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Reisen

Klitschnass ins neue Jahr

Von David Jungwirth   21. April 2012 00:04 Uhr

Klitschnass ins neue Jahr
Wasserschlacht mitten auf der Straße: Sind die Autofenster offen, kann’s auch im Inneren des Wagens zu Überschwemmungen kommen.

Da bleibt kein Thai trocken. Beim Songkran, dem traditionellen Neujahrsfest in Thailand, liefern sich die Leute feuchtfröhliche Wasserschlachten.

Achtung – von hinten“, ruft Helmut, aber es ist zu spät. Ich spüre einen Schwall Wasser über meinen Kopf in den Nacken und über meinen Körper nach unten fließen: Jemand entleerte einen vollen Wasserkübel von hinten direkt über mir. Intuitiv mache ich ein paar schnelle Schritte vorwärts und versuche, dem „Angreifer“ zu entkommen. Ich stolpere in eine Menschengasse, wo ich von rechts und links mit Kübeln und Spritzpistolen nun vollkommen nassgespritzt werde.

Songkran nennt sich Thailands Neujahr, das jährlich mehrtägig um den 13. April herum gefeiert wird. Am Morgen übergießen die Gläubigen in den Wats (Tempeln) die Buddha-Statuen mit Wasser und bezeugen damit ihren Respekt. Die Thailänder erweisen diesen auch den Mönchen und der älteren Bevölkerung, indem sie deren Hände mit frischem Wasser besprenkeln. Im Laufe des Tages verlagert sich das Ritual aus den Tempeln auf die Straßen und wird zu spontanen, ausgiebigen Wasserschlachten im ganzen Land.

Wasser marsch

Ich wische das Wasser aus meinen Augen, öffne sie wieder und sehe verschwommen, wie aus mehreren Wasserpistolen auf mich gespritzt wird. Schnell greife ich zu meiner gefüllten Flasche und hole zu einem Gegenschlag mit einem Wasserschwall aus. Seit Stunden sind wir schon am Herumspritzen, somit habe ich dies bereits perfektioniert und treffe zielsicher den Thailänder mit der großen Wasser-Bazooka. Er schüttelt sich ab, lacht über das ganze Gesicht, reicht mir die Hand und wünscht ein frohes neues Jahr. In der heißesten Zeit des Jahres kommt ihm offensichtlich diese erfrischende Abkühlung ganz gelegen. Nicht nur er ist von oben bis unten nass, sondern beinahe jeder, der heute unterwegs ist, sucht eine erfrischende Abkühlung. Eine Thailänderin kommt auf mich zu, in ihrer Hand erkenne ich einen kleinen Eimer mit weißer Farbe. Schneller als mir bewusst wird, bestreicht sie mein Gesicht mit der Paste. Sie erklärt mir nachher, dass dies (Baby-)Puder sei und überbringt mir gut gelaunt Neujahrsglückwünsche. Scheinbar ist die Paste mit erfrischenden Kräutern versetzt: Als sie in die Haut einzieht, fühlt sich mein Gesicht in der sengenden Hitze plötzlich kalt an, und ich spüre die kühlende Wirkung von jedem noch so leichten Lufthauch. Später erfahre ich, dass auch Talk für diese Mischungen eingesetzt wird. Auf beiden Straßenseiten stehen Menschen mit Eimern, Spritzpistolen und jeglichen anderen Schöpf-Gefäßen. Diese füllen sie an den unzähligen Tonnen, die von Shop-Betreibern und Bewohnern an der Straße aufgestellt wurden. Besonders gemein sind jene Betreiber, die massig Eiswürfel in den Tonnen schwimmen lassen und somit entsprechend kaltes Wasser bereit stellen.

Autos bleiben nicht verschont

Während Songkran gibt es nur eine Regel: Jeder muss nass werden, ob er will oder nicht. Dabei wird auch nicht davor zurückgeschreckt, vorbeifahrende Motorradfahrer abzuspritzen oder Wasser in offene Fenster vorbeifahrender Autos hineinzuschütten. Es macht jedoch am meisten Spaß, die „Kämpfe“ zwischen stehenden Personengruppen und speziellen Pickup-Geländewägen zu beobachten: Mitfahrende auf der Ladefläche holen Nachschub für ihre Pistolen aus großen Tonnen am Fahrzeug. Wasser prasselt auf beiden Seiten nieder. In dieser Schlacht gibt es jedoch nur Gewinner: Lachende Menschen mit fröhlichen Gesichtern auf beiden Seiten. Und wenn der Wagen weiterfährt, kommt der nächste – mit einer Ladefläche voll heiterer Menschen, Spritzpistolen und Wassertonnen...

David Jungwirth und Helmut Steiner reisen ein Jahr in Lederhosen rund um den Erdball. Weitere Fotos und ein Video von den Reisenden inmitten der Songkran-Wasserschlacht unter: lederhosening.com

Die Wasserpistole ist das wichtigste Requisit zu Songkran, das immer zwischen 13. und 15. April gefeiert wird. Zum Neujahrsfest werden in den Tempeln die Buddha-Statuen mit parfümiertem Wasser gereinigt. Diese symbolische Reinigung mutierte zu einer riesigen Wasserschlacht und zur größten Gaudi auf den Straßen Thailands.

Heißer April: Kein Wunder, dass die Straßenschlachten bei Alt und Jung so gut ankommen: Im April klettern die Temperaturen in Thailand tagsüber auf bis zu 40 Grad Celsius. Da freut man sich über jede Erfrischung aus dem Ei-
mer, dem Gartenschlauch oder der Wasserpistole.
2555: Das Jahr 2012 entspricht im buddhistischen Kalender dem Jahr 2555. Die Zeitrechnung ist der unseren um 543 Jahre voraus. Das Jahr 0 beginnt mit dem Tod Buddhas (Parinirvana).
Exzess: Da zu Songkran exzessiv Alkohol konsumiert wird, steigt auch die Anzahl der Verkehrsunfälle mit Verletzten und Todesopfern. Da heißt es für Touristen: Aufpassen!

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