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Gesundheit

Babyblues trifft junge Mütter oft aus heiterem Himmel

Von Dietlind Hebestreit  16. September 2020 00:04 Uhr

Babyblues trifft junge Mütter oft aus heiterem Himmel
Traurig, erschöpft, ausgelaugt: So macht sich eine Depression kurz nach der Geburt bemerkbar.

Die Geburt ist gut überstanden, das gesunde Baby liegt im Arm der Mutter und eigentlich müsste alles eitel Wonne sein. Eigentlich. Doch die junge Mutter ist antriebslos und unendlich traurig.

"Sogenannte postpartale Depressionen – nach der Geburt – sind häufig", sagt Primaria Katharina Glück. Die Leiterin der Abteilung für Psychiatrie und psychotherapeutische Medizin am Klinikum Wels-Grieskirchen hat sich unter anderem auf Probleme mit der Psyche rund um Schwangerschaft und Geburt spezialisiert. Schuld an der umgangssprachlich Babyblues genannten Störung sind oft die Hormone. "So fällt die Konzentration an Östrogenen, die während der Schwangerschaft zunimmt, nach der Geburt rasch wieder ab", erklärt die Fachärztin für Psychiatrie und psychotherapeutische Medizin.

Plötzlich ist alles anders

Die Ursachen für diese Form der Depression, die innerhalb des ersten Lebensjahrs des Kindes auftreten kann, sind vielschichtig. Neben der Umstellung der Hormone sind auch die Anstrengungen der Geburt, gestörter Nachtschlaf sowie die Veränderung der Beziehung und der familiären Situation wichtige Faktoren. "Viele Frauen sind mit der Mutterrolle überfordert und äußern Selbstzweifel", sagt Glück. Man müsse sich um das Baby aber fast nie Sorgen machen. Denn während die Frauen Angst haben, keine gute Mutter zu sein, sorgen sie meist gut für ihre Kinder. Anders sieht es mit den Müttern aus: Um ihr Wohlergehen müsse man sich in diesem Fall rasch kümmern.

Hier ist es natürlich wichtig, die Symptome zu kennen: Die Frau verändert sich, wird antriebslos, weinerlich, lustlos und traurig. "Sobald sich eine Mutter überfordert fühlt, sollte sie im Umfeld Hilfe suchen. Auch sollten die Angehörigen gut auf die junge Mutter schauen", sagt Glück.

Das kann bedeuten, dass der Vater sich nachts um das Baby kümmert, damit die Mama durchschlafen kann. Auch Hilfe beim Einkaufen, Kochen oder bei der Hausarbeit kann Druck herausnehmen.

Dem ungestörten Schlaf misst Glück eine große Bedeutung bei: "Wer nicht gut schläft, kann sich an medizinisches Personal wie den Hausarzt oder die Hebamme wenden."

Auch Psychopharmaka könnten eine Lösung sein. "Früher hat man gesagt, dass man während des Stillens keine Psychopharmaka einnehmen darf. Das stimmt nicht. Wichtig ist es, die richtige Dosierung zu finden." Wenn eine Mutter schwer depressiv ist, sei das schlecht für das Baby. Denn dann reagiert sie nicht angemessen auf die Bedürfnisse des Kindes. Medikamente seien dann die bessere Wahl. Manchmal treten auch Depressionen während der Schwangerschaft auf. Diese seien vor allem auf die veränderten Umstände zurückzuführen, die Rolle der Hormone sei da noch nicht endgültig geklärt.

Kind trotz Depression

Warum sich Glück auf dieses Gebiet spezialisiert hat: "Es geht mir auch um Frauen mit chronischen psychischen Erkrankungen, die sich ein Kind wünschen. Für sie ist es oft schwierig, einen passenden Arzt zu finden, der sie dabei betreut." Früher habe man gesagt, dass Frauen mit Depressionen oder bipolaren Störungen sicherheitshalber besser keine Kinder bekommen sollten. "Es stimmt nicht, dass diese Patientinnen nicht schwanger werden sollen. Es geht da ganz viel. Man muss sie aber gut durch die Zeit begleiten", sagt die Primaria.

Notwendig sei es auf jeden Fall, dass in so einer Situation gut beraten und engmaschig überwacht wird. Es sei auch sinnvoll, vor Schwangerschaft und Geburt ein Netz zu knüpfen, dass die Frau und das Baby im Notfall auffängt. Die Medikamente weiterhin zu nehmen, sei ebenfalls notwendig. "Die Dosis kann in diesem Fall sogar höher sein als früher, weil bei der Frau dann der Stoffwechsel schneller arbeitet", sagt Glück.

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Dietlind Hebestreit

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