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„Linzer Jahre waren meine schönste Zeit als Musiker“

Von Karin Schütze, 06. Dezember 2021, 00:04 Uhr
Dirigent Martin Sieghart wurde im März 70. Bild: Liva

Martin Siegharts Buch „Übergänge“ erzählt(s)ein Musikerleben so klug wie unterhaltsam.

„Es soll ein Buch für Menschen sein, die Musik lieben. Weder bin ich ein Schriftsteller noch will ich jemanden belehren“, schickt Martin Sieghart seinen biografischen „Übergängen“ vorweg. Dennoch: Wie der ehemalige Chefdirigent des Bruckner Orchesters Linz (1992–2000) und einstige Solocellist der Wiener Symphoniker (1975–1986) sein Musikerleben in 50 Kapiteln für den Leser aufblättert, ist ein lehrreiches Lesevergnügen, das viel Wahrheit mit etwas Dichtung verknüpft.

Das Bruckner Orchester in Japan

Ein besonders langes Kapitel widmet der gebürtige Wiener, der in Mühlheim im Innviertel seine Wahlheimat gefunden hat, seinem Bruckner Orchester, „das ich liebe und verehre“, wie er im OÖN-Gespräch betont, und mit dem er 1996 eine erfolgreiche Japan-Tournee absolvierte, der sich auch ein Kapitel widmet: Offen erzählt er von der empfundenen Peinlichkeit, die der in eine Suite verbannte Maestro seinen Musikern gegenüber empfand. Seine acht Linzer Jahre zählt er „zur schönsten Zeit als Musiker“, weshalb er sich über ein Gastdirigat im Musiktheater freuen würde.

Wie es kam, dass er seinen Vornamen dem kleinen Ort St. Martin im Innkreis verdankt, lässt schmunzeln. Ebenso wie die Schilderung des Orgelmysteriums, das sich dem zehnjährigen Einspringer an der Königin der Instrumente in der Kirche in Mühlheim offenbarte. Er verneigt sich vor seinen Mentoren wie Josef Mertin, aber ebenso – als Professor für Dirigieren an der Musikuniversität Graz (2001–2016) – vor seinen Schülern und „der wunderbaren Arbeit mit jungen Menschen ohne Nationalismen“, unter ihnen auch Giedre Slekyte aus Litauen, nun erste Gastdirigentin des Bruckner Orchesters.

„Übergänge“ öffnet dem Leser eine Schatzkiste an musikalischem Wissen und persönlichen Erfahrungen hinter den Kulissen des Proben-, Konzert- und Orchesterlebens. All das mündet in dem Bekenntnis: „Es ist besser, ein Suchender zu bleiben!“

Bild: Verlag

Martin Sieghart: „Übergänge. Ein Musikerleben in 50 Kapiteln“, Hollitzer Verlag, 315 Seiten, 22 Euro.

Radio-Tipp: Am 8.12. (9 Uhr) ist Sieghart in Radio OÖ in der „Linzer Torte“ zu Gast.

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Autor
Karin Schütze

Redakteurin Kultur

Karin Schütze
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