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Gesundheit

Bei Kreislaufstillstand sofort handeln

Von Christine Radmayr   04. Mai 2011 00:04 Uhr

Bei Kreislaufstillstand sofort handeln
Für das Publikum gab es von den Referenten Erste Hilfe in Theorie und Praxis: Fritz Firlinger, Paul Reinthaler, Christine Radmayr (OÖN-Moderation), Markus Haase, Thomas Meindl.

„Sie können nichts falsch machen, einfach in der Mitte des Brustkorbs fest drücken. Fatal ist es nur, wenn Sie bei Atem- und/oder Kreislaufstillstand nichts tun“, das war die Schlüsselbotschaft, die Sanitäter und Notärzte kürzlich beim Mini Med Studium in Linz zum Thema Erste Hilfe gaben.

Akute Atemnot, plötzlicher Brustschmerz mit Todesangst sind Notfälle, sofort 144 wählen“, sagt Paul Reinthaler, Bezirkskommandant vom Roten Kreuz Linz. Herzinfarkt, Lungeninfarkt, Pneumothorax (Luft im Brustkorb), Verletzungen oder Entzündungen können Ursachen für akuten Brustschmerz sein.

Erste Hilfe-Maßnahmen, wenn der Patient bei Bewusstsein ist:

• Notruf 144 absetzen.

• Dafür sorgen, dass sich der Patient nicht mehr bewegt.

• Patient auf den Boden setzen. Er soll sich an der Wand anlehnen.

• Frischluft zuführen, enge Bekleidung öffnen.

• Besonnen und ruhig handeln.

• Den Patienten beruhigen, warm halten, bei ihm bleiben und zureden, er solle langsam atmen.

„Ganz wichtig ist es, die Rettung und den Notarzt einzuweisen. Oft sind die Hausnummern nicht ersichtlich, dann geht wertvolle Zeit verloren, weil wir das Ziel nicht sofort finden“, sagt Reinthaler aus der Praxis.

Im Schockraum im Spital wird sofort ein ein EKG durchgeführt, Blut abgenommen, und ein Ultraschall zeigt, ob es sich um einen Infarkt handelt. Als Therapie wird beim Infarkt das Blutgerinnsel aufgelöst, das Gefäß via Herzkatheter aufgedehnt und/oder ein Stent gesetzt. Je nach Lage des Gerinnsels und Vorschäden kann eine Bypass-Operation nötig sein.

„Beim Lungeninfarkt verstopft meist ein Gerinnsel aus den Beinen ein Gefäß. Beim Pneumothorax kommt durch einen Riss in der Lunge Luft in den Brustraum, die Lunge fällt sozusagen zusammen. Egal, was die Ursache für den Brustschmerz ist, es gelten die gleichen Erste-Hilfe-Maßnahmen wie beim Infarkt“, sagt der leitende Notarzt des Roten Kreuzes Linz, Oberarzt Fritz Firlinger, Internist im KH der Barmherzigen Brüder in Linz.

Rund 15.000 Menschen sterben jährlich in Österreich am plötzlichen Herztod, dem in 90 Prozent der Fälle Kammerflimmern vorausgeht. „Herzrhythmusstörungen können Ursachen für schwerste Kreislaufstörungen bis zum plötzlichen Herztod sein. Man unterscheidet Tachykardien, wo das Herz zu schnell schlägt, Bradykardien, wo es zu langsam schlägt, Arrhythmien und Extrasystolen, das Herzstolpern, das Herzflattern und -flimmern“, erklärt Notarzt, Anästhesist und Intensivmediziner Oberarzt Thomas Meindl vom KH der Barmherzigen Schwestern in Linz.

Beim Kammerflimmern, einer Folge einer ventrikulären Tachykardie (Kammertachykardie), schlägt das Herz viel zu schnell und zu ineffizient, es bringt keine Pumpleistung mehr zusammen. „Folge des Kammerflimmerns ist ein Kreislaufstillstand. Ein Defibrillator kann das Flimmern unterbrechen. Bis die Rettung oder der Notarzt mit einem Defi eintrifft, muss unbedingt eine Herzdruckmassage durchgeführt werden. Passiert das nicht, sinkt die Überlebenswahrscheinlichkeit pro Minute um 10 bis 12 Prozent. Durch den Sauerstoffmangel sterben Zellen ab. „Die Lebensbedrohung unbedingt mit der Herzmassage überbrücken. Eine Beatmung ist nicht zwingend, der Patient hält einige Minuten ohne sie durch“, sagt Markus Haase, Schulungsleiter des Arbeiter-Samariter-Bundes Österreich.

Ersthelfer können mit der Herzdruckmassage den Prozentsatz des Überlebens von zehn auf 25 bis 50 Prozent erhöhen. „Wenn ich als Notarzt erfahre, dass der Patient nicht rasch wiederbelebt wurde, weiß ich schon beim Eintreffen, dass seine Überlebenschance sehr gering ist“, sagt Meindl.

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