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Wiener Dschihadist Mohamed M. bei Luftangriff getötet

WIEN. Der Wiener Dschihadist Mohamed M., auch bekannt als "Abu Usama al-Gharib", ist Berichten zufolge in einer Haftanstalt der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) bei einem Luftangriff der US-geführten Anti-IS-Koalition getötet worden.

Dies teilte das auf die Überwachung islamistischer Webseiten spezialisierte US-Unternehmen Site am Mittwoch unter Berufung auf eine IS-nahe Nachrichtenagentur mit.

M. sei demzufolge inhaftiert gewesen, weil er angeblich "aus der Reihe tanze" und Aufruhr stifte. Der Wiener Politologe Thomas Schmidinger hält die Angaben für "wesentlich glaubwürdiger" als frühere Todesmeldungen. Dass M. inhaftiert gewesen sei, würde sein ungeklärtes Verschwinden erklären.

Seit 2015 habe es zahlreiche Richtungskämpfe innerhalb des IS gegeben, berichtete Schmidinger. Dass M. unterlegen gewesen und nicht hingerichtet, sondern inhaftiert worden sei, hält der Experte für wahrscheinlich.

Wichtige Propagandafigur im deutschsprachigen Raum 

Er sei zu wichtig für die deutschsprachige dschihadistische Szene gewesen, als dass sein Ableben ohne entsprechenden Nekrolog gewürdigt werde, lautet die Einschätzung des Politologen. Dieser habe bisher gefehlt. M. sei nach dem Anfang des Jahres getöteten Rapper Dennis Cuspert alias "Deso Dogg" die wichtigste Propagandafigur im deutschsprachigen Raum gewesen.

Wo genau die Haftanstalt liege, in der M. getötet wurde, ist vorerst nicht bekannt. Schmidinger vermutet sie in einem der verbleibenden Gebiete des IS, von denen das größte in der Nähe der syrischen Stadt Deir ez-Zor an der irakischen Grenze liege.

Dem Politikwissenschafter Cole Bunzel von der in Philadelphia ansässigen US-Denkfabrik Foreign Policy Research Institut (FPRI) zufolge sehen Unterstützer M.s und der weiteren getöteten Anhänger eines "moderateren" Flügels des IS den Luftschlag nicht als Unfall an. Ihrer Ansicht nach sei er von den IS-Sicherheitskräften erleichtert worden. "Eliminierung durch die Hand des Feindes ist die neue Methode, um Opponenten zu beseitigen", zitiert Cole einen von ihnen. M. sei zu Unrecht vom IS inhaftiert gewesen und die Inhaftierung habe ihn zu einer "leichten Beute für die Raketen der Kreuzzug-Streitkräfte" gemacht, zitierte auch Rita Katz, Leiterin von Site, auf Twitter aus einer Mitteilung.

 

Der 1985 in Wien geborene Sohn ägyptischer Einwanderer Mohamed M. gilt als Radikalislamist, der Einfluss auf Salafisten in Österreich und Deutschland ausübte und mit Hasspredigten, Drohvideos und seiner offenen Propaganda für den Heiligen Krieg für Aufsehen sorgte. In Österreich wurde er bereits vor mehreren Jahren durch einen Prozess um ein Drohvideo gegen Österreich und Deutschland bekannt. Im September 2007 war der damals 22-Jährige gemeinsam mit seiner damaligen Ehefrau Mona S. verhaftet worden. In der Folge wurde M. wegen Bildung einer terroristischen Vereinigung im März 2008 - und nach Aufhebung des Urteils wegen eines Formfehlers erneut im Februar 2009 - im Zuge des "Wiener Terror-Prozesses" zu vier Jahren Haft verurteilt, S. bekam 22 Monate.

Nach seiner Freilassung 2011 veröffentlichte M. weitere Videos unter dem Pseudonym "Abu Usama al-Gharib", dann setzte er sich nach Deutschland und Ägypten ab. Später wurde er in der Türkei im März 2013 wegen eines gefälschten Reisedokuments festgenommen. Seinen österreichischen Pass hatte er damals öffentlichkeitswirksam verbrannt. Medienberichten zufolge beantragte er in der Türkei auch Asyl. Im April 2014 lehnte die Türkei eine beantragte Auslieferung nach Österreich aufgrund einer fehlenden Anklage ab.

2014 aus türkischer Haft entlassen

Laut einem Bericht von "Spiegel Online" wurde M. am 19. August 2014 aus dem Polizeigewahrsam im türkischen Konya entlassen und tauchte danach ab. Das österreichische Innenministerium bestätigte Ende September, dass sich M. nicht mehr in türkischer Haft befindet. Medienberichten zufolge soll Ankara den prominenten Jihadisten 2014 im Rahmen eines Gefangenenaustausches dem IS in Syrien übergeben haben, wo er sich danach als IS-Kämpfer betätigte.

Im syrischen Palmyra soll er an der Ermordung von insgesamt neun Menschen beteiligt gewesen sein. Ein im August 2015 veröffentlichtes in deutscher Sprache gehaltenes Tötungsvideo zeigt ihn, wie er einen vor ihm knienden Mann erschießt. In Österreich wurden daraufhin Ermittlungen wegen Mordes eingeleitet, auch von der internationalen Polizeiorganisation Interpol wurde Mohamed M. wegen Mordes, schwerer Körperverletzung und terroristischen Aktivitäten gesucht.

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Artikel nachrichten.at/apa 29. November 2018 - 20:15 Uhr
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