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Ein Meister fiel vom Himmel

Von Alexander Zambarloukos   30. Mai 2015

Ein Meister fiel vom Himmel
Action auf der Gugl

Der SK VÖEST schrieb im Jahr 1974 Fußball-Geschichte: Nicht einmal die kühnsten Optimisten hatten mit dem Nationalliga-Titel gerechnet. Der Lohn: ein Europacup-Spektakel der Extraklasse gegen den FC Barcelona.

  • Der SK VÖEST schrieb im Jahr 1974 Fußball-Geschichte: Nicht einmal die kühnsten Optimisten hatten mit dem Nationalliga-Titel gerechnet.
  • Der Lohn: ein Europacup-Spektakel der Extraklasse gegen den FC Barcelona.

Ein Meister fiel vom Himmel

Die mit 17 Klubs aufgeblähte Fußball-Nationalliga lag in ihren letzten Zügen, der LASK musste via Relegation um seinen Platz in der künftigen Zehner-Meisterschaft kämpfen, Rapid-Legende Hans Krankl krönte sich mit 36 Toren zum Schützenkönig, doch die Schlagzeilen gehörten in der Saison 1973/74 eindeutig dem SK VÖEST, der zum (ersten und einzigen) Meistertitel wie die Jungfrau zum Kind kam.

Warum? Weil das Trainingslager in Split, wo sich die Mannschaft auf die Herkulesaufgaben vorbereitet hatte, zur Farce wurde. Nach außen hin machte zwar der mittlerweile verstorbene Cheftrainer Helmut Senekowitsch ("Alles perfekt") gute Miene zum bösen Spiel, doch hinter den Kulissen war längst nicht alles eitel Wonne gewesen.

"Es gab nichts zu essen"

"Wir waren sechs Tage kaserniert, hatten weit und breit keinen Testgegner und keine Möglichkeiten, uns umzuziehen. Der Platz war uralt und es gab nichts zu essen. Naja, einmal haben wir Fleisch bekommen", erinnert sich der damalige "Leithammel" Ferdinand Milanovich.

Ein Meister fiel vom Himmel
Welle der Begeisterung

Es ging alles andere als harmonisch innerhalb des Teams zu: "Es gab drei Gruppen und ein Lokal am Strand. Naja, wie soll ich sagen: Ein paar sind ins Meer gegangen." Nüchtern? Wer weiß?

Die Dinge schienen ziemlich aus den Fugen zu geraten, doch Senekowitsch war stets ein unverbesserlicher Optimist und letztlich auch die Stimmungskanone, die das Herzblut zum Fließen brachte: "Aufgegeben wird nur ein Brief. Wir werden den Gegnern zeigen, wo der Bartl den Most holt." Und genau so sollte es kommen, wenngleich ein bisschen Glück dabei war im Endspurt der Meisterschaft.

In der Endtabelle fand sich der SK VÖEST, der 1997 durch die Fusion mit dem LASK zu Grabe getragen werden sollte, einen Punkt vor Wacker Innsbruck – einen weiteren Zähler dahinter Rapid.

Ein Meister fiel vom Himmel
Die Meistermannschaft des SK VÖEST Linz 1973/74

Die Entscheidung fiel im Herzschlagfinale am 1. Juni 1974. Die Linzer "Werkssportler" gewannen in der letzten Runde vor nur 5000 Zuschauern auf der Gugl durch zwei Treffer des deutschen Goalgetters Michael Lorenz (4., 31.) 2:0 gegen die Vienna, der Verfolger aus Tirol kam in Graz gegen Sturm über ein torloses Remis nicht hinaus.

"VÖEST ist Meister", titelten die OÖN in großen Lettern. Der Lohn dafür wurde auf dem Silbertablett serviert. Die Auslosung im Europapokal der Landesmeister bescherte den Blau-Weißen ein echtes Traumlos in Runde eins. Am 18. September 1974 erschien das Star-Ensemble des FC Barcelona mit Trainer Rinus Michels und dem überragenden Johan Cruyff im mit 26.000 Fans aus allen Nähten platzenden Linzer Stadion. Das achtbare Ergebnis: 0:0. Im Retourmatch legten die Katalanen dann einen Zahn zu – 5:0.

Nachgefragt bei...

Ferdinand Milanovich   

Nachgefragt bei Ferdinand Milanovich (68)

Milanovich war einer der Helden aus der VÖEST-Meistermannschaft und später 1x Chef- und 3x Interimstrainer

  1. Meister 1974 mit dem SK VÖEST – das muss der Gipfel aller Emotionen für Sie gewesen sein, oder?

    Jein. Von der Ausbeute schon, von den Ergebnissen auch. Wir hatten es ja eigentlich schon in Eisenstadt ,versabelt’ (0:0), aber dann hat uns Sturm gegen Innsbruck (0:0) geholfen. Das war natürlich erfreulich. Aber eines muss man schon sagen: 1971/72, als wir Dritter wurden, haben wir noch besser gespielt. Das war der Fußball, den sich jeder vorstellte. Damals kamen auch mehr Zuschauer als in der Meistersaison.
  2. Aber kein Vergleich zum Auftritt des FC Barcelona im Oktober 74 in Linz. Das war speziell.

    In der Tat. Da kam eine Wahnsinnstruppe auf die Gugl. Mit 16 Teamspielern und mitten drin der große Johan Cruyff. Wir haben Zusatztribünen aufgebaut, leider war das Flutlicht nicht gut genug für eine Farbfernsehübertragung. „Barca“-Trainer Rinus Michels musste so viele Interviews geben, dass der Teambus nach dem 0:0 ohne ihn abgefahren ist.
  3. Heute existiert der SK VÖEST im Profifußball nicht mehr. Der FC Blau-Weiß ist so etwas wie ein Auffangbecken geworden. Identifizieren Sie sich mit diesem Verein?

    Nein. Das ist eine eigene Sache. Für Oberösterreich wäre es wünschenswert, wenn der LASK wieder ganz nach oben kommt. Das ist ein schlafender Riese.
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