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Heinz Göbel malt die Masse leicht

Landschaften bilden die zentrale Thematik von Heinz Göbel, der heuer mit dem OÖ. Landeskulturpreis für Bildende Kunst ausgezeichnet wurde. Die OÖNachrichten sprachen mit Göbel, dessen Kunstwerke stets eine frappierend emotionale Atmosphäre ausstrahlen.

Heinz Göbel beim »Herumtoben« in seiner Frankenburger Dachboden-Atelierhälfte. Bild: Moser

Der riesige Dachboden eines repräsentativ mächtigen, mehrstöckigen Dorfwirtshauses dient dem Künstlerpaar Göbel/Moser als gemeinsames Atelier mitten in Frankenburg. Heinz Göbel arbeitet darin auf der einen Seite, seine Frau Maria auf der anderen. Das Sonnenlicht flutet über zahllose, an Wänden, in Regalen, auf dem urigen Schiffboden gestapelte Gemälde. Lässt Göbels von einer gigantischen Palette an Blautönen dominierte Island-Bilder aufflammen, als glühe ein innerer Vulkan ganz dicht auch unter der gemalten eisigen Pracht.

Ein sanftes Gelb schwebt dazwischen, ein süffig-üppiges Grün. Schichtungen türmen sich in und übereinander zu den so faszinierend unmittelbar berührenden Landschaften, für die der aus Salzburg stammende Künstler jetzt mit dem OÖ. Landeskulturpreis ausgezeichnet wurde.

In der Schule habe er das Fach Bildnerische Erziehung „schon recht gern gehabt“, erzählt Heinz Göbel im Gespräch mit den OÖNachrichten. Hat bei mehreren Zeichenwettbewerben Preise gemacht.

Sein Motiv damals waren „die Lupinen, die mit ihren schönen farbenfrohen Kerzen auch heute noch meine Lieblingsblumen sind.“ Damals in seinen künstlerischen Anfängen sei er von Nolde inspiriert gewesen, dessen Aquarelle ihn fasziniert hätten.

In seinem Elternhaus (sein Vater war übrigens Latein- und Griechischprofessor) habe man zwar sein Talent bemerkt, es wurde ihm aber geraten, doch das Lehrfach zu machen, damit „das Ganze nicht so im leeren Raum ist“. Für den „größten Schwachsinn überhaupt“ hält Göbel die bekannte Mär, dass man als Lehrer so viel Ferien habe und sich da ja künstlerisch betätigen könne: „Entweder oder.“ Göbel hat damals zwar mit dem Lehramt Zeichnen/ Werken begonnen, aber gleich nach dem Probejahr und nach neun Monaten Ägypten-Stipendium gewusst, dass er das nicht ausüben wird.

An der Wiener Kunstakademie ist Göbel in die Druckgraphik-Abteilung aufgenommen worden und hat die Radierung für sich entdeckt: „Die hat meiner Art am ehesten entsprochen. Dieses Arbeiten am Material. Gegen den Widerstand der Kupferplatte. Kratzen und Ätzen.“ Heutzutage arbeite er „leider“ eher selten so, aber wenn, dann komme ihm im Gegensatz zur Radierung seine Malerei „wie die ärgste Patzerei“ vor: „In der Malerei kannst du wirklich herumtoben, und das kannst du vor allem bei einer Farbradierung vergessen.“

Ein roter Faden durch sein Schaffen ist die Beschäftigung mit dem Thema Landschaft. Göbel: „Generell die Liebe zur Natur, zu den Bergen, das war schon in meiner Kindheit so, am Fuße des Nocksteins – das ist ein kleiner Felszack neben dem Gaisberg. Da bin ich immer gern herumstrawanzt.“

Göbel sammelt bei seinen Reisen und Wanderungen Inspirationen, arbeitet jedoch nicht vor der Natur: „Nur aus der Erinnerung. Und da vermischt sich dann alles mögliche. Island-Eindrücke mit Hiesigem. Jedenfalls keine Abbilder, sondern Atmosphäre, Befindlichkeit.“ Wichtig ist es ihm, „das Emotionale umsetzen zu können und auch für andere erlebbar zu machen. Diese Weite, die sich da oft auftut, das Schwere, Erdige und dann auch wieder die Leichtigkeit.“

Heinz Göbel versteht es wie nur wenige andere, die Masse leicht zu malen. Dass man das beim Ansehen auch spüren kann, ist eine Klasse für sich.

 

Heinz Göbel - Kurzbiographie

Heinz Göbel wurde 1947 in Salzburg geboren und lebt heute als freischaffender Maler mit seiner Frau, der Künstlerin Maria Moser, in Frankenburg. 1967-1972 studierte er in der Meisterklasse Graphik an der Akademie der Bildenden Künste in Wien.
Er erhielt zahlreiche Preise und Auszeichnungen, darunter 2011 den OÖ. Landeskulturpreis, 1978 das Staatsstipendium für Malerei sowie das Goldene Verdienstzeichen der Republik Österreich im Jahr 1983. Auch Tochter Lena Göbel arbeitet als freischaffende Künstlerin (in Berlin).

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Artikel Irene Gunnesch 23. Dezember 2011 - 00:04 Uhr
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