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"Tomorrow": Staatschefs sollten diesen Film sehen

Der Dokumentarfilm "Tomorrow" bündelt menschliche Lösungen für globale Probleme. DIe OÖN trafen Regisseur Cyril Dion zum Interview.

Staatschefs sollten diesen Film sehen

Cyril Dion, Mélanie Laurent Bild:

Es gibt viele gute Dokumentationen, die uns zeigen, wie schlimm es um unsere Welt bestellt ist. "Tomorrow" von Cyril Dion und Schauspielerin Mélanie Laurent ("Inglourious Basterds"), jetzt in unseren Kinos, ist anders. Diese Doku präsentiert nicht nur Probleme, sondern auch – manchmal verblüffende – Lösungen. Cyril Dion kam zur Wiener Premiere.

 

OÖNachrichten: Sie haben nicht nur den César, also den französischen Oscar, für den besten Dokumentarfilm erhalten, sondern auch das Publikum spielt mit. Wie viele Zuseher haben "Tomorrow" mittlerweile besucht?

Cyril Dion: Allein in Frankreich haben wir eben die Million überschritten. Der Film hält sich seit 25 Wochen in den Kinos.

Wer "Tomorrow" gesehen hat, müsste dafür plädieren, dass sich alle Regierungen diesen Film ansehen.

Das Generalsekretariat der Vereinten Nationen hat uns jüngst eine Vorführung genehmigt, in einem Riesenkonferenzraum des Gebäudes in New York. 600 Leute kamen, unter ihnen alle Spezialisten für den Klimawandel. Ja, und Sie sagen es: Die UNO hat allen Regierungen empfohlen, diesen Film zu besuchen.

Staatschefs sollten diesen Film sehen

Vandana Shiva, Ökologie-Expertin im Film

Was ist für Sie der Grund für diese Aufmerksamkeit, diesen Erfolg?

Unser Konzept. Wir zeigen, wie Politik, Geschäftswelt und Bürger zusammenarbeiten können.

Haben Sie den Nerv der Zeit mehr oder weniger durch Zufall getroffen?

Nein. "Tomorrow" ist exakt das, was ich vor fünf Jahren zu schreiben begonnen hatte. Mélanie Laurent und ich reisten dann in zehn Länder, um unser Puzzle zusammenzustellen.

Ein teils witziges Exempel liefern Sie mit Rob Hopkins.

Der Brite verwandelte seine Stadt Totnes im englischen Davonshire in ein "Experimentierfeld des Übergangs". Durch mehr Autonomie und selbst produzierte Energie, die die Abhängigkeit vom Erdöl bis 2050 erheblich reduzieren soll. Voraussetzung dafür war auch eine eigene Währung zur Unterstützung der lokalen Geschäftsleute. Damit darf man nur in Shops einkaufen, die sich dieser Idee verschrieben haben. Die Idee von Rob Hopkins brachte seiner Region bis jetzt zwei bis vier Mal so viele Arbeitsplätze als vorher, und sie wird jetzt überall kopiert.

Staatschefs sollten diesen Film sehen

In Todmorden (GB) wächst Gemüse für alle überall – das stärkt die Kleinstadt

Als Beispiel für gelungene Bildung führen sie auch das vielgerühmte finnische Schulsystem. an. Was ist daran besonders?

Es basiert auf Vertrauen. Das Ministerium vertraut den Behörden, die vertrauen dem Schuldirektor, der den Lehrern, die vertrauen den Schülern. So haben sie den besten Weg gefunden, die Schüler zum individuellen Lernen anzuregen. Ich selbst habe die Schule gehasst. Ich wollte nicht zuhören, sondern t u n! Ich möchte besonders auf die Szenen verweisen, wo eine Lehrerin nach ihren Prinzipien gefragt wird. Sie antwortet: "Wir verschwenden unsere Zeit nicht mit Prüfungen, wir unterrichten!" Ich möchte auch auf Island hinweisen: Dort haben sich die von unfähiger Politik frustrierten Bürger eine eigene Verfassung geschaffen.

Film-Kritik

Dokumentarfilme, die sich mit der Zukunft beschäftigen, entlassen einen nicht selten in schwerer Bedrückung wieder ins Tageslicht. Das prämierte Werk „Tomorrow“ ist erfrischend anders – heller, leichtfüßiger.

Die Arbeit von Darstellerin Mélanie Laurent und Regisseur Cyril Dion macht Lust darauf, anzupacken – trotz oder gerade wegen extrem düsterer Prognosen. Ausgehend von Daten (u. a. in "Nature" veröffentlicht), die dem Menschen in wenigen Jahrzehnten immer schlechtere Anpassung an selbst verschuldete Bedingungen voraussagen, schaffen sie ein Plädoyer für Voraussicht und Zivilgesellschaft.

Sie sammelten Einblicke in Gruppen, die geschickt gegen etwas entschieden haben: Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen, großindustrielles Lobbying, verkrustete Strukturen. Ein gutes Werk über sehr schlechte Nachrichten.     (nb)

Tomorrow: F 2015, 118 Min.,

OÖN Bewertung:

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Artikel Ludwig Heinrich 04. Juni 2016 - 00:04 Uhr
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