für eine Sendung zum 40. Geburtstag von Reinhold Messner einen Moderator, der die komplizierte Seele eines komplizierten Mannes versteht. Das war Frankl.“ Später spannte Maurer die beiden in einem Garten zu einem Gespräch über den Sinn des Lebens und den Wert des Bergsteigens zusammen – es bildet den Kern der Dokumentation, die um noch nie gezeigtes Filmmaterial bereichert wird, das Frankl-Witwe Elly aus dem Familienarchiv geholt hat.

Im August vergangenen Jahres war die Kamera mit dabei, als sich Enkel Alexander Vesely auf seine erste Klettertour wagte und auf den Spuren des Großvaters dessen Lieblingstour durchstieg, den „Drei-Enzian-Steig“ in der Preinerwand auf der Rax – am sicheren Seil des Reichenauer Bergführers Ignaz Gruber, der Viktor Frankl jahrelang begleitet hatte.

„Der Naz hat dem Enkel das gleiche Talent bescheinigt“, sagt Maurer, für den Vesely die Wand zwei Mal hintereinander machen musste – einmal für die Nahaufnahmen, dann für die Totale. Auf dem Gipfel war der Enkel stolz: „Jetzt verstehe ich auch wirklich die Bergleidenschaft des Großvaters.“

Der Berg, der Tod, die Angst

„Ein am Tod provoziertes Leben“, nannte der Arzt und Dichter Gottfried Benn das Bergsteigen. Eine Aussage, die Viktor Frankl entrüstete: „Der Tod gehört zum Leben, ihn aber so explizit mit dem Bergsteigen zu verbinden, ist falsch. Wohl aber kann man es mit dem Begriff der Angst verbinden. Auch ich hatte zu Beginn meiner alpinen Laufbahn Angst vor dem Klettern, vor dem Abgrund, hab aber dann justament zu klettern begonnen. Denn ich stand auf dem Standpunkt, den ich auch vielen meiner Patienten mitgebe: Muss man sich denn alles von sich selbst gefallen lassen? Muss ich mir die Angst gefallen lassen? Kann ich nicht stärker sein als meine Angst?“
 

Servus-TV: Bergwelten

„Ich bin glücklich“, sagte Hans-Peter Stauber nach dem gelungenen Start seiner neuen „Bergwelten“-Reihe auf Servus-TV. Der Zweiteiler „Gerlinde Kaltenbrunner“ erreichte vergangene Woche 178.000 Seher.

„Bergwelten“ wird am Freitag mit „Die Trotzmacht des Geistes – der Alpinist Viktor Frankl“ fortgesetzt. Am 2. März folgt „Auf steilen Wegen – 100 Jahre Gipfelstürmer“ über den Innsbrucker Bergsteigerverein, dem Größen wie Reinhold Messner und Raimund Margreiter angehören.
 

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Artikel Bernhard Lichtenberger 03. Februar 2012 - 00:04 Uhr
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