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Reisen

Mallorca, die Radlerinsel

Von Carsten Hebestreit 20. April 2019

Die Radlerinsel
Spektakulärer Ausblick vom Cap Formentor auf die letzte Serpentine vor dem wohl beliebtesten Ziel der Biker auf Mallorca.

Auf Mallorca übernehmen Radfahrer im Frühjahr das Kommando. Heuer werden auf der Urlauber-Insel 25 Prozent mehr Biker erwartet als noch im Vorjahr. Die Geduld der Einheimischen mit den Radlern ist erstaunlich.

"Hopp, hopp, hopp!". Der Rennradfahrer spornt den deutlich langsameren Mountainbiker an. "Du schaffst das!". Sechs, sieben Prozent Steigung und dreieinhalb Kilometer Länge: Der Weg hinauf zum Aussichtspunkt Mirador de Mal Pas ist eine erste Prüfung. Da helfen Worte wie "Nicht mehr weit und du bist oben!". Radfahrer halten zusammen, gegenseitige Unterstützung ist gewiss. Auch auf Mallorca, der Insel, die immer mehr zum Radfahrer-Mekka wird. Die Zahl der feiernden Badeurlauber schrumpft um acht bis zehn Prozent, prognostizieren mallorquinische Touristiker. Dafür rechnet man heuer auf der Balearen-Insel mit 25 Prozent mehr Radfahrer, die Kilometer um Kilometer abspulen, ganz nach dem Motto: besser Hobbysportler als Dauersäufer oder Cap Formentor statt Bierkönig. Die Pedalritter sind auf der Insel herzlich willkommen.

Arenal oder Platja del Muro

Zwei Zweirad-Zentren haben sich etabliert: Arenal in der Nähe des Flughafens von Palma de Mallorca sowie Platja del Muro, das etwa sechs Kilometer von Alcúdia im Norden der Insel liegt.

Die Flughafennähe von Arenal schätzen vor allem Profi-Teams: Raus aus dem Flieger, ab ins Hotel und rauf aufs Rad. Kurze Wege, keine unnötigen Zeitverluste. Das Gegenteil gefällt vor allem Hobbyradlern, die sich ihr Vergnügen etwas kosten lassen, an Platja del Muro. "Hier logiert die gehobene Schicht", sagt Torsten Wittig, ein Berliner, der seit 2013 den örtlichen Rad-Salon betreibt (www.rad-salon-mallorca.com). Der 53-Jährige holte 2007 bei der Rad-Cross-WM in Belgien Bronze und erfüllte sich danach auf Mallorca den lang gehegten Traum eines eigenen Radgeschäftes.

Hochsaison zwischen März und Mai

Zwischen März und Mai dominieren Radfahrer das Straßenbild im Norden der Balearen-Insel. Dick und vor allem dünn sind anzutreffen, jung und vor allem reifer. Grau ist die Trend-Haarfarbe. Etwa ein Drittel sind – grob geschätzt – Radfahrerinnen. E-Bikes boomen auf dem Donauradweg, aber nicht auf Mallorca. Dort gehört elektrischer Rückenwind ebenso zur Ausnahme wie Mountainbikes. "Die Straßen sind breit und bestens ausgebaut. Berge? Davon haben wir etwa ein Dutzend, die hast du als Mountainbiker schnell durch", sagt Torsten Wittig.

Im April, dem Radfahrmonat schlechthin, zeigt das Thermometer in der Früh um die acht Grad. Tagsüber sind 15 bis 18 Grad üblich. Scheint die Sonne, erwärmen sich Mensch und Land – sofern nicht der Wind weht. Und der bläst immer. Kräftig, vom Meer her und eiskalt. Egal, ob als Gegen- oder Rückenwind – er ist der ständige Begleiter der Biker. "Darum ist für mich der Oktober der bessere Radfahrmonat", sagt der 53-Jährige. "Die Touristenmassen sind weg, das Meer ist warm und es geht kaum Wind."

Das Bikeline-Radtourenbuch listet für Mallorca 25 Routen auf. Klassiker sind die schmalen, kurvenreichen Straßen durch die Naturschutzgebiete im Norden der Insel. Port de Sollér mit seiner uralten Straßenbahn (nimmt keine Fahrräder mit!) gilt ebenso als Top-Ziel wie das idyllische Sa Calobra. Entlang der Steilküste Richtung Südwesten führt der Weg zwischen verbrannten Bäumen hinunter zum Promi-Ort Andratx und weiter zum Nobel-Hafen Port de Portals (Richtung Palma).

Ein Spektakel für Biker spielt sich tagtäglich in der kleinen Provinzstadt Petra ab. In der Kommune versammeln sich Radfahrer aus allen Richtungen, um auf den beiden Plätzen der Stadt Speck-, Schinken- und Käse-Sandwiches, frisch aufgeschnittene Orangenspeigerl und originalen mallorquinischen Mandelkuchen zu genießen. Freie Sitzplätze sind nur schwer zu finden, obwohl das Angebot riesig ist. Der Markusplatz auf Mallorca – ausschließlich für Radfahrer. Die Straßen Petras sind übrigens wie in Manhattan allesamt im rechten Winkel angeordnet, Unkundige sollten sich am besten einergeführten Tour anschließen, die in dem Ort alle dasselbe Ziel haben. Ein Muss für Mallorca-Radler!

Die Radlerinsel
Das Radfahrer-Mekka Petra

Unbestritten das Ziel Nummer eins für Radfahrer hier ist mit Cap Formentor der nördlichste Punkt der Insel. Die Straße dorthin ist schmal und die Steigungen weisen maximal neun Prozent auf. Kurze Anstiege, die viel Kraft kosten, gibt es nicht. Das einzige Ärgernis sind – aus Radfahrersicht – die Autofahrer, die sich mit den Zweiradlenkern ein Rennen liefern.

Überholmöglichkeiten sind auf dem engen Asphaltband eine Rarität, weshalb ein- und mehrspurige Verkehrsteilnehmer gemeinsam im Kriechtempo die Anhöhen erklimmen. In den geliehenen Mini-Cabrios und Fiat 500 sitzen fast ausnahmslos Urlauber, deren Geduld begrenzt ist. Riskante Überholmanöver können in der selbst auferlegten Urlaubshektik die Gesundheit vor allem der Radfahrer gefährden.

Straße nur für Radfahrer

Im Vorjahr sperrte die Inselregierung die Straße zum Cap Formentor für Autofahrer für sechs Wochen. "Der Erfolg war überwältigend", sagt Torsten Wittig. Die Folge: Heuer wird die Verbindung zwischen 1. Juni und Ende September für den Autoverkehr gesperrt. Zwei Busse werden dann täglich von Port de Pollenca zum Strand von Formentor pendeln. Der Rest der Route gehört in dieser Zeit ausnahmslos den Radfahrern.

Die Radlerinsel
Rennradfahrer prägen das Straßenbild im Norden der Insel.

Auf den meisten Straßen Mallorcas sind breite Streifen für Radfahrer reserviert. Regelmäßig mahnen Verkehrszeichen die Autofahrer, mindestens eineinhalb Meter seitlichen Abstand zu Bikern zu halten. Die Mallorquiner zeichnet eine Engelsgeduld mit den Hobby-Radfahrern aus. Fehlt eine sichere Überholmöglichkeit, zuckeln einheimische Autofahrer auch zwei, drei Kilometer hinter einer Fahrradgruppe her. Kein Hupen, keine Lichtzeichen. Ein Genuss für die Radler, ein Vorbild für mitteleuropäische Autofahrer. Dieses entspannte Radeln macht Mallorca aus.

 


Fahrradverleih

In den Biker-Zentren Arenal und Platja del Muro reihen sich Fahrrad-Verleihe aneinander. In der Hauptsaison sollten Bikes reserviert werden. „Wir haben Rennräder zwischen 1500 und 7000 Euro Verkaufspreis“, sagt Torsten Wittig von Rad-Salon in Platja del Muro. Die Tagesmiete reicht von 26 bis 38 Euro, der Wochentarif von 109 bis 169 Euro. Die Alu- und Carbon-Modelle werden individuell angepasst.

Unterkunft

Immer mehr Hotels spezialisieren sich auf Radfahrer – wie etwa das Viva Blue&Spa in Playa de Muro, das sich zu einem Treffpunkt für Biker entwickelt hat.

Fahrradmitnahme

Wer sein eigenes Fahrrad nach Mallorca mitnehmen möchte, der kann sein Bike als Sportgepäck aufgeben. Die Lufthansa verlangt für Linz nach Palma hin und zurück 160 Euro für das Fahrrad. Das Bike muss verpackt werden (Maximalumfang L/B/H 240 cm, max. 25 kg). Wichtig: Luft aus den Reifen lassen!

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Wer sein eigenes Rad mitnehmen möchte: In den Seat Leon passt ein Bike auf die Ladefläche – wenn die Räder demontiert sind.
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